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Softwarekonzern „Wahrscheinlich meine letzte Amtszeit“ – Plattners Pläne sorgen für Unmut bei SAP-Aktionären

Hasso Plattner will für mindestens drei weitere Jahre den SAP-Aufsichtsrat leiten. Seine Nachfolge lässt er offen. Das stößt einigen Aktionären auf.
Update: 03.03.2019 - 16:33 Uhr Kommentieren
Er will weiter den SAP-Aufsichtsrat leiten – mindestens drei Jahre. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
Hasso Plattner

Er will weiter den SAP-Aufsichtsrat leiten – mindestens drei Jahre.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

DüsseldorfDie Universität hat für Hasso Plattner eine vitalisierende Wirkung. Der Mitgründer von SAP finanziert aus seinem Privatvermögen ein Institut in Potsdam und leitet dort das Fachgebiet „Enterprise Platform and Integration Concepts“. Der Umgang mit den Studenten und Doktoranden habe ihn „20 Jahre jünger gemacht“, schwärmte er vor einigen Jahren.

Doch gefühltes und biologisches Alter sind zwei unterschiedliche Dinge. Im Personalausweis steht das Geburtsjahr 1944 – im Januar ist Plattner 75 geworden. Was an seinem Institut kein großes Thema ist, beschäftigt gerade einige Aktionäre des Softwarekonzerns: Denn so wie Plattner engagiert die Grundlagen der Unternehmenssoftware lehrt, will er auch als Aufsichtsratschef weiter mitmischen. Zur Missbilligung einiger, vornehmlich deutscher Investoren.

Vergangene Woche schrieb Plattner anlässlich der Hauptversammlung im Mai einen Brief an die Aktionäre. „Ich bin oft auf die Nachfolgeplanung angesprochen worden“, lässt er in dem Schreiben wissen, das dem Handelsblatt vorliegt. Er werde noch einmal für drei Jahre antreten – „das wird wahrscheinlich meine letzte Amtszeit als Mitglied und Vorsitzender des Aufsichtsrats sein“. Zur Nachfolgeplanung werde er sich rechtzeitig äußern, voraussichtlich ein Jahr vor seinem Ausscheiden.

Wer in Zukunft über den Vorstand rund um Bill McDermott wacht und ab wann, bleibt somit offen. Die Wiederwahl des Mitgründers gilt zwar als sicher, einige Investoren grummeln aber.

„Nach unseren Abstimmungsrichtlinien sollen Aufsichtsratsmitglieder zur Wahl tatsächlich nicht älter als 75 Jahre sein“, erklärt etwa Michael Schmidt, Geschäftsführer von Deka Investment. Eine Abweichung sei nur bei wichtigen Gründen möglich. Das Votum stehe noch nicht fest. Eine andere Fondsgesellschaft formuliert noch schärfer: „Wir sehen die Wiederwahl von Herrn Plattner kritisch. Altersgrenzen haben ihren Sinn und sollten eingehalten werden“, erklärt das Unternehmen gegenüber dem Handelsblatt.

Nicht alle sehen es so kritisch: Die Entscheidung, für eine verkürzte Amtszeit zu kandidieren, sei ein klares Signal „für eine starke und belastbare Nachfolgeplanung“, erklärt Hendrik Schmidt, Corporate-Governance-Experte bei DWS. Man werde aber „SAP und Professor Plattner an seinen öffentlich gemachten Zusagen messen und den etablierten Austausch aufrecht erhalten“.

Und Klaudius Sobczyk, Leiter Portfoliomanagement bei der Anlagefirma PEH Wertpapier, hält es grundsätzlich „für eine gute Sache, wenn einer der Großaktionäre auch eine Position bekleidet“. Das Alter sollte dabei keine Rolle spielen: „Am Ende entscheiden die Aktionäre.“

Das Schreiben zeigt: Plattner mag mit der Zeit diplomatischer geworden sein, aber nicht weniger rastlos. „Der macht weiter, bis es nicht mehr geht“, sagt einer, der ihn lange kennt. Immer auf der Suche nach neuen Ideen, nie zufrieden mit dem Status quo – dafür ist der langjährige Vorstandschef und Chefaufseher bekannt.

Von den fünf Gründern ist Plattner als einziger noch aktiv. Und mit dem Titel Aufsichtsratschef ist seine Rolle nur unzureichend beschrieben. Bei seinem Antritt 2003 ließ er sich eine aktive Rolle vertraglich zusichern. So stieß er die Entwicklung der Datenbanktechnik Hana an, die inzwischen Grundlage aller wichtigen SAP-Anwendungen ist. Bis heute hat Plattner einen Beratungsvertrag.

Der Konzern steht grundsätzlich gut da: Er hat sich als „Cloud Company“ einmal mehr neu erfunden, bietet Software und Dienste aus der Datenwolke an. Allerdings ist noch viel zu tun: SAP arbeitet beispielsweise immer noch an der Integration der zahlreichen Zukäufe, während das Unternehmen bereits beim Kundenbeziehungsmanagement (CRM) dem US-Riesen Salesforce den Kampf angesagt hat.

Plattner, so scheint es, will weiter über all das wachen. „Wenn wir auf die technologischen Fortschritte gucken: Wir leben in großartigen Zeiten“, schreibt der Mitgründer den Aktionären. Er fühlte sich geehrt, Teil der SAP-Story zu sein. Wie es aussieht, wird er darin mindestens weitere drei Jahre eine Hauptrolle spielen.

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