Soziales Netzwerk Hornet Dieser Gründer will Schwulen und Lesben mit der Blockchain helfen

Noch immer leben Schwule und Lesben vielerorts in Gefahr. Der Deutsche Christof Wittig will ihnen mit Blockchain-Technologie helfen.
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Der deutsche Gründer will mit verschiedenen Partnern die Blockchain-Technologie nutzen und der globalen Gemeinschaft von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen einen eigenen Token zur Verfügung stellen. Quelle: PR
Christof Wittig

Der deutsche Gründer will mit verschiedenen Partnern die Blockchain-Technologie nutzen und der globalen Gemeinschaft von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen einen eigenen Token zur Verfügung stellen.

(Foto: PR)

DüsseldorfWenn Christof Wittig Deutsch spricht, dann wird deutlich, dass der gebürtige Karlsruher schon sehr lange Zeit an der US-Westküste lebt. Die Sprachmelodie erinnert weniger an die badische Herkunft als an seinen Lebensmittelpunkt in Kalifornien. Und auch seine Ambitionen sind eher Silicon Valley als Ländle.

Wittig hat 2011 mit Hornet Networks eines der größten Sozialen Netzwerke für homosexuelle Männer gegründet. Doch wer im Valley etwas Großes schafft, der will in der Regel auch die Welt ein klein wenig besser machen.

Wittig will nun mit verschiedenen Partnern die Blockchain-Technologie nutzen und der globalen Gemeinschaft von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen einen eigenen Token zur Verfügung stellen. Damit will der Gründer nicht nur die ökonomische Kraft dieser Gruppe kenntlich machen, sondern auch in Krisenregionen unterstützen.

Ein sogenannter Token funktioniert wie ein digitaler Coupon, erklärt Volker Brühl, Professor am Center for Financial Studies der Frankfurter Goethe-Universität. „ Er bietet also die Zugangs- oder Nutzungsrechte zu einer bestimmten Blockchain-App.“ So ein Nutzungsrecht kommt mittels eines Initial Coin Offerings (ICO) auf den Markt: „Das ist ein Prozess, bei dem ein Token zum Erwerb angeboten wird“, erklärt Brühl.

Zumeist müssten die User in anderen Kryptowährungen wie Bitcoin oder Etherium zahlen. Der Preis würde dabei willkürlich festgelegt, da es keine wirtschaftlichen Daten gäbe, auf denen eine Bewertung erfolgen könnte, so der Experte. Ein Token macht es beispielsweise wie die Kryptowährung Bitcoin möglich, anonym Handel zu treiben. Die ICO für den LBT-Token ist für die kommende Monaten geplant, die Einnahmen sollen in eine Stiftung fließen. Der Preis steht indes noch nicht fest.

Obwohl in Europa und Nordamerika Homosexuelle bedeutende Fortschritte feiern können, herrscht in anderen Regionen der Welt düstere Zustände. So sind homosexuelle Handlungen in manchen Staaten nicht nur verboten, sondern können im schlimmsten Fall die Todesstrafe bedeuten. In vielen Staaten schauen Regierungen zudem weg, wenn homosexuelle Menschen diskriminiert oder verfolgt werden.

Wittig will daher seinen Tokenkonkret nutzen, um finanzielle Unterstützung zu leisten: „Er kann als Zahlungsmittel genutzt werden, damit sich Verfolgte in Sicherheit bringen können, ohne das sie sich öffentlich machen müssen.“ Über Hornet habe man immer schon Programme gestartet, die in Krisen der lokalen Gemeinschaft helfen sollten.

So zum Beispiel in Tschetschenien, wo homosexuelle Männer im vergangenen Jahr verschleppt, gefoltert oder umgebracht wurden. Manche Medienberichten sprachen von einer durch die Behörden durchgeführten Säuberungswelle: „Hier haben wir Informationen und Werkzeuge zur Verfügung gestellt, damit Verfolgte nach Moskau entkommen konnten.“ Mit einer anonymen Währung könne man dann bald auch konkret Mittel zur Verfügung stellen.

Die Ausgabe des Tokens solle auch über Hornet erfolgen, erklärt Wittig. Als er 2011 das Netzwerk startete, war das eher eine Art Nebenprojekt. Der Deutsche hatte bereits zwei Softwareunternehmen gegründet und erfolgreich verkauft: „Anders als vielleicht anderswo bleibt man auf dem Geld allerdings nicht sitzen, sondern steckt zumindest einen Teil in ein neues Projekt – das ist Valley-Gesetz“, sagt Wittig gegenüber dem Handelsblatt.

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