Soziale Netzwerke Facebook dementiert nach Bankdaten von US-Kunden gefragt zu haben

Klarer Widerspruch: Das soziale Netzwerk weist einen Medienbericht zurück, demnach es Banken nach Kundendaten gefragt hat.
Update: 07.08.2018 - 11:30 Uhr Kommentieren
Facebook will an die Bankdaten seiner US-Kunden Quelle: dpa
Facebook

Das soziale Netzwerk möchte seine User in Zukunft mit neuen Funktionen an sich binden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Das Online-Netzwerk dementierte am Dienstag teilweise einen Bericht des „Wall Street Journal“, wonach Facebook sich aus Interesse an Informationen etwa zu Einkäufen mit Kreditkarten oder Kontoständen im vergangenen Jahr an große US-Geldhäuser wie JPMorgan Chase, Wells Fargo, Citigroup und US Bancorp gewandt habe.

„Die aktuelle Geschichte des „Wall Street Journal“ behauptet fälschlicherweise, dass wir Finanzdienstleister aktiv nach Finanztransaktionsdaten fragen - das ist nicht wahr“, erklärte ein Firmensprecher. Wie viele Online-Unternehmen arbeite Facebook mit Banken und Kreditkartenunternehmen zusammen, um Dienstleistungen wie Kundenchat oder Kontoführung anzubieten.

Es sei einfacher, mit einer Bank über Facebook zu kommunizieren, statt am Telefon auf Informationen zu warten. „Wir benutzen die Bankdaten allerdings für nichts anderes - weder für Werbezwecke noch sonst irgendwas.“ Die Anwender könnten selbst entscheiden, ob sie diese Dienste nutzen wollten (Opt-in).

Im Medienbericht hieß es, die Plattform habe sich an die Branchenriesen gewandt und um Informationen über deren Kunden gebeten. Darunter eben auch sensibelste Daten, wie das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Insider berichtet. Das Unternehmen erwägt eine enge Zusammenarbeit mit Banken, um über den eigenen Messenger auch Bankdienstleistungen anzubieten und damit die Facebook-Nutzer stärker an sich zu binden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook damit auffällt, massenhaft Daten von Nutzern zu sammeln. Seit dem Datenskandal um die Analysefirma Cambridge Analytica ist das Image des größten sozialen Netzwerks der Welt angeschlagen. Nach den überraschend schlechten Quartalszahlen sackte dann noch die Facebook-Aktie um 19 Prozent ab. Das alles sind Entwicklungen, die für das Unternehmen in die falsche Richtung gehen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sucht deshalb nach neuen Funktionen für seine Plattform, die die Nutzer wieder anlocken und die Anleger überzeugen. Derzeit liegt die Facebook-Aktie immerhin 3,5 Prozent im Plus.

Eine große Rolle in den Plänen des CEOs sollen die US-Banken spielen. Einem Insider zufolge will Zuckerberg das Netzwerk stärker zu einem Online-Handelsplatz ausbauen. Facebook habe mit den Großbanken deshalb über verschiedene Bankdienstleistungen innerhalb des Messengers gesprochen.

Tatsächlich könnten eine Partnerschaft zwischen Facebook und Banken interessant werden. Mit einem eigenen Bezahldienst ließe sich so zum Beispiel bequem innerhalb des Netzwerks einkaufen. Das entspräche dem „Walled Garden“-Prinzip, das Zuckerberg zum Leitmotiv der Firma auserkoren zu haben scheint.

Damit ist ein Geschäftsmodell gemeint, in dem Nutzer möglichst viele Dienste und Angebote innerhalb einer Plattform finden, sodass sie diese nicht mehr für eine andere verlassen müssen. Übertragen gesprochen: Gibt es nur genug Blumen im Garten und ist die Mauer nur hoch genug, verweilen die Gäste gerne.

Die Geschäftsidee passt ins Konzept des Unternehmens. Facebook versucht seit der Gründung 2004, in alle Lebensbereiche seiner Nutzer vorzudringen. Gerade der Messenger spielt dabei eine entscheidende Rolle, um Händler und Shoppingdienste an sich zu binden. Über den Nachrichtendienst treten sie mit ihren Kunden in Kontakt, informieren sie über Angebote oder bieten Hilfestellungen bei Produkten an.

Oft kommen dabei Chatbots zum Einsatz. Das sind Maschinen, die automatisiert Nachrichten verschicken und zum Beispiel über gebuchte Flüge oder Neuigkeiten informieren. In den USA lässt sich bereits Geld über Facebooks Messenger verschicken. COO Sheryl Sandberg sagte vor Kurzem, dass etwa 1,3 Milliarden Nutzer den Messenger aktiv nutzen würden.

Facebook wies die Behauptungen von sich. „Es ist nicht wahr, dass wir Finanzdienstleistungsunternehmen aktiv nach Finanztransaktionsdaten fragen“, antwortete das Unternehmen dem Handelsblatt. Facebook würde mit Banken genau so wie mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten, um Dienstleistungen wie Kundenchats anzubieten. „Durch die Kontoverknüpfung können Nutzer dann im Messenger Echtzeit-Updates erhalten und ihre Transaktionsdaten wie Kontostände, Belege und Versandaktualisierungen verfolgen.“ Es sei einfacher mit einer Bank über Facebook zu kommunizieren statt am Telefon auf Infos zu warten. „Wir benutzen die Bankdaten allerdings für nichts anderes – weder für Werbezwecke noch sonst irgendwas“, versicherte der Konzern.

Für die Banken könnte die Partnerschaft mit Facebook ein Schritt in Richtung mobiler Zahlungsverkehr sein. Sie stehen unter Druck, Beziehungen zu großen Onlineplattformen aufzubauen. Dort tummeln sich Milliarden von Nutzern, die einen großen Anteil des Handels treiben. Die Banken zögern jedoch, Drittanbieterplattformen wie Facebook zu viel Kontrolle zu überlassen. Sie würden die Kunden lieber auf ihren eigenen Websites und in den eigenen Apps halten.

Ob sich die Bankkunden und Facebook-Nutzer am Ende wirklich auf einen Bezahldienst von Facebook einlassen, ist fraglich: Ob sensible Daten wie Kontoverbindungen dort wirklich gerne geteilt werden, muss sich erst noch zeigen.
Trotz Bedenken siegt dann allerdings doch oft die Bequemlichkeit: Der komfortable Log-in via Facebook ersetzt für viele die Neuanmeldung in Onlineshops oder Apps außerhalb des Zuckerberg’schen Universums.

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