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Smartphone-Spiele Wenn Kunden der Werbung hinterherjagen

Das Smartphone-Spiel Ingress mobilisiert Millionen. Zuletzt waren sie unterwegs, um rund um den Globus Schilder der Versicherung Axa zu finden. Mobile Werbung nutzt gekonnt den Spieltrieb der Kunden.
17.09.2015 - 16:57 Uhr
„Wir bringen die Gamer wieder auf die Straße und das „social“ zurück aus dem Digitalen in die echte Welt.“
Smartphone-Spiel Ingress

„Wir bringen die Gamer wieder auf die Straße und das „social“ zurück aus dem Digitalen in die echte Welt.“

San Francisco An den Wänden des winzigen Büros von Niantic-Gründer John Hanke in San Francisco ist kein Millimeter Platz mehr frei. Überall Fotos von Fan-Treffen des Online-Multiplayer-Spiels Ingress. Vor ein paar Jahren, zeigt er auf ein Foto, kamen ein paar versprengte Figuren zu den Wochenendtreffen zusammen. Auf den jüngsten Fotos füllen Menschenansammlungen große Plätze. Es sind Tausende auf einmal. „Über zwölf Millionen Menschen spielen heute Ingress und bevölkern die Straßen“, so Hanke. Denn Ingress ist nichts für Faulpelze. Bei dem Smartphone-Spiel, bei dem Millionen Menschen gleichzeitig im Internet agieren können, verwandeln sich echte Gebäude, Parks, Denkmäler oder Sehenswürdigkeiten in magische Portale.

Zwei Lager mit Millionen Mitgliedern kämpfen weltweit um die Macht über Portale und damit den Planeten. Um sie zu erobern oder zu verteidigen, muss man bis auf 40 Meter an sie herankommen. Erst dann werden sie auf der Smartphone App und bald auch der Smartwatch angezeigt. Ingress ist GPS-gesteuert wie ein Navigationssystem und nur auf Smartphones verfügbar.

Schlüssel für die Verteidigung der Portale sind digitale Schilder. Sie sind in Portalen versteckt und werden gesammelt. Über die vergangenen fünf Monate war nichts so mächtig, so begehrt und so selten wie das „Axa Schild“. Millionen Spieler tauschten sich darüber aus, wie und wo man das Schild der französischen Versicherungsgesellschaft finden kann. Angegriffene Spieler riefen im Chat um Hilfe und „Axa Schilder“. Der einfachste Weg, sie zu bekommen: zu einer von über 20.000 Axa-Filialen weltweit gehen, die in digitale Portale umgewandelt waren. So wurde der Versicherer zum integrierten und verzweifelt gesuchten Bestandteil der Spielekommunikation, beschreibt Hanke, und nicht zum „nervigen Werbe-Störer“.

Wer nicht mehr lügen darf
gutfried_putencervelatwurst
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Bekannt für seine Kritik an Lebensmittelherstellern, die nicht halten, was sie versprechen, ist die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Im vergangenen Jahr rief sie dazu auf, gegen die „Puten Cervelatwurst“ vom Geflügelwurst-Hersteller Gutfried zu protestieren. Der Grund: Die vermeintliche Geflügelwurst bestand zu knapp der Hälfte aus Schweinefleisch. Zu erkennen war das im Kleingedruckten auf der Rückseite. Nach fast 10.000 Verbraucher-beschwerden besteht die Putenwurst nun tatsächlich auch zu 100 Prozent aus Pute.

Rauchfreie Zigarette
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Auch der Lebensmitteldiscounter Netto wurde wegen unlauteren Wettbewerbs verurteilt. Geklagt hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen, weil Netto in einem Prospekt damit geworben hatte, dass die von ihm verkauften Zigaretten eine "gesündere Art zu rauchen" darstelle. Das Landgericht Amberg gab dem Kläger Recht. Netto darf die E-Zigarette nicht mehr als gesundheitlich bedenkenloser bewerben.

Im Bild eine rauchfreie Zigarette des Schweizer Unternehmens NicStic.

(Foto: dpa)
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Erst Mitte November hatte Babykost-Hersteller Hipp seine zuckerhaltigen Instant-Tees vom Markt genommen. Das Unternehmen hat damit auf Kritik der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch reagiert. Diese hatte bemängelt, dass der Tee zu viel Zucker enthalte.

Obwohl Hipp den Tee jetzt nicht mehr anbietet, halte der Unternehmer die Kritik der Verbraucherschützer für ungerechtfertigt, schreibt der "Tagesspiegel". Der Zuckergehalt in den Tees habe in etwa dem einer Apfelschorle entsprochen, die mit zwei Teilen Wasser und einem Teil Saft gemischt worden sei.

Datenklau bei Kreditkarten
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Auf Antrag der Wettbewerbszentrale hat das Landgericht Itzehoe im März die comdirect-Bank zur Unterlassung der irreführenden Werbung für eine Visakarte verurteilt. Das Unternehmen hatte damit geworben, dass Besitzer eines Girokontos bei comdirect eine Visakarte bekommen, die unabhängig vom monatlichen Geldeingang auf dem Konto ausgehändigt wird.

Ein Kunde hatte das Angebot wahrnehmen wollen, die Kreditkarte wurde ihm jedoch verwehrt. Auf Nachfrage teilte ihm die Bank mit: „Ihren Auftrag prüfen wir gerne erneut, wenn Ihr Konto regelmäßige monatliche Geldeingänge (z. B. in Form von Gehalt) aufweist.“
Die Wettbewerbszentrale beanstandete die Ankündigung der Ausstellung einer Visakarte im Rahmen der Bewerbung des kostenlosen Girokontos nach eigenen Angaben als irreführend, weil entgegen der werblichen Ankündigung „Ohne Mindestgeldeingang“ die Ausstellung der Visakarte von einem Gehaltseingang abhängig gemacht wurde.

(Foto: dpa)
Franzoesischer Senat verabschiedet "Nutella-Steuer"
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Noch laufend ist eine Sammelklage gegen den Hersteller von Nutella. Die im kalifornischen San Diego lebende Athena Hohenberg, Mutter eines Kindes, hatte im Februar 2011 geklagt, weil Ferrero den süßen Brotaufstrich als "Beispiel für ein ausgewogenes und schmackhaftes Frühstück" sowie als "gesünder" darstelle, als er in Wirklichkeit sei. Sie sei "schockiert" gewesen zu erfahren, dass Nutella "nicht gesund", sondern kaum besser als Süßigkeiten sei, noch dazu habe es einen "gefährlich" hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, hieß es in der Klageschrift weiter.

Derzeit sieht es so aus, als würden sich die Parteien außergerichtlich einigen. Ferrero will bis zu vier Dollar für jedes Glas Nutella zurückgezahlen, das seit August 2009 in Kalifornien oder anderswo in den USA seit Januar 2008 gekauft wurde.

(Foto: dapd)
huGO-BildID: 23532785 Kelly Brook in Reebok EasyTone Ad, Reebok Werbespot, Screenshot
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Im Herbst 2011 beanstandete die amerikanische Handelsaufsicht Reebok-Werbung für angeblich muskelaktivierende Schuhe. Die Kampagnen für die Kassenschlager EasyTone (im Bild) und RunTone hätten irreführend auf gesundheitliche Vorteile beim Tragen der Schuhe verwiesen, hieß es. Um einen langen Rechtsstreit zu vermeiden, einigte sich Adidas mit der US-Behörde auf einen Vergleich und zahlte 25 Millionen Dollar Strafe. Aus Bestsellern wurden so Ladenhüter.
Reebok hatte für EasyTone unter anderem damit geworben, dass durch das Tragen der Schuhe die Gesäßmuskulatur um bis zu 28 Prozent stärker aktiviert würde. Dazu gab es in den USA einen Werbespot, der mit den Worten endete: "Bessere Beine und ein besserer Hintern mit jedem Schritt."

(Foto: PR)

Über 600.000 Spieler kamen in die Nähe einer Filiale, viele davon vielleicht zum ersten Mal. Wir nennen das „Click to Brick“, schmunzelt er, wir bringen digitale Spieler zu echten Geschäften. Fünf Millionen „Axa Schilder“ wurden auf die Smartphones der Spieler übertragen. Jedes Mal hat dann bei Ingress die Kasse geklingelt. So, als ob jemand auf einen Werbebanner geklickt hat. Pro Besucher gab es „weniger als einen Dollar“, mehr will Hanke nicht verraten. Ende des Jahres werde Ingress profitabel arbeiten.

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    Axa-Vertreter besuchten die Wochenendtreffen und kamen direkt mit 55.000 Personen in Kontakt, wie die Unternehmen mitteilen. Warum der Aufwand? „Die klassische Online-Werbung funktioniert auf kleinen Bildschirmen nicht mehr“, konstatiert der frühere Google-Manager, der noch heute sein Büro in Googles Niederlassung in San Francisco hat.

    Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er: „Großflächige Anzeigen, die sich immer wieder zwischen Nutzer und App zwängen, Inhalte verdecken und mühsam weggeklickt werden müssen, ärgern die Nutzer nur noch.“ Und niemand will sich durch lange Menüs hangeln und Kreditkartendaten eingeben, um auf dem Smartphone etwas zu kaufen.

    Axa ist nicht das einzige Unternehmen. In Japan belagern verzweifelte Spieler Mobilfunk-Geschäfte von Softbank, um sich einen „Softbank Ultralink“ zu sichern, oder stehen vor Filialen der Bankholding Mitsubishi Financial Group. In San Francisco finden sich nützliche Werkzeuge bei Abgabepunkten des Carsharing-Dienstes Zipcar. So mancher besucht dann zum ersten Mal einen Zipcar-Parkplatz in seiner Nachbarschaft. „Die richtige Balance zwischen „nativen“ und gesponserten Werkzeugen ist das Geheimnis“, ist Hanke sicher.

    Mit Google im Hintergrund ist der nächste Schritt vorgezeichnet. Die zugrundeliegende Technik wird zu einem neutralen Anzeigennetzwerk speziell für mobile Geräte ausgebaut. „Wir lösen die Ad-Networks für den PC-Bildschirm ab“, ist Hanke sicher. Der Sprung geht dann vom Spielen in den E-Commerce. Die japanische Kaffeehaus-Kette Lawson bastelt schon an speziellen Rabatten für treue Ingress-Spieler in ihren Filialen.

    Aber Geld ist nicht alles, was Hanke antreibt: „Wir bringen die Gamer wieder auf die Straße und das „social“ zurück aus dem Digitalen in die echte Welt.“ Lehrer nutzen das Spiel, um Schüler mit Kulturdenkmälern in ihrer Umgebung vertraut zu machen . Die älteste Spieler ist über 90 Jahre alt. Ihr Enkel gab ihr das Spiel und jetzt streift sie wieder durch ihre Heimatstadt auf der Suche nach Portal.

    Manche Spieler haben schon tausende Kilometer zurückgelegt, das belegen die Ortsdaten der App. „Im Grunde“, schmunzelt der drahtige Softwareveteran, der Jahre seines Lebens vor Spielekonsolen verbracht hat, „sind wir das Fitbit der Gaming-Industrie.“

    Einen Rückschlag musste er allerdings schon verkraften: Googles Datenbrille Glass wäre ideal gewesen, um die reale Welt mit der digitalen zu verschmelzen. Doch Glass ist Geschichte. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf der Datenbrille Magic Leap, in die Google 500 Millionen Dollar investiert hat, und natürlich den Smartwatches. Selbst, wenn sie von Apple kommen.

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