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Sprachlern-App Babbel Mit Häppchen gegen Katzenvideos

Man müsste mal sein Spanisch auffrischen – und tut es doch nicht. Die Macher der Sprach-App Babbel wollen die Motivation mit Lernhäppchen füttern. Dieses Konzept übertragen sie nun auf den Riesenmarkt USA.
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Vokabeln pauken mit dem Tablet: Babbel bietet Sprachkurse für zwischendurch. Quelle: Babbel
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Vokabeln pauken mit dem Tablet: Babbel bietet Sprachkurse für zwischendurch.

BerlinGute Vorsätze sind ein gutes Geschäft. Fitness-Studios, Ernährungsberater und Entwöhnungs-Hypnotiseure profitieren davon, dass sich viele Menschen am Jahresanfang bessern wollen. Diese Motivation beschert auch den Machern der Sprachlern-App Babbel viel Zulauf: In den ersten Wochen dieses Jahres meldeten sich zahlreiche Nutzer an, um eine Sprache zu lernen oder das Schulwissen aufzufrischen.

Mit Vorsätzen kennt sich das Unternehmen Lesson Nine, das die Anwendungen programmiert, also aus. Nun steckt es sich selbst ambitionierte Ziele: Es expandiert in die USA und eröffnet ein Büro in New York. Schon jetzt trägt das US-Geschäft bereits einen zweistelligen Prozentsatz zum Erlös bei; das Start-up hofft, den Anteil noch in diesem Jahr „im deutlichen dreistelligen Prozentbereich“ steigern zu können. Dafür will es kräftig in Werbekampagnen investieren – und sich so in dem Riesenmarkt einen Namen machen.

Der Name Babbel erinnert an die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel. Die Kurse sollen der babylonischen Sprachverwirrung etwas entgegensetzen. 14 Sprachen hat das Berliner Start-up im Angebot, von Englisch, Deutsch und Spanisch bis hin zu Polnisch, Norwegisch und Indonesisch. Mit einigen kostenlosen Lektionen will es die Nutzer überzeugen, wer weitermacht, muss eine monatliche Gebühr zahlen, die je nach Vertragslaufzeit zwischen 5,40 und 10 Euro beträgt.

„Babbel hebt sich ab von den meisten Sprachlernangeboten, die den Lernenden für den Job, eine Prüfung oder die Auswanderung vorbereiten“, sagt Firmenchef Markus Witte im Gespräch mit dem Handelsblatt. Deren Nutzer seien hochmotiviert und wenig preissensibel. „Wer aber sein Italienisch aufbessern möchte, ohne dass es einen äußeren Zwang gibt, hat es viel schwerer, dranzubleiben.“ Diese Lustlerner, zumeist Berufstätige mit wenig Zeit, will das Start-up gewinnen.

Wer lernen will, aber nicht muss, springt jedoch schneller ab. „Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass Motivation allein reicht“, sagt Witte. „Wir konkurrieren um die Zeit der Nutzer“ – und zwar auch mit Klatsch und Tratsch der Facebook-Freunde, Spielen wie „Clash of Clans“ oder Katzenvideos von Youtube.

Deswegen hält das Start-up die Lektionen bewusst kurz, damit sie sich auch zwischendurch erledigen lassen. „Babbel soll ein Bestandteil des Tagesablaufs werden“, sagt Witte. „Dafür ist das Häppchen-Konzept – häufig kleine Schritte zu machen – wichtig.“ Schon 15 Minuten können auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn zu lang sein. Derzeit experimentiert das Start-up damit, die Nutzer nach ihrem Zeitbudget zu fragen und die Lernzeit daran anzupassen.

Vokabeln mit dem virtuellen Karteikasten wiederholen, grammatische Formen per Wischbewegungen sortieren, nützliche Phrasen nachsprechen: All das soll das Lernen erleichtern. Wunderdinge sollten Nutzer allerdings nicht erwarten. Apps wie Babbel eigneten sich zwar, um sich eine Basis in einer Fremdsprache anzueignen, sagte Prof. Bernd Rüschoff von der Universität Duiburg-Essen der „Welt“. Dieses Wissen müsse man aber auch anwenden – in einem Kurs oder besser noch im Gespräch mit Muttersprachlern.

Einfachere Aufgaben für die Amerikaner

Die Babbel-Gründer (v.l.) Thomas Holl, Markus Witte und Lorenz Heine. Quelle: Babbel
Die Babbel-Gründer

Die Babbel-Gründer (v.l.) Thomas Holl, Markus Witte und Lorenz Heine.

Sein Konzept will Babbel nun auf die USA übertragen. Mitgründer Thomas Holl ist nach New York übergesiedelt, bis Jahresende soll er ein Team von rund einem Dutzend Mitarbeitern aufbauen – sechs sind es bereits. „Für uns war es wichtig, einen der Mitgründer vor Ort zu haben“, sagt Witte. „Er hat eine ganz andere Entscheidungsgewalt als ein angestellter Manager, und in der Zentrale hat man ein größeres Vertrauen.“

Das Team soll zum einen herausfinden, wie die Amerikaner lernen. „Dort herrscht eine andere Lernmotivation“, weiß Witte bereits. „Manch einer hat eine Uroma aus Polen und will deswegen Polnisch lernen.“ Die meisten gäben sich aber mit ein paar Sätzen zufrieden. Daher sollen die Ziele für US-Nutzer weniger ambitioniert, die Apps spielerischer gestaltet werden.

Zum anderen müssen die Babbel-Mitarbeiter sondieren, wie sie die Marke in dem Riesenland überhaupt bekannt machen können. Anders bei sozialen Netzwerken verbreitet sich die Kunde nicht viral, daher muss das Unternehmen kräftig ins Marketing investieren. Auch TV-Kampagnen sind geplant. Die Kosten nennt das Unternehmen nicht, es handle sich aber nicht um einen zweistelligen Millionenbetrag, sagt Witte. Die Firma finanziert das Wachstum bislang aus dem Cash-Flow, beim Schritt in die USA sei Wachstum jedoch wichtiger als Profitabilität.

Europäische IT-Unternehmen tun sich mit der Expansion ins Mutterland des Internets allerdings immer wieder schwer. „Es gibt kulturelle Unterschiede, die man in den USA regelmäßig unterschätzt“, sagt Witte. Gleichzeitig sei die Konkurrenz groß. „Dass der US-Markt generell so umkämpft ist, hat damit zu tun, dass er vielfach das Maß aller Dinge ist. Das strahlt international ab.“ Firmen wie Duolingo und Rosetta Stone buhlen mit Online-Sprachkursen um Kundschaft (wenn auch mit etwas anderen Konzepten), doch um die Werbeplätze kämpfen auch Firmen aus völlig anderen Branchen.

Große Hoffnung setzt Babbel in die Gruppe der Hispanics: „Es gibt in den USA viele Englischlerner, die Spanisch als Muttersprache haben“, sagt Witte. Deren Bedürfnisse seien ähnlich wie bei deutschen Kunden, die für den Urlaub Vokabeln büffeln: Sie wollen nicht viel Geld ausgeben und haben wenig Zeit. Aber viele gute Vorsätze.

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