Sicherheitslücke Hackerangriff auf Facebook kommt für Zuckerberg zum ungünstigsten Zeitpunkt

Über eine Sicherheitslücke könnten Hacker bei Facebook Daten von bis zu 50 Millionen Nutzern gestohlen haben. Das Timing könnte für das Unternehmen nicht schlechter sein.
Update: 29.09.2018 - 11:12 Uhr Kommentieren
Laut dem Facebook-Chef hätten die Hacker die Möglichkeit gehabt, private Nachrichten einzusehen oder etwas auf dem Account des Opfers zu veröffentlichen. Quelle: AP
Mark Zuckerberg

Laut dem Facebook-Chef hätten die Hacker die Möglichkeit gehabt, private Nachrichten einzusehen oder etwas auf dem Account des Opfers zu veröffentlichen.

(Foto: AP)

San FranciscoUnbekannte Hacker haben sich Zugang zu 50 Millionen Nutzerkonten des sozialen Netzwerks Facebook verschafft. Das weltgrößte Online-Netzwerk teilte am Freitag mit, die Attacke sei am Dienstag entdeckt und die Schwachstelle inzwischen geschlossen worden. Man habe auch die Behörden eingeschaltet.

Es sei unklar, wer hinter den Attacken stecke und woher sie stammten, teilte das Unternehmen mit. Facebook-Chef Mark Zuckerberg erklärte, die Hacker hätten die Möglichkeit gehabt, private Nachrichten einzusehen oder etwas auf dem Account des Opfers zu veröffentlichen. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass dies geschehen sei: „Wir wissen noch nicht, ob die Konten tatsächlich missbräuchlich genutzt wurden.“

Das Timing für Facebook könnte nach Ansicht von Holger Mueller von der Unternehmensberatung Constellation Research kaum ungünstiger sein. „Er kommt zu einer schlechten Zeit, da Facebook ja Vertrauen gewinnen will“. Mit Konsequenzen für Zuckerberg selbst rechnet Mueller jedoch vorerst nicht. Um einen Rücktritt des Gründers zu erzwingen, „müssten schon schlimmere Dinge passieren“, glaubt er.

Das Unternehmen hat wegen diverser Sicherheitspannen und Datenschutzlecks bereits turbulente Monate hinter sich – unter anderem kämpft es noch mit den Auswirkungen des Datenskandals um Cambridge Analytica. In Brüssel brachte am Samstag der mögliche Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei für die Europawahl, Manfred Weber, sogar eine Zerschlagung von Facebook ins Gespräch.

„Die EU-Kommission sollte prüfen, ob beispielsweise Facebook nach der Übernahme von WhatsApp und Instagram eine marktbeherrschende Stellung besitzt“, sagte der CSU-Politiker dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Man müsse „die Monopolfrage“ stellen. Im Extremfall sei „auch eine Entflechtung so eines Konzerns denkbar“.

Bislang scheint sich aber kein Skandal nachhaltig auf das Vertrauen der weltweit zwei Milliarden User ausgewirkt zu haben. In diesem Monat hatte Facebooks Vorstandsmitglied Sheryl Sandberg bei einer Befragung in Capitol Hill in Bezug auf den Vorwurf der russischen Manipulationsversuche während der US-Wahlen erklärt: „Wir waren zu langsam, um es zu erkennen und zu handeln, das geht auf uns.“ Doch inzwischen habe ihr Konzern die Situation besser im Griff und bereits „Hunderte“ unglaubwürdige Seiten und Nutzerkonten gelöscht.

Die neuerliche Sicherheitspanne mehrt die Zweifel daran. „Wir sehen konstante Attacken von Menschen, die Accounts übernehmen oder Informationen stehen wollen“, erklärte Zuckerberg nun in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. „Wir müssen mehr tun, um dies von Anfang an zu verhindern.“

In einem Blog-Post erläuterte Guy Rosen, Facebooks Vice President of Product Management, wie die Angreifer offenbar vorgegangen waren. Demnach nutzten die Hacker eine Schwachstelle in dem Feature „View As“, mit dem Nutzer ihr Profil aus der Sicht anderer betrachten können, um die sogenannten Token zu übernehmen – eine Art Zugangsschlüssel für die Facebook-Accounts.

Mit dem Token können Nutzer ihr Profil immer wieder aufrufen, ohne jedes Mal das Passwort neu eingeben zu müssen. Theoretisch hätten sich die Kriminellen damit Zugang auf das jeweilige Facebook-Profil verschaffen können. Noch ist unklar, ob die Angreifer tatsächlich Daten erbeuteten oder missbrauchten.

Der Hackerangriff dürfte die ohnehin schon kritischen Politiker in Washington in ihrer argwöhnischen Sicht auf das Netzwerk bestärken. Hinzu kommt, dass im Unternehmen die internen Konflikte über den Kurs bei Privatsphäre-Themen zuzunehmen scheinen – entgegen der vermeintlichen Einigkeit, die die Führungsriege von Facebook nach außen zeigt. Am Montag gaben die zwei Instagram-Gründer Kevin Systrom und Mike Krieger bekannt, „in Kürze“ das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen zu wollen.

Wie amerikanische Medien berichten, steckt dahinter der Frust über die Einmischung von Facebook-Chef Zuckerberg bei Instagram, der immer stärker darauf drängte, die Plattform zu monetarisieren. Erst Ende April verließ der Whatsapp-Mitgründer Jan Koum das blaue Imperium – aus Protest gegen die Einführung von Werbung auf seiner Plattform und wegen Plänen von Zuckerberg, die Verschlüsselung von Whatsapp aufzuweichen, wie es hieß.

Der WhatsApp-Mitgründer Brian Acton, der Facebook schon zuvor den Rücken gekehrt hatte, rechnete harsch mit dem Management des sozialen Netzwerks ab. „Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer für einen größeren Gewinn verkauft“, erklärte er diese Woche selbstkritisch im Interview mit Forbes. Facebook hatte WhatsApp 2014 übernommen.

Die interne Kritik ist ein schwerer Schlag für die Facebook-Spitze. Gemeinhin bevorzugen es Investoren in Silicon Valley, wenn Gründer nach einer Übernahme möglichst lange im Konzern bleiben, um die Moral der Mitarbeiter zu erhalten.

Mit den Vorfällen wächst die Kritik an Zuckerberg selber: Aber noch halten Analysten zu ihm. Gene Muster von der Investmentfirma Loup Ventures hält Zuckerberg nach wie vor für die beste Wahl für die Spitze von Facebook. Das Krisenmanagement des sozialen Netzwerks bezeichnet er als „herausragend“. Doch der Konzern stehe vor „gewichtigen Herausforderungen“, wie etwa dafür zu sorgen, dass die Nutzer genug Zeit im Netzwerk verbringen, damit die Werbeerlöse stabil bleiben.

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