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Software-Konzern Thomas Kurian – der neue starke Mann hinter Googles Cloud-Computing

Nach dem überraschenden Rückzug von Diane Green übernimmt Thomas Kurian Googles Cloud-Geschäft. Dieser hat sich bereits bei Oracle bewiesen.
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Der gebürtige Inder übernimmt einen schwierigen Posten. Google hinkt in der Cloud,  dem Geschäft mit Diensten und Software im Internet, hinterher. Quelle: Bloomberg
Thomas Kurian

Der gebürtige Inder übernimmt einen schwierigen Posten. Google hinkt in der Cloud, dem Geschäft mit Diensten und Software im Internet, hinterher.

(Foto: Bloomberg)

New YorkThomas Kurian soll es richten bei Google und seiner Cloud-Sparte. Der Softwarekonzern Alphabet hat den 50-Jährigen zum neuen Chef des wichtigen Zukunftsgeschäfts ernannt. Der gebürtige Inder hat zuvor bei dem Softwareanbieter Oracle das Cloud-Geschäft verantwortet. Kurian ersetzt damit Diane Green, die am Freitag überraschend ihren Rückzug zum Januar bekanntgab. Erst Ende 2015 hatte Google Green geholt, um die Aufholjagd im Cloud-Geschäft zu leiten. Ihr Abgang ist das jüngste Indiz, dass es mit dieser Aufholjagd nicht so läuft wie gedacht.

Kurian übernimmt also einen schwierigen Posten. Google hinkt in der Cloud, dem Geschäft mit Diensten und Software im Internet, hinterher. Amazon und Microsoft führen dort mit weitem Abstand. Laut Marktforscher Canalys hält Amazon 32 Prozent des globalen Cloud-Markts, gefolgt von Microsoft mit 17 Prozent und Google mit acht Prozent.

Google selbst wird massiv von Alibaba aus China bedrängt, das derzeit mit IBM um den vierten Platz streitet und einen massiven Ausbau des weltweiten Cloud-Geschäfts angekündigt hat.

Krach mit dem Gründer

Kurian, der zusammen mit seinem eineiigen Zwillingsbruder in Princeton und später in Stanford studiert hat, leitete auch bei Oracle das Cloud-Computing und die Produktentwicklung. Dass er im September hingeworfen hat, soll an Unstimmigkeiten mit dem Gründer Larry Ellison gelegen haben.

Laut einem Bericht von Bloomberg sollen sich die beiden über strategische Fragen zerworfen haben. Kurian wollte angeblich mehr Oracle-Software in Cloud-Services von Konkurrenten wie Amazon oder Microsoft laufen lassen. Ellison dagegen bestand auf der hauseigenen Infrastruktur. Erst im Oktober hatte Ellison auf der Hausmesse „Openworld“ betont, dass er die Cloud-Dienste der Wettbewerber für nicht sicher genug halte.

Was für Kurian spricht, ist seine ausgewiesene Erfahrung im Geschäft mit Firmen und Großkunden aus Verwaltung und Regierung. Im August hatte allerdings ein Pensionsfond das Management, einschließlich Kurian, verklagt.

Der Vorwurf: Das Management soll die Wachstumsraten in der Cloud geschönt haben. Oracle hält die Klage für unbegründet und will sich nach eigenen Aussagen mit allen Mitteln dagegen zur Wehr setzen.

Kurian ist in Indien als einer von vier Söhnen eines ungewöhnlichen Paares aufgewachsen. Sein Vater hatte es als Bauernsohn zum Unternehmer geschafft. Seine Mutter hatte am College studiert; für eine Frau war das damals in Indien äußerst ungewöhnlich. Wie Kurians Zwillingsbruder George einmal selbst berichtet hat, hatte sie alle vier Söhne, für indische Verhältnisse ungewöhnlich, zur Hausarbeit herangezogen. Der Karriere der Kinder hat das nicht geschadet.

Auch Kurians Zwillingsbruder ist in den USA geblieben und hat es dort zum CEO des Datenspeicher-Spezialisten NetApp geschafft. Die beiden Zwillinge sind sich so nah, dass sie sogar schon ihre Karrieren getauscht haben.

Zunächst hatte Thomas Kurian, der neue Google-Cloud-Chef, als Berater bei McKinsey begonnen. Sein Bruder George hatte einen Job bei Oracle. Einige Jahre später wechselten sie die Rollen. Thomas kam zu Oracle, und George ging als Berater zu McKinsey. Statussymbole sind den beiden dennoch fremd. „Wenn wir ein Privatflugzeug kaufen würden, würde unsere Mutter uns ohrfeigen“, hat einst der Zwillingsbruder erzählt.

Für Google war das Experiment mit der erfahrenen Gründerin und Managerin Diane Green nicht billig: Mit ihrem Einstieg kaufte Google-Chef Sundar Pichai auch gleich ihr jüngstes Start-up „Bebop“ mit – für rund 400 Millionen Dollar. Nun ist sie wieder weg, nicht ohne im Blogpost zu erwähnen, dass sie ohnehin nur zwei Jahre bleiben wollte, wie sie ihrer Familie schon Ende 2015 gesagt habe.

Der Rückschlag setzt auch den nicht unumstrittenen Google-Chef Pichai zusätzlich unter Druck. Er hatte zuletzt mit massiven Mitarbeiterprotesten zu kämpfen. Tausende Angestellte forderten das Tech-Unternehmen öffentlich auf, Praktiken wie eine interne Zwangsschlichtung bei sexuellem Fehlverhalten innerhalb des Unternehmens zu beenden.

Mitarbeiterproteste hatten auch dazu geführt, dass Google lukrative Cloud-Verträge mit der Regierung und dem Pentagon aufgeben musste.

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  • kk
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