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Sicherheitsbedenken Vodafone hält Huawei beim 5G-Aufbau die Treue – doch nicht bedingungslos

Konzernchef Nick Read will beim Netzausbau trotz Spionage-Vorwürfen weiter auf Teile aus China setzen. Allerdings nicht unbedingt im Kernbereich.
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Der Vodafone-Chef verteidigt den chinesischen Riesen Huawei. Quelle: Vodafone
Vodafone-Chef Nick Read

Der Vodafone-Chef verteidigt den chinesischen Riesen Huawei.

(Foto: Vodafone)

LondonDer Chef des britischen Telekomriesen Vodafone hat sich in der Debatte um Sicherheitsrisiken bei Huawei-Bauteilen hinter den chinesischen Hersteller gestellt. Man dürfe die Fakten nicht aus den Augen verlieren, appellierte Nick Read, der vergangenen Mai vom Finanzchef zum CEO aufgestiegen worden war und das Amt seit Oktober ausübt. Huawei habe schließlich einen Marktanteil von 35 Prozent in Europa.

Wenn man die Produkte der Chinesen aus sämtlichen Anwendungen ausschließe, führe das zu hohen Kosten und Verzögerungen beim Aufbau des 5G-Netzwerkes. Man müsse klar unterscheiden, in welchen Teilen eines Netzwerkes Huawei-Teile eingebaut würden, im besonders sensiblen „Core“-Bereich oder lediglich bei der Übertragungstechnologie, so der Vodafone-Chef.

Huawei wird verdächtigt, im Auftrag der chinesischen Regierung beim Aufbau von Kommunikationsnetzen Hintertürchen für die Spionage anzulegen. Beweise für diese Vorwürfe gibt es nicht, das Unternehmen wehrt sich dagegen. Doch der Druck auf den chinesischen Kommunikationsriesen steigt, vor allem auf Betreiben der USA.

Neben den USA haben Australien und Neuseeland die Chinesen weitgehend vom Aufbau ihrer 5G-Netze ausgeschlossen, in Deutschland und Großbritannien wird über die Rolle von Huawei diskutiert. Vodafones lokaler Konkurrent British Telecom hatte Anfang Dezember mitgeteilt, dass Huawei beim Aufbau von 5G in Großbritannien in der Kerntechnologie nicht eingesetzt werde und die Technik des Unternehmens sogar aus den Kernbereichen der 3G- und 4G-Netze entfernt werde.

Angesichts der Debatte über die Sicherheit von Huawei habe sich Vodafone entschlossen, die Produkte der Chinesen in Europa im Kernbereich zunächst nicht mehr zu verbauen, sagte Read am Freitag. Man werde „pausieren“, während man weiter mit den zuständigen Behörden spreche. Aber er verteidigte das chinesische Unternehmen auch: „Ich habe das Gefühl, dass Huawei in der Situation wirklich offen ist und hart arbeitet.“

Vodafone hatte am Freitagmorgen seine aktuellen Umsatzzahlen vorgelegt – denen zufolge Firmenchef Read noch viel Arbeit vor sich hat, selbst wenn er die Jahresziele bekräftigte.

In den drei Monaten bis Ende 2018 waren die Umsätze des britischen Mobilfunkriesen um 1,6 Prozent gesunken und damit weniger hoch als Analysten erwartet hatten. Einmal mehr erwiesen sich vor allem die Ländergesellschaften in Italien und Spanien als Problemfall. Dort herrscht ein harter Konkurrenzkampf, der die Umsätze – und Margen – der dort aktiven Unternehmen drückt.

Der Druck habe im Laufe der vergangenen Monate etwas abgenommen, beteuerte Read, das zeige sich aber noch nicht in den Ergebnissen. Vodafone verbuchte im Quartal ein Umsatzrückgang von 2,8 Prozent in Italien und 7,3 Prozent in Spanien.

Fusion unter der Lupe

In Vodafones wichtigstem Markt Deutschland stiegen die Quartalserlöse hingegen um 1,1 Prozent. Gleichwohl steht Read, der im vergangenen Oktober von seinem Posten als Finanzchef zum Firmenchef aufgestiegen war, auch in Deutschland vor schwierigen Zeiten.

Die EU-Kommission hatte im Dezember angekündigt, die geplante Übernahme von Unitymedia an Vodafone genau zu überprüfen. Vodafone und Liberty Global hatten vergangenes Jahr vereinbart, dass der Mobilfunkriese dem bisheriger Besitzer Liberty Global Unitymedia sowie deren Mobilfunktöchter in Osteuropa abkauft – ein Megadeal mit einem Volumen von 18,4 Milliarden Euro. Doch die EU befürchtet, dass das Zusammengehen von der Marktriesen den Wettbewerb beeinträchtigen könnte.

Daneben steht die Versteigerung von Frequenzen für den 5G-Mobilfunk in Deutschland unmittelbar bevor, und das dürfte für Vodafone wieder teuer werden. Das Bundesfinanzministerium war bislang davon ausgegangen, von den bietenden Unternehmen insgesamt bis zu fünf Milliarden Euro einzusammeln, doch dieses Mal ist mit United Internet zusätzlich zu den etablierten Netzbetreibern Telekom, Vodafone und Telefonica ein weiterer Bieter in Erscheinung getreten. Eine Bieterschlacht um die begehrten Frequenzen könnte die Einsätze deutlich steigern.

Dazu kommt, dass es die Unternehmen nicht nur Geld für die Lizenzen bezahlen müssen - sie müssen außerdem ihre bestehenden Netze für die neue Technik aufrüsten. Nach Einschätzung von Experten hinken vor allem Vodafone und Telefonica da hinterher.

Bis zu diesem Freitagnachmittag müssen sich alle Firmen festlegen, die um die Frequenzen für den 5G-Mobilfunk mitbieten wollen, wann genau die Auktion dann stattfindet, ist unklar: Die Bundesnetzagentur hat lediglich angekündigt, dass sie in diesem Frühjahr stattfinden soll, frühestens Ende März soll es soweit sein, heißt es.

An der Börse verfolgt man die Entwicklungen bei dem britischen Unternehmen derweil nicht besonders optimistisch: In den vergangenen zwölf Monaten hatte die Aktie rund ein Drittel ihres Wertes verloren, seit Jahresbeginn war es gut zwei Prozent runter gegangen. Die Konkurrenz schlug sich da wesentlich besser. Auch am Freitag fiel der Kurs der Vodafone-Aktie weiter.

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