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Sheryl Sandberg auf der Digitalkonferenz DLD Wie Facebooks Vorzeigefrau ihre Firma und sich selbst retten will

Facebooks Geschäftsführerin Sheryl Sandberg bietet in München eine perfekte Show. Zwischen den Zeilen tritt aber immer wieder ihr Machtanspruch zutage.
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Die Co-Chefin von Facebook, Sheryl Sandberg, spricht auf der Innovationskonferenz DLD in München. Quelle: AFP
Sheryl Sandberg

Die Co-Chefin von Facebook, Sheryl Sandberg, spricht auf der Innovationskonferenz DLD in München.

(Foto: AFP)

MünchenIn Momenten wie diesen zeigt sich das ganze Talent der Sheryl Sandberg. Auf dem Höhepunkt der größte Krise ihres Konzerns – und auch ihrer eigenen Karriere – schreitet Facebooks Geschäftsführerin im dunkelblauen Kleid mit goldenen Knöpfen über die Bühne in der Alten Kongresshalle der Digitalkonferenz DLD in München. Aufrecht, ruhig, selbstbewusst doziert sie über Vertrauen, Freiheit, das Internet als solches, seine Zukunft.

Den Druck, unter dem Facebooks Co-Chefin steht, soll niemand sehen. Die Show ist perfekt. Die langjährige Politstrategin im Finanzministerium in Washington betont: Facebook habe sich geändert. „Wir sind nicht dasselbe Unternehmen, das wir im Jahr 2016 waren oder auch nur vor einem Jahr.“ Der Konzern habe aus den Versäumnissen gelernt. „Wir wissen, dass wir besser darin werden müssen, sicherzustellen, dass wir die Risiken voraussehen, die damit einhergehen, so viele Menschen zu verbinden.“

Bei ihrem Auftritt in München setzt Sandberg alles daran, Facebook zu retten, das nicht aus den negativen Schlagzeilen herauskommt – und ein wenig auch sich selbst. Nach dem schlimmsten Jahr seiner Unternehmensgeschichte, den Skandalen um Cambridge Analytica, Hasskommentare, Wahlmanipulation und Datenlecks kämpfen das Netzwerk und seine Co-Chefin um die Gunst von Nutzern, Werbekunden und Politik.

Noch kurz vor ihrem Auftritt holte Facebook die Vergangenheit ein. Laut einem Bericht der „Washington Post“ erwägt die US-Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC) eine Rekordstrafe gegen das weltgrößte soziale Netzwerk. Die Summe könnte demnach weitaus höher ausfallen als die 22,5 Millionen Dollar hohe Bußgeld, zu dem die Behörde 2012 Google verdonnerte – eine weitere Schlappe für die einst gefeierte Sandberg.

Lange stand die 49-Jährige Sandberg für eine neue Generation weiblicher Spitzenmanagerinnen. Nun entwickelt sich die Vorzeigefrau zur Belastung für Gründer Mark Zuckerberg. Seit dem letzten Hoch im Juli 2018 gab der Facebook-Kurs um 25 Prozent nach. Im Zentrum der Kritik steht auch Sandberg selbst, die erst nach und nach einräumte, in der Krise über die üblen Machenschaften der konservativen PR-Agentur Definers Bescheid gewusst zu haben.

Die freundliche, verbindliche Rede soll die Spekulationen hinweg wischen, die Co-Chefin liege mit Zuckerberg über Kreuz, wie das „Wall Street Journal“ berichtete, die Gerüchte, mit dem Opfer der Co-Chefin könne sich der Konzern den Neuanfang erkaufen.

Sandberg drückt den Rücken durch, breitet rhetorisch die Arme aus, umarmt das Publikum, die Öffentlichkeit, die Kritiker.  „Wir hören zu und lernen und wir machen Fortschritte“, sagt Sandberg. Sie will nicht länger in die Vergangenheit schauen, eher schon in die Zukunft.

So kündigt Facebook eine neue Partnerschaft mit dem Bundesministerium für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für die Europawahl an, um den Urnengang vor Manipulationen zu schützen. Ihre Firma werde zudem ein neues unabhängiges Forschungszentrum an der Technischen Universität München (TUM) mit 7,5 Millionen Dollar sponsern, das die ethischen Fragen der Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) untersuchen soll.

Zwischen den Zeilen tritt immer wieder Sandbergs Machtanspruch zutage: Sie spreche auch im Namen von Zuckerberg, lässt sie wissen. Sie hätten das Unternehmen gemeinsam aufgebaut. Tatsächlich waren die Rollen im blauen Imperium von jeher klar aufgeteilt: Der Facebook-Gründer hatte die Visionen, Sandberg erfand die zugehörige Ertragsmaschine. Deshalb dürfte es für Zuckerberg auch nicht einfach sein, sie zu entlassen.

Vor Sandbergs Auftritt war die Stimmung im Publikum in München allenfalls gespalten. Als Sandbergs Vorrednerin, die britische Autorin Rachel Botsman fragte, welcher Firma die Menschen im Saal am meisten vertraue – Uber, Facebook oder Amazon – herrschte, als der Name des weltgrößten Netzwerks fiel, zuerst Stille im Raum, gefolgt von nervösen Lachern.

Sandberg müht sich, neues Vertrauen herzustellen. Das Netzwerk investiere „jedes Jahr Milliarden in Sicherheit“, lässt sie wissen. „Nichts ist wichtiger für uns als dass die Menschen sicher sind. „Euch gehören die Informationen, die ihr bei Facebook teilt und ihr habt die Kontrolle darüber.“

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