Snapchat-Mutter Warum der Nutzerrückgang bei Snap ein böses Omen ist

Nettoverlust verringert, mehr Umsatz als erwartet – aber eine enttäuschende Entwicklung bei den Nutzerzahlen. Diese Mischung schickt die Snap-Aktie auf Achterbahnfahrt. Investoren fürchten: Der nächste Social-Media-Konzern könnte in Schwierigkeiten geraten.
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„Das Gespenst lebt noch“ – so fallen die Quartalszahlen von Snap aus

Santa MonicaEs ist noch Leben in der Snap-Aktie. Aber es ist nicht klar, ob es noch echtes Leben ist oder nur letzte Zuckungen. Nach Veröffentlichung der Zahlen zum zweiten Quartal sprang die Aktie des Unternehmens nachbörslich zunächst bis auf fast neun Prozent in die Höhe, um dann scharf bis in den Minusbereich zurückzufallen. Später erholte sich der Kurs wieder etwas.

Gute und schlechte Nachrichten gaben sich die Klinke in die Hand, und Analysten sind extrem vorsichtig. Erst Facebook, dann Twitter, jetzt Snap. Die Quartalsausweise der Social-Media-Giganten aus dem Silicon Valley waren bislang kein Grund zur Freude.

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Dabei erfreute bei Snap eine Verringerung des Nettoverlusts im abgelaufenen zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 20 Prozent auf 353 Millionen Dollar. Der Umsatz fiel mit 262,3 Millionen Dollar, einem Plus von 44 Prozent, zudem deutlich höher aus als die von Analysten erwarteten 249 Millionen. Das zusammen half, eine enttäuschende Entwicklung bei den Nutzerzahlen zu kompensieren.

Die Zahl der täglichen Nutzer sank um 1,5 Prozent oder drei Millionen auf 188 Millionen. Im ersten Quartal hatte es noch ein Wachstum gegeben. Es ist ein böses Omen.

Es ist der erste Nutzerverlust im Jahresvergleich. Neben Twitter und Facebook hat jetzt auch Snap Probleme mit dem Nutzerwachstum. Nicht zuletzt der Kampf mit Facebooks Instagram und dessen Feature „Stories“, den Instagram bislang locker für sich entscheiden konnte, zehrt an der Fan-Basis von Snap.

Snap-Chef Evan Spiegel versuchte, den Nutzerrückgang durch eine „geringere Nutzungsfrequenz in der Kernnutzerschaft nach der Umstellung der Smartphone-App“ zu entschuldigen. Doch die „größten Gründe für die Frustration“ der Anwender seien jetzt adressiert worden. Und das lasse wieder auf besseres Wachstum hoffen. Analysten bleiben skeptisch. Sie kritisieren seit Langem das selbstherrliche Management des Unternehmens.

Spiegel hatte gerade erst einmal wieder unter Beweis gestellt, dass er Alleinherrscher im Unternehmen ist und alleine die Geschicke lenkt. Die Hauptversammlung fand nicht nur online statt, sie dauerte zudem nur zwei Minuten und 46 Sekunden. Das ist rekordverdächtig. Es wurden keine Fragen der Aktionäre akzeptiert. Warum auch? Die haben ohnehin nichts zu bestimmen.

Mit gemischten Gefühlen wurde das Auftauchen eines neuen, generösen Geldgebers aufgenommen. Der saudische Prinz Al-Waleed Talal tauschte 250 Millionen Dollar gegen 2,3 Prozent der Anteile der Muttergesellschaft Snap ein, wie am Dienstag bekannt wurde.

Auf der einen Seite hilft es Spiegel, der in nur einem Quartal mehr Geld verbrannt als der Prinz investiert hat, das Geschäft zu stabilisieren. Auf der anderen Seite errechnet sich aus dem Kaufpreis eine Unternehmensbewertung von 10,8 Milliarden Dollar – weit weniger als die heutigen rund 16 Milliarden Dollar. Auch wenn die Kurse bei Vertragsabschluss im Mai deutlich tiefer lagen, kommt der Geruch eines Notverkaufs auf, um das Schiff flott zu halten.

Im Analystengespräch versprach der neue Finanzvorstand Tim Stone, jeden Teil der App besser zu Geld zu machen als bislang. Er hofft auf mehr Werbung und, nach Abschluss der Umstellung auf ein Auktionssystem, auf höhere Werbepreise. Zugleich wurde Werbung eingeführt, die nicht mehr übersprungen werden kann.

Der größte Lichtblick ist, dass Snap sich komplett aus den regulatorischen und politischen Turbulenzen heraushalten konnte, die vor allem Facebook aber auch Twitter belasten. Ob sich das aber in Nutzerwachstum wird umsetzen lassen, ist zweifelhaft.

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