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Social Media Greta Thunberg an Bord: PR-Desaster statt Werbecoup für die Deutsche Bahn

Die Aktivistin reist im ICE durch Deutschland und lässt die Social-Media-Welt daran teilhaben. Für die Deutsche Bahn so etwas wie ein Elfmeter, sagen Kommunikationsexperten – der kläglich vergeben wurde.
16.12.2019 - 12:51 Uhr 11 Kommentare
Greta Thunberg: Deutsche Bahn vergibt Chance auf Werbecoups Quelle: AFP
Greta Thunberg

Die schwedische Klimaaktivistin war in Deutschland im ICE unterwegs.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Greta Thunberg sitzt in einem ICE der Deutschen Bahn. Sie lässt sich fotogen ablichten und twittert das Bild spät am Samstagabend. Doch der Nachhaltigkeitsvorreiter Deutsche Bahn sieht in diesem spektakulären Ereignis partout keinen Werbewert.

Denn die 16-jährige Umweltaktivistin hockt erschöpft-verträumt auf dem Boden des Zuges, neben sich ein Berg Gepäckstücke, vor sich eine Essenverpackung, wie man sie in China-Imbissen bekommt.

Das hat wenig gemein mit den Bildern, die die Bahn von dem gut gelaunten Rennfahrer Nico Rosberg aufnimmt, der als Werbebotschafter entspannt auf einem Sitzplatz ruht und von den Vorzügen des nachhaltigen Reisens philosophiert. Gretas Foto ist zu sehr Wirklichkeit, zu wenig Werbung.

Die Deutsche Bahn vernichtet, was als Werbeeffekt hätte wachsen können. Denn die Aktivistin verzichtet der Umwelt zuliebe auf Flugreisen und nutzt Bahnverbindungen.

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    Auf Gretas wertfreien Tweet, in dem sie schrieb, sie reise in einem überfüllten Zug durch Deutschland und sei nun endlich auf dem Weg nach Hause, entspann sich eine Social-Media-Parade.

    Denn merke, schnelle Reaktionen sind das Gebot Nummer eins in der Social-Media-Welt. Erst twittern, dann nachdenken, scheint mitunter die Parole zu sein.

    Im Fall der Deutschen Bahn sah das so aus: Zunächst wünschte sie „Hashtag Greta“ eine gute Heimfahrt und gelobte zugleich Besserung bei „mehr Zügen, Verbindungen und Sitzplätzen“.

    Das war Sonntagmorgen. Mittags kippte die Freundlichkeit der Social-Media-Verantwortlichen dann aber in Grimmigkeit, ins Oberlehrerhafte. „Danke, dass Du uns Eisenbahner im Kampf gegen den Klimawandel unterstützt! Wir haben uns gefreut, dass Du am Samstag mit uns im ICE 74 unterwegs warst“, twitterte das Unternehmen.

    Man hätte es aber noch schöner gefunden, wenn „Du zusätzlich auch berichtet hättest, wie freundlich und kompetent Du von unserem Team an Deinem Sitzplatz in der Ersten Klasse betreut worden bist“. Hashtag Greta.

    Die junge Aktivistin geriet in eine Rechtfertigungsrolle und schrieb daraufhin auf Twitter, ihr Zug sei ausgefallen, daher der Platz auf dem Boden, ab Göttingen habe sie durchaus einen Sitzplatz gehabt.

    Die Reaktion der Bahn sei ein Paradebeispiel für schlechten Kommunikationsstil, findet Claudia Hilker, Social-Media-Beraterin in Düsseldorf. „Die Bahn hätte Gretas Fahrt für einen eigenen Erfolg nutzen können – und hat es vermasselt.“

    Das Unternehmen habe vorschnell eigene Probleme wie Zugverbindungen und Auslastung der Waggons thematisiert – und das Kundenerlebnis aus den Augen verloren. Mit dieser Kommunikation wirke die Bahn sehr bedürftig nach Lob, analysiert Hilker. „Dabei ist es ihr Job, positive Kundenerlebnisse zu schaffen. Das Lob sollte sie den Kunden überlassen.“

    Doch damit nicht genug: Auch das Wort Eisenbahner sei ungelenk, meint Hilker, die Erwähnung, dass Greta den Klimawandel unterstütze, sei vollends überflüssig, und die Benennung der Zugnummer schon aus Datenschutzgründen bedenklich.

    „So etwas kann nur in Deutschland passieren“

    Benjamin Minack, Gründer der Berliner Agentur Ressourcenmangel und Präsident des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen, hält die Reaktion der Bahn ebenfalls für völlig falsch. Die Reaktion auf ihr Foto könne doch für Greta kulturell gar nicht nachvollziehbar sein, meint er.

    Woher soll die junge Schwedin schließlich wissen, dass der Deutschen Bahn in den sozialen Netzwerken regelmäßig Spott und Häme von den geplagten Bahnreisenden entgegenschlage? „So etwas kann nur in Deutschland passieren“, meint der Werber.

    Weniger Unüberlegtheit, mehr Nachdenken, das sind die Ratschläge der Kommunikationsexperten an die Social-Media-Verantwortlichen. Denn: Die ungeliebte Marke Deutsche Bahn hätte die Love-Brand Greta mühelos für sich nutzen können.

    „Hey, danke Greta, dass Du die Bahn benutzt. Wir sind auch auf Deiner Mission unterwegs“ – das wäre nur eine der möglichen Varianten als Antwort gewesen.

    Denn eines ist klar: „Mit dem richtigen Storytelling hätte man das Foto zum Fliegen bringen können“, findet Hilker.

    Mehr: Die Klimaaktivistin Greta Thunberg fährt mit der Bahn von Spanien zurück nach Schweden. Als sie in einen ICE steigt, macht sie offenbar eine Erfahrung, die vielen Bahn-Kunden bekannt vorkommt.

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    Mehr zu: Social Media - Greta Thunberg an Bord: PR-Desaster statt Werbecoup für die Deutsche Bahn
    11 Kommentare zu "Social Media: Greta Thunberg an Bord: PR-Desaster statt Werbecoup für die Deutsche Bahn"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Hallo Herr TuNichtGut,
      mmh, ich nehme mal an, Sie haben unter anderem mich gemeint?
      Dann sind Sie eine junge schwarze Frau mit qualifizierten und modernen Kommentaren? Mit frischen Ideen und dem veganen Vorprodukt, nämlich leckerem Essen in der Hand statt dem Endprodukt = Fäkalien?
      Also wie man hier einen solch dümmlichen und überheblichen Kommentar veröffentlichen kann, ist mir ein Rätsel. Sie wollen also mit dieser Überheblichkeit und ihren wohl offensichtlich besseren Ideen die Zukunft dieses Landes sein? Ohjemineh...aber es freut mich sehr, dass ich Ihnen mit einem geschriebenen Beitrag wenigstens einen Augenschmaus bieten konnte.

    • Na ja, Herr TuNichtGut,
      Frau Thunberg gleich als Fäkalie zu bezeichnen, ist ein bißchen grob. Aber heute pflegt man wohl eine solche direkte Ausdrucksweise.
      Früher nannte man so etwas einfach einen verzogenen Backfisch, und das hat doch wenigstens einen gewissen, durchaus schmackhaften Charme.

    • Hallo liebe Rezensenten,
      zum Glück teilen wir nur dieses Land miteinander, aber nicht die Idee wie dieses positiv gestaltet werden kann. Es ist schon ein Augenschmaus zu sehen, wie sich meiner Meinung nach alte weiße Männer Fäkalien zuwerfen und dabei infantil darüber erfreuen was sie da so in der Hand halten.
      Denn nichts weiter sind diese Kommentare, unqualifiziert und antiquiert.

    • Also Entschuldigung, das sehe ich komplett anders als die Autorin. Und habe ich in anderen Medien auch anders gelesen. Dort wird von einem PR-Desaster für Greta berichtet, nicht für die Deutsche Bahn.

      Und nach meiner Meinung zu Recht. Wer zusammen mit seinem Vater ein 1. Klasse Ticket besitzt, der muss auch in überfüllten Zügen ganz bestimmt nicht in der 2. Klasse auf dem Boden sitzen. Auch bei einem kurzfristigen Zugausfall bleibt selbstverständlich der Anspruch auf die 1. Klasse erhalten...und in der Regel ist selbst in solchen Situationen dann dort noch ein Platz frei. Muss also wohl bedeuten, ihr Vater oder ihr Social-Media-Berater oder sonstige Begleiter (der Vater auf jeden Fall, vermutlich auch weitere Begleiter mit 1. Klasse Ticket) haben das Bild gemacht...und waren sich der Wirkung, die damit transportiert werden sollte, sehr wohl bewusst.

      Die Deutsche Bahn ist hier also wohl kaum "oberlehrerhaft" aufgetreten, sondern hat völlig zu Recht einen von Greta (oder ihrem Social Media Team) inszenierten Eindruck richtiggestellt. Und, wieder zu Recht, der "Love-Brand-Greta" einen leichten Dämpfer verpasst. Wer so manipuliert wie Greta in dieser Situation, der muss sehr wohl damit rechnen, von der Deutschen Bahn "oberlehrerhaft" zurecht gewiesen zu werden.

      Es wundert mich tatsächlich, dass die im Artikel zitierten "Kommunikationsexperten" das andersherum sehen. Ich jedenfalls nicht. Aus meiner Sicht wird aus solchen Vorkommnissen immer deutlicher, wie hier ein verwöhntes, in Reichtum und Luxus aufgewachsenes Mädchen (man denke an die missglückte Home-Story vor kurzem mit den beiden 6.500 Euro (!) Sesseln im Wohnzimmer der Thunbergs) von ihrem Vater (und vermutlich weiteren interessierten Personen) für eine ja durchaus lobenswerte Sache missbraucht wird. Das wird böse enden...ich fürchte, für Greta.

    • Ich weiss gar nicht wo das Problem liegen könnte.
      Statt auf dem Boden zu sitzen kann man immer noch ins Bord-Bistro.
      Und die DB hat ihr sogar noch geantwortet. Sogar noch am gleichen Tag. Macht sie bei mir nicht immer.
      Geschrieben im ICE 727, Wagen 26, alternative Verbindung wegen zuvor verpasster Zugverbindung wegen Signalstörung.
      Für heute Feierabend.

    • Arme, arme , junge Frau. Ist in einem der (noch) wohlhabendsten Länder der Welt aufgewachsen, hat nie bittere Armut oder Krieg miterlebt, aber hat sich ihre Jugend von Ideologen kaputtmachen lassen und wirkt jetzt schon total verbittert.
      Ich war bis ca. 30 auch ein "strammer Linker", aber dann bin ich zum Glück von jeder totalitären und kollektivistischen Ideologie bekehrt worden. Damals war die (schulische und mediale) Indoktrination aber auch noch nicht so massiv wie heute. Schweden ist in dieser Hinsicht sogar noch weitaus schlimmer als die BRD. Das Land ist verloren.
      Ob Greta wenigstens in ihrem eigenen Leben noch einmal die Kurve kriegt?

    • Ja, warum hat sie denn reserviert, wie wir alle ? ist doch jetzt gratis bei der Bahn !

    • Ihre Yachtreise über den Atlantik hin und zurück hat bei der jungen Dame vielleicht einen leichten Überwertigkeits-Komplex ausgelöst. Mit jedem 1. Klasse-Fahrschein wird immer auch eine Platzbuchung angeboten. Wenn ein Zug ausfällt, wird natürlich auch diese Buchung auf den nächsten passenden mit freien Plätzen übertragen. Und wenn deshalb Wartezeiten entstehen, gibt es durchaus angemessene Entschädigungs- und Betreuungsregelungen.
      Wenn Frau Thunberg darauf verzichtet und statt dessen auf gut Glück in einen voll ausgebuchten Zug steigt, na gut. Aber sie kann nicht erwarten, daß das DB-Personal einen anderen Fahrgast von seinem gebuchten Platz wegscheucht, bloß weil sie so viel umweltaktiver ist ...

    • Ihre Yachtreise über den Atlantik hin und zurück hat bei der jungen Dame vielleicht einen leichten Überwertigkeits-Komplex ausgelöst. Mit jedem 1. Klasse-Fahrschein wird immer auch eine Platzbuchung angeboten. Wenn ein Zug ausfällt, wird natürlich auch diese Buchung auf den nächsten passenden mit freien Plätzen übertragen. Und wenn deshalb Wartezeiten entstehen, gibt es durchaus angemessene Entschädigungs- und Betreuungsregelungen.
      Wenn Frau Thunberg darauf verzichtet und statt dessen auf gut Glück in einen voll ausgebuchten Zug steigt, na gut. Aber sie kann nicht erwarten, daß das DB-Personal einen anderen Fahrgast von seinem gebuchten Platz wegscheucht, bloß weil sie so viel umweltaktiver ist ...

    • Dieser Bericht zeigt sehr klar, wie "hochgepeitscht" derzeit in Deutschland wird und wenn ich jetzt argwöhnisch wäre, dann könnte ich zu der Vermutung gelangen, dass die Autorin hier einen willkommenen Anlass zur Kritik an die Bahn gesehen hat. Da wird selbst "Eisenbahn" zu einem "Unwort"... Toll!

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