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SAP kauft zu

Der Software-Riese aus Walldorf ist auf Einkaufstour.

(Foto: dpa)

Softwarekonzern SAP-Chef wagt teuerste Übernahme der Firmenhistorie – Preis verschreckt Anleger

Acht Milliarden Dollar in bar – so viel zahlt SAP für den Marktforschungsspezialisten Qualtrics. Der Softwarekonzern stärkt damit die wichtige CRM-Sparte.
2 Kommentare

Düsseldorf Es war alles vorbereitet. Das Management von Qualtrics sprach vergangene Woche auf einer Roadshow mit potenziellen Investoren, um sie von seiner Story zu überzeugen. Und bald darauf sollte Gründer und Chef Ryan Smith an der Wall Street in New York die Glocke läuten. Es bahnte sich ein Börsengang mit einer Milliardenbewertung an.

Doch der wird kurzfristig abgeblasen: SAP will Qualtrics übernehmen, wie die Unternehmen in der Nacht auf Montag überraschend ankündigten. Der deutsche Softwarekonzern zahlt acht Milliarden Dollar in bar, nach heutigem Kurs 7,1 Milliarden Euro. Es handelt sich damit um eine der größten Akquisitionen in der Firmengeschichte.

Ein Notverkauf ist das nicht, wie Qualtrics-Chef Smith in einer Telefonkonferenz deutlich machte: „Unser Börsengang ist extrem gut verlaufen.“ Die Aktien seien 13-fach überzeichnet gewesen. „Wir haben es uns ausgesucht, hier zu sein.“ SAP-Chef Bill McDermott bemühte sich Monate, um Smith zu überzeugen.

SAP will mit der Übernahme das Geschäft für Marketing- und Vertriebssoftware stärken, im Branchenjargon CRM genannt. Analysten halten den Deal grundsätzlich für sinnvoll, allerdings verschreckt der hohe Kaufpreis viele Aktionäre: Am Vormittag verlor die Aktie zwischenzeitlich um mehr als vier Prozent an Wert.

Qualtrics ist spezialisiert auf Software für Online-Marktforschung. Das Unternehmen spricht vom Experience Management: Unternehmen können ermitteln, wie zufrieden ihre Kunden und Mitarbeiter sind, wie ihre Marke und ihre Produkte wahrgenommen werden. Das Analysehaus Forrester sieht darin eine der besten Lösungen am Markt.

Mit diesen Kapazitäten will SAP das Geschäft mit Vertriebs- und Marketingsoftware stärken, im Branchenjargon CRM genannt. „Es geht darum, mehr Daten zu sammeln“, sagte der Analyst Holger Schmidt vom Bankhaus Metzler der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Wissen um die Vorlieben der Kunden ist ein zentraler Faktor.

Der CRM-Markt, der Lösungen zur Gewinnung und Betreuung von Kunden genauso umfasst wie für den Service, wächst seit einigen Jahren kräftig. Der Umsatz dürfte in diesem Jahr nach Einschätzung des Marktforschers Gartner mehr als 45 Milliarden Dollar betragen – kein anderes Segment in der Softwareindustrie ist so groß.

Bei betriebswirtschaftlicher Software, kurz ERP, ist SAP die unumstrittene Nummer eins. Beim CRM liegt jedoch Salesforce mit einem Marktanteil von rund 18,8 Prozent vorn, der deutsche Konzern kommt mit 8,5 Prozent auf Platz zwei, wie Zahlen von Gartner zeigen. Es folgen Oracle, Adobe und Microsoft.

An diesen Verhältnissen will McDermott rütteln. Auf der SAP-Konferenz Sapphire im Juni kündigte er an, „die Kategorie neu erfinden“ zu wollen. Das Vorstandsteam hat mehrere Firmen übernommen, darüber Callidus Cloud für 2,4 Milliarden Dollar. Und es hat mit C/4 Hana ein Programmpaket angekündigt, das die SAP-Produkte zusammenfasst.

Nun verstärkt SAP die Bemühungen. Der Preis ist allerdings hoch: Der Softwarekonzern zahlt ungefähr das 20-Fache des erwarteten Umsatzes.

Immerhin: Qualtrics ist bereits profitabel – anders als viele junge Unternehmen. 2017 erwirtschaftete der Anbieter 290 Millionen Dollar Umsatz und 2,5 Millionen Dollar Gewinn. Im ähnlichen Tempo soll es weitergehen: 2018 erwartet Qualtrics mehr als 400 Millionen Dollar Umsatz, das Wachstum soll über 40 Prozent liegen. „Ohne Berücksichtigung potenzieller Synergien aus der Zugehörigkeit zu SAP“, wie der Konzern betont.

Auch im Vergleich zu einem möglichen Börsenwert sattelt SAP auf. Qualtrics wollte beim Börsengang rund 500 Millionen Dollar einnehmen, im mittleren Bereich der Preisspanne hätte die Bewertung von 4,8 Milliarden Dollar gelegen. Allerdings war die Aktie deutlich überzeichnet, was für Kurssteigerungen gesprochen hätte.

Die Führungsgremien beider Unternehmen haben dem Deal bereits zugestimmt, ebenso die Aktionäre von Qualtrics. Die Genehmigung der Behörden steht noch aus.

Für Ryan Smith endet damit aber nicht die Zeit bei Qualtrics: Er soll an der Spitze des Unternehmens mit seinen rund 1800 Mitarbeitern bleiben. Finanziell dürfte er aber ausgesorgt haben. Gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Vater hielt er zuletzt rund 40 Prozent der Anteile.

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2 Kommentare zu "Softwarekonzern: SAP-Chef wagt teuerste Übernahme der Firmenhistorie – Preis verschreckt Anleger"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Peter,

    Sie müssen den Gewinn berücksichtigen und das Wachstum. Die Prognosen sind natürlich unsicher zu schätzen, und zum Gewinn habe ich nichts gelesen, insofern kann man von einem niedrigem ausgehen.
    Dementsprechend kommen Sie zwar zur richtigen Schlussfolgerung, und ich denke an genau die gleichen insbesondere deutsches Geld vernichtenden Management Fehlentscheidungen, aber wäre der Gewinn z.B. 200 Mio. und hohes Wachstum, wäre es nicht schlecht.
    Was mich auch noch viel mehr irritiert, ist das Geschäftsmodell der Firma, sollte jawohl in jeder Garage nachgebaut werden können. traurig, wie das Geld der Aktionäre manchmal entwendet wird

  • ABSOLUTER UNSINN!

    SAP übernimmt Qualtrics für 8 Mrd $.
    Qualtrics hat einen Umsatz von 400 MIO $.
    SAP zahlt also einen Kaufpreis der ZWANZIG MAL höher ist als der Umsatz.

    Qualtrics hat 1.800 Mitarbeiter und erzielt nur 400 Mio $ Umsatz. Das sind ca 222.000 $ pro Mitarbeiter, bei SAP sind es ca. 331.000 $. Wie soll Qualtrics einen positiven Beitrag erwirtschaften?

    Die Übernahme macht KEINEN SINN und erinnert an unklugen Übernahmen wie Siemens - Dresser Rand oder Bayer - Monsanto.

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