Soziales Netzwerk Snapchat nennt Nutzerzahlen für Deutschland

Nach dem Start seiner Fotobrille in Europa hat Snapchat nun aktuelle Zahlen für den deutschen Markt präsentiert. Doch der Markt für Bilder und Videos scheint bereits fest in den Händen der Konkurrenz.
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Analysten haben die Erwartungen an die Fotobrille nach unten korrigiert. Quelle: dpa
Snapchat-Kamerabrille „Spectacles“

Analysten haben die Erwartungen an die Fotobrille nach unten korrigiert.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAn der Börse läuft es für Snapchat schon länger nicht mehr rund. Doch für Aufmerksamkeit sorgt das soziale Netzwerk mit dem grinsenden Gespenst weiterhin. Betreiber Snap legte am Freitag aktuelle Zahlen zu seinen Nutzern in Deutschland vor – und bereitet seine Expansion in Europa nun auch vor Ort vor.

Es könnten gute Zeiten sein für die Plattform, die mit seiner eingebauten Halbwertzeit für Bilder und Videos einst sogar Facebook-Chef Mark Zuckerberg ein wenig das Fürchten lehrte. Am vergangenen Freitag landeten überall in Europa die sogenannten Snapbots: Lustige gelbe Automaten, an denen sich Nutzer die Fotobrille „Spectacles“ kaufen konnten. Von Berlin bis Barcelona machte der Konzern aus Los Angeles kräftig Werbung für das Produkt, das dem Konzern endlich Gewinne bringen soll. Eine Woche später will Snap nun mit guten Nutzerzahlen aus Europa überzeugen. Ob das am Ende Anleger und Analysten überzeugt?

Snap sieht sich in Deutschland gut aufgestellt: Fünf Millionen Menschen nutzen Snapchat inzwischen täglich, teilt der Konzern mit. Und verweist zudem aus Zahlen, die der Dienstleister App Annie zusammen gestellt hat: 45 Prozent der eigenen täglichen Nutzer könne nicht via Facebook und ganze 44 Prozent nicht via Youtube erreicht werden. Bei Instagram ist der Abstand jedoch geringer: Hier sind es nur 29 Prozent. Zudem seien mehr als sechzig Prozent aller deutschen Nutzer über 18 Jahre alt. Mit dieser Zahl will Snap auch dem Vorwurf des virtuellen Kindergartens begegnen, in dem nur eine sehr junge und dadurch sprunghaftere Zielgruppe unterwegs sei.

Denn das ist gerade für Werbekunden wichtig und da ist der deutsche Markt für Snapchat äußerst interessant, denn es locken große Werbebudgets. 2014 führte laut einer Erhebung des World Advertising Research Centers bei den Ausgaben für Werbung in Europa zwar Großbritannien mit 27,4 Milliarden Dollar, doch Deutschland folgte mit 25,3 Milliarden deutlich vor Frankreich mit 16,6 und Italien mit 9,7 Milliarden Dollar.

Die fünf Schattenseiten des Silicon Valley
1. Brutale Personalpolitik
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Zu viel Harmonie schade dem wirtschaftlichen Erfolg, lautet etwa das Credo bei Amazon. Berichte ehemaliger Mitarbeiter in der „New York Times“ zeigen, was das bedeutet: nach Mitternacht berufliche Mails, die zu beantworten sind; Appelle, weniger leistungsfähige Kollegen zu verpetzen. Im Bild: Amazon-Chef Jeff Bezos.

Stress und hohe Arbeitsbelastung
2 von 10

Ein früherer Marketing-Mitarbeiter von Amazon sagte: „Fast alle Leute, mit denen ich zusammenarbeitete, sah ich an ihrem Tisch sitzen und weinen.“

2. Eintönige Führungskultur
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Im Silicon Valley herrscht eine homogene Truppe: weiß, männlich, Mittelklasse. Die Atmosphäre in vielen Start-ups sei gar frauenfeindlich, sagt manch eine Investorin.

Weiß, männlich, Mittelklasse
4 von 10

Die Investorin Nnena Ukuku, deren Eltern aus Nigeria stammen, sagte dem Handelsblatt: „Das Einzige, was schlimmer ist, als in der Technologiewelt eine Frau zu sein, ist eine schwarze Frau zu sein.“ Schwarze Gründer würden gar nicht ernst genommen.

3. Prekäre Selbstständigkeit
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Die „Uberisierung“ der Wirtschaft, in der Fahrer, Kuriere oder Putzkräfte nicht mehr angestellt sind, sondern Unternehmer, lässt die "Sharing Economy" boomen.

Ärger mit den Behörden
6 von 10

Hotels und Taxi-Gewerbe werden damit überflüssig. Das schafft Unabhängigkeit, verlagert aber das unternehmerische Risiko. Das Modell sorgt auch bei Behörden für Unmut, die sich um Steuersummen in Millionenhöhe geprellt sehen.

4. Das Ende der Privatsphäre
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Das Valley feiert die Philosophie ständiger Verfügbarkeit und Arbeitsbereitschaft. Google oder Facebook holen ihre Programmierer morgens mit dem Bus zu Hause ab. Auf dem „Campus“ servieren sie kostenlose Bio-Mahlzeiten.

Schon jetzt schalten Unternehmen wie die Drogeriekette dm oder die Deutsche Bahn Werbekampagnen auf dem Dienst. Bei der Plattform Discovery arbeitet Snapchat mit Nachrichtenportalen wie „Bild“ oder „Spiegel Online“ zusammen.

Doch um potenziellen Kunden ansprechen zu können, braucht es Ansprechpartner. Manch ein Branchenkennern scherzte schon mal darüber, wo man denn jetzt genau anrufen solle, um mit Snapchat zusammen arbeiten zu können. Auch da zieht das Unternehmen nach: Von Facebook holte man die erfahrene Marken- und Medienmanagerin Marianne Bullwinkel – eine vertrauensbildende Maßnahme für die Szene. Und nun soll im Sommer auch ein Büro in Hamburg eröffnen und damit ein Anlaufstelle für hiesige Kunden entstehen.

Ernüchterung bei Analysten

Instagram, Snapchat oder Facebook – wer ist erfolgreicher?

Die positiven Nachrichten können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zuletzt gar nicht gut lief: Anfang der Woche korrigierten die Analysten von JP Morgan das Kursziel der Aktie von 20 Dollar auf 18 Dollar, wodurch die Titel gerade einmal einen Dollar über dem ursprünglichen Ausgabepreis liegen würden. Zuletzt lag die die Aktie bei rund 18,80 Dollar. Für die US-Analysten ist zudem klar, dass es zwar viele aktive Nutzer gibt. Sie hegen aber Zweifel daran, ob es Snap gelingen wird, sein Werbegeschäft auszubauen.

Bei Bekanntgabe der ersten Quartalszahlen nach Börsengang war der Werbeumsatz pro Nutzer innerhalb von drei Monaten von 1,05 Dollar auf 90 Cent gesunken. Die Analysten erwarten Profite erst für das Jahr 2020. Zuletzt machte der Konzern 2,2 Milliarden Dollar Verlust bei einem Umsatz von 149,7 Millionen Dollar, wobei jedoch zwei Milliarden des Verlustes auf Aktienoptionen für Mitarbeiter und Manager im Zuge des Börsengangs entfielen.

Auch die mit viel Tamtam in Europa gestarteten „Spectacles“ sehen die Analysten nüchterner: Während sie früher von bis zu 915.000 verkauften Exemplaren und einem damit verbundenen Umsatz von 119 Millionen Dollar ausgingen, senkten sie die Erwartung jetzt auf 429.000 Stück in diesem Jahr und 56 Millionen Umsatz.

Zudem befürchten die Experten die Konkurrenz von Facebook: Mark Zuckerberg hatte nach und nach viele Funktionen von Snapchat für seine Dienste kopiert. Tochterfirma Instagram verkündete unlängst, dass ihr Snapchat-Klon auf mehr als 200 Millionen Nutzer kommt. Bei WhatsApp sieht es ähnlich aus: Dort nutzen die „Stories“-Funktion 175 Millionen User täglich. Und auch in Deutschland konnte Facebook zuletzt auf rund 30 Millionen aktive Nutzer wachsen.

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