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Sofortbildfotografie Im neuen Rahmen: Das Comeback der Polaroid

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"Ich hab? das Bier sofort zur Seite gestellt und gefragt, ob und wie man die Produktion wiederaufnehmen könnte", erzählt Kaps. Bosman ignoriert die Anweisung von oben und lässt sich auf das Gespräch ein. Später wird er sagen: "Ich fühlte mich, als ob ich aus einem Koma erwacht war, als Florian mich fragte, ob wir das Werk gemeinsam wiedereröffnen wollen."

Doch es gibt ein zweites Problem: Wer den Sofortbildfilm herstellen will, muss ihn im Prinzip neu erfinden. In jedem Polaroid steckt ein kleines Chemielabor mit etwa 35 Inhaltsstoffen. Da sie teilweise nicht mehr hergestellt werden, benötigt man neue Chemikalien, die den gleichen Effekt auslösen.

Kaps brauchte für den Neustart daher nicht nur Techniker, die sich mit Filmproduktionsmaschinen auskennen, sondern auch Chemiker. Bosman sucht unter den verbliebenen 180 Polaroid-Mitarbeitern, deren Chef er war, neun Leute aus. Er selbst übernimmt nicht nur die technische Leitung des Projekts, sondern wird auch Teilhaber der Impossible.

Am Ende lenkt auch Polaroid ein. Im Herbst 2008 steht das Unternehmen kurz vor der zweiten Insolvenz und verkauft Kaps doch die alten Maschinen, um die er sich so lange bemüht hat. Kaps und Bosman machen sich ans Werk, das Unmögliche möglich zu machen.

Im Sommer 2009, ein Jahr nach dem Abschiedsfest, hat Impossible das erste Produkt neu erfunden: einen Schwarz-Weiß-Film für die etwa 500 Millionen Polaroidkameras, die es noch weltweit geben soll. Monatelang hat Martin Steinmeijer in seiner Dunkelkammer herumexperimentiert - bis er mit dem Ergebnis zufrieden war. Jetzt müssen sie noch einen Namen für den Film finden, denn sie haben nicht die Rechte, ihn Polaroid zu nennen. Parallel dazu arbeitet Steinmeijer aber schon an dem nächsten Produkt: einem Farbfilm.

Im ersten Quartal 2010 soll die Massenproduktion der Schwarz-Weiß-Filme starten. Eine Million will das Unternehmen im ersten Jahr davon verkaufen - für etwa 15 bis 20 Euro das Stück. Damit käme Impossible im laufenden Geschäft in die schwarzen Zahlen. Im zweiten Jahr sollen es drei Millionen Filme werden - etwa ein Zehntel dessen, was Polaroid zuletzt in Enschede pro Jahr herstellte. Ende 2010 will Impossible eine neue Sofortbildkamera rausbringen.

Woche für Woche werden es mehr Mitarbeiter

Es ist halb vier. Langsam kommen einige Arbeiter in die Kantine in der einstigen Polaroid-Filmfabrik, sie gehen nickend an Kaps vorbei und setzen sich an einen großen Tisch im hinteren Teil des Saals: Männer zwischen 50 und 60 Jahren. Sie öffnen ihre Brotdosen, holen Kuchen oder ein Käsebrot heraus, gießen sich Kaffee ein.

Sie wirken ein wenig verloren in diesem riesigen Raum, in dem irgendwo ein Kühlschrank brummt und die Klimaanlage rauscht. Zu Hochzeiten haben hier mehr als 1 000 Mitarbeiter gegessen. 1,6 Milliarden Filme haben sie seit 1975 produziert.

Als Kaps Impossible gründete, hatte das Unternehmen elf Mitarbeiter. Jetzt sind es 15 und es werden Woche für Woche mehr. Auf 40 Beschäftigte soll die Mannschaft Anfang 2010 anwachsen, wenn die Massenproduktion der Filme beginnt.

Bosman holt nach und nach ehemalige Polaroid-Mitarbeiter aus der Arbeitslosigkeit zurück ins Werk - Leute wie den 51-jährigen Bennie Ten Hove. "In den letzten Monaten hab ich immer wieder bei Bosman nachgehakt, ob er mich hier wieder gebrauchen könnte, ich hab ihn genervt", erzählt Ten Hove. "Seit drei Tagen bin ich an Bord." Und es gibt offenbar nichts Schöneres für ihn, so sehr strahlt der Mann.

Eine Etage höher verschwindet Martin Steinmeijer wieder in seiner Dunkelkammer. Das rote Lämpchen mit der Aufschrift "Bezet" leuchtet auf. "Das macht richtig Spaß hier, mehr als früher", sagt er noch, bevor er die Tür schließt. "Früher mussten wir das ausführen, was sich die in Amerika für uns ausgedacht hatten. Jetzt können wir selbst denken und neue Dinge entwickeln."

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