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Sportrechte Facebook will mit spanischem Live-Fußball mehr Nutzer in Asien gewinnen

Real und Barca, live, kostenlos, werbefrei: Facebook sichert sich die Übertragungsrechte der Primera División für Südasien – und will Kunden gewinnen.
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Partien mit Messi, Vidal, Neymar und Suarez gibt es für indische Facebook-Nutzer bald live und kostenfrei. Quelle: dpa
Die Stars des FC Barcelona

Partien mit Messi, Vidal, Neymar und Suarez gibt es für indische Facebook-Nutzer bald live und kostenfrei.

(Foto: dpa)

BangkokWenn Fußballfans in Indien am kommenden Wochenende den Saisonauftakt von Real Madrid und dem FC Barcelona live erleben wollen, brauchen sie weder einen Fernseher noch eine Fußballkneipe. Ein Konto bei Facebook reicht aus. Das soziale Netzwerk hat der spanischen Primera División für drei Spielzeiten die Übertragungsrechte auf dem indischen Subkontinent abgekauft, wie beide Seiten am Dienstag bekanntgaben.

Das Unternehmen aus Kalifornien will sämtliche 380 Partien kostenlos ausstrahlen – und erhofft sich wertvolle Erkenntnisse über das Potenzial von Sportübertragungen auf der Plattform. Für Facebook ist der Indien-Deal der bislang größte Schritt in das Sportgeschäft: Zum ersten Mal konnte sich das Unternehmen die Rechte an einer kompletten Top-Liga sichern.

Das soziale Netzwerk ist nicht die einzige Technologiefirma, die im Wettbieten um gefragte Live-Inhalte mitmischt. Auch Amazon und Google zeigen steigendes Interesse – und etablieren sich am Sportrechtemarkt zunehmend als Konkurrenten für etablierte TV-Konzerne.

Südasien soll für Facebook nun zum Versuchslabor werden. Die La-Liga-Rechte, die für die nächsten drei Jahre bei Facebook liegen, gelten neben Indien auch für Afghanistan, Bangladesch, Bhutan, Nepal, die Malediven, Sri Lanka und Pakistan.

Insgesamt hat die Region mehr als 1,7 Milliarden Einwohner und ist für Facebook von großer Bedeutung: Allein in Indien, wo die Preise für mobiles Breitbandinternet in den vergangenen Jahren drastisch gesunken sind, hat das soziale Netzwerk rund 270 Millionen Nutzer – so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Die Fußballrechte könnten dem Konzern nun dabei helfen, gleich zwei Ziele auf einmal zu erreichen: dem zuletzt abgeflauten Nutzerwachstum neuen Schwung zu geben und die Verweildauer auf der Plattform zu erhöhen.

Um die Strategie umzusetzen, hat Facebook Anfang des Jahres einen erfahrenen Manager eingestellt: Der ehemalige Eurosport-Chef Peter Hutton ist nun Direktor für „Global Live Sports“ bei Facebook. Er präsentiert die Einigung mit der spanischen Liga betont zurückhaltend: „Es ist ein Deal – nichts, was eine große Gefahr für die Fernsehwelt wäre“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Abschluss ist aber ein weiteres Beispiel für die Verlagerung von Sportrechten von traditionellen Medienhäusern zu Technologiekonzernen. In den drei Jahren zuvor hielt noch Sony Pictures Network die spanischen Ligarechte in diesem Teil Asiens.

Wie viel Facebook für die Rechte bezahlte, wollte das Unternehmen nicht verraten. Im Ringen um attraktive Live-Inhalte ist der Konzern aber offenbar bereit, größere Summen auf den Tisch zu legen. Das amerikanische Sports Business Journal berichtete im vergangenen Jahr unter Berufung auf Insider, dass Facebooks Sportrechteabteilung über ein Budget von mehreren Milliarden Dollar verfügen soll.

Im vergangenen Jahr boten die Kalifornier 600 Millionen Dollar für die Übertragungsrechte der indischen Cricket-Liga IPL – Cricket ist Indiens Nationalsport Nummer eins. Damals unterlag Facebook aber noch: Der TV-Sender Star India von 21st Century Fox konnte mehr bieten.

Mit kleineren Deals hatte Facebook mehr Erfolg: In den USA erwarb das Unternehmen im März die Exklusivrechte, um 25 Nachmittagsspiele der Major League Baseball zu streamen. Der Preis dafür lag Berichten zufolge bei 30 bis 35 Millionen Dollar. Im vergangenen Jahr hatte sich der Konzern mit dem Fernsehsender Fox Sports geeinigt, 20 Spiele der Champions League in den USA auf seiner Plattform zu übertragen. In Großbritannien wird Facebook künftig jede Woche jeweils ein Spiel der spanischen und der italienischen Top-Liga ausstrahlen.

Auch Amazon mischt auf dem Sportrechtemarkt mit: Der Online-Händler erwarb im Juni die Rechte, in den kommenden drei Spielzeiten jeweils 20 Partien der englischen Premier League für Amazon-Prime-Kunden in Großbritannien zu streamen. Im Vorjahr hatte das Unternehmen bereits zehn Donnerstagsspiele der amerikanischen National Football League für 50 Millionen Dollar übertragen.

In diesem Jahr beteiligten sich laut Medienberichten auch Twitter und Googles Videoplattform Youtube an der Ausschreibung dieses Rechtepakets. „Ich fände es großartig, die NFL zu streamen“, sagte Youtube-Chefin Susan Wojcicki. Amazon bekam aber schließlich erneut den Zuschlag.

Momentan besetzen die Tech-Konzerne im Sport meist noch Nischen. Enrique Dans, Professor an der IE Business School in Madrid, glaubt aber, dass sich die Unternehmen zunehmend in den Mainstream bewegen. „Die traditionellen Sender werden bereits in Kürze die Übertragungsrechte für bedeutende Sportevents an Technologiefirmen verlieren“, prognostiziert er. Firmen wie Facebook, Google und Amazon hätten eine höhere Zahlungsbereitschaft, weil sie angesichts veränderter Nutzergewohnheiten eine bessere Monetarisierung erwarten könnten.

In Indien will Facebook die spanische Liga zwar zunächst ohne Werbung zeigen. Das Unternehmen experimentiert aber gerade mit Reklame während Live-Videos und erwägt, diese Werbeform künftig auch bei den Fußballspielen anzuwenden. Facebook-Manager Hutton bestätigt, dass er kurz vor dem Kauf weiterer Sportrechte stehe. Es gehe jetzt aber nicht darum, weltweit große Mengen an Inhalten zu erwerben. „Wir wollen von den Daten aus unseren Erfahrungen lernen und dann über den nächsten Schritt entscheiden“, sagte Hutton.

Von der Präsenz auf Facebook in Indien erhofft sich auch die spanische Liga einen Wachstumsschub. Fußball wird auf dem Subkontinent zunehmend populär. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland erzielte in Indien in diesem Sommer Rekordeinschaltquoten. Die Primera División eröffnete vor zwei Jahren eine Niederlassung in Neu Delhi, um die Expansion in dem Land voranzutreiben.

Auch Bundesliga-Vereine zeigen Interesse an dem noch weitgehend unerschlossenen Fußballmarkt: Carsten Cramer, Marketingchef von Borussia Dortmund reiste in diesem Sommer nach Indien, um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. „Wir arbeiten Hand in Hand mit der Deutschen Fußball Liga, um die Sichtbarkeit in Indien zu erhöhen“, sagt Suresh Letchmanan, der das Asiengeschäft des BVB leitet, dem Handelsblatt. „Indien ist für uns ein strategisch wichtiger nächster Schritt.“

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