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Software-Hersteller Brad Smith: Microsofts Nummer zwei fordert Verhaltenskodex für KI

Technologie soll keine Angst machen – der Rechtsvorstand des Software-Konzerns versteht aber, warum sie es tut. Nun wirbt er glaubhaft um Vertrauen.
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Meister der öffentlichen Diplomatie. Quelle: AP
Brad Smith

Meister der öffentlichen Diplomatie.

(Foto: AP)

BerlinAus den Boxen dudelt „Welcome to the Jungle“ als Easy-Listening-Version, vom Bildschirm an der Holzwand hinter der Bühne lächeln vier Menschen – zwei Weiße, ein Schwarzer, eine Asiatin – ins Publikum, nur die weißen Punkte und Linien in ihren Gesichtern stören die ostentative Sanftheit dieses Events in Microsofts Berliner Dependance.

Über Gesichtserkennung, Künstliche Intelligenz und ihren verantwortungsvollen Einsatz will Brad Smith an diesem Abend sprechen. Smith, ein hochgewachsener 59-Jähriger mit freundlichen blauen Augen, ist Microsofts Rechtsvorstand und Präsident – und damit die Nummer zwei hinter CEO Satya Nadella, der ihn 2015, nur ein Jahr nach seinem eigenen Amtsantritt, in die Positionen beförderte.

In Berlin greift Smith zu einer ungewöhnlichen Überzeugungstaktik: Über die Segnungen der Künstlichen Intelligenz spricht er zwei Minuten, ein Microsoft-Produkt erwähnt er ein einziges Mal. Stattdessen stellt Smith die Ängste der Menschen vor der Technologie in den Vordergrund: Überwachung, Diskriminierung durch Algorithmen und Einschränkung bürgerlicher Freiheiten.

„Technologiefirmen müssen hier handeln. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass alle Regierungen der Welt verantwortlich mit Künstlicher Intelligenz umgehen“, sagt Smith und plädiert für einen Verhaltenscode. Entscheidungen eines Algorithmus etwa sollten in sensiblen Bereichen nie ohne „bedeutsame menschliche Prüfung“ getroffen werden.

Versprechen von Tech-Managern, man werde verantwortlich mit Künstlicher Intelligenz umgehen, hört man dieser Tage oft. Was Smiths Rede beispielsweise von der von Facebook-COO Sheryl Sandberg unterscheidet, ist dabei nicht so sehr der Sound an sich – sondern, dass Smith glaubwürdig klingt. Microsoft ist vom „Techlash“, der Revolte von Nutzern gegen Facebook und andere Westküstenkonzerne, bislang verschont geblieben. Das liegt einerseits daran, dass der Konzern größtenteils von etablierten Bezahlgeschäften wie Office-Lizenzen oder den Datenzentren seiner Cloud-Computing-Plattform Azure lebt und kontroverse Bereiche gemieden hat oder dort erfolglos war.

Andererseits beschäftigt Microsoft mit Smith und Nadella aber auch gleich zwei Außenminister, die leise Töne beherrschen: Wenige Stunden bevor Smith in Berlin spricht, erklärt Amazon nach Protesten gegen die versprochenen Steuernachlässe und drohende Gentrifizierung, doch nicht in New York zu bauen. Smith dagegen hat der Stadt Seattle, Microsofts und Amazons Heimat, eben erst 500 Millionen Dollar an verbilligten Krediten für Immobilienentwickler und Bauherren versprochen. So erfolgreich ist Smith in seiner öffentlichen Diplomatie, dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg ihm schon Sheryl Sandbergs Job angeboten haben soll. Was Smith angeblich abgelehnt hat – er sei bei Microsoft sehr zufrieden.

Dass Smith Kontroversen so elegant umtänzelt, liegt wohl auch daran, dass er schon eine durchlebt hat. Der Topjurist verdiente seine Schulterklappen bei Microsoft in der Zeit, als Gründer Bill Gates Konkurrenten wie Netscape plattwalzte und so ins Visier der Wettbewerbshüter geriet. Als sich Smith 2002 bei Gates und dessen Vize Steve Ballmer als Chefjustiziar bewarb, präsentierte er ihnen eine einzige Power-Point-Folie: „Es ist Zeit, Frieden zu schließen“ stand darauf. Smith bekam den Job.

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