„Start-up!“ auf Sat.1 Die seltsame Gründer-Show des Carsten Maschmeyer

Mit „Startup!“ will Sat.1 der „Höhle der Löwen“ nacheifern. Doch die Sendung scheint zu floppen. Carsten Maschmeyer nimmt es mit Humor.
Update: 05.04.2018 - 11:48 Uhr Kommentieren
„Start-up!“ auf Sat.1: Die seltsame Show des Carsten Maschmeyer Quelle: Sat.1
Spielwiese für Gründer

Die Zuschauer bleiben bei der neuen Show von Carsten Maschmeyer oft ratlos.

(Foto: Sat.1)

DüsseldorfCarsten Maschmeyer hatte den Spott und die Häme diesmal selbst provoziert. Zur Mittagszeit am Mittwoch schickte der Milliardär einen Tweet in die Welt: „Wer heute Abend den bissigsten Kommentar zur Sendung verfasst, bekommt 10.000 Euro Preisgeld von mir.“

Vielleicht hatte Maschmeyer da längst geahnt, dass auch die dritte Folge seiner Gründer-Show „Startup!“ bei Sat.1 keine Begeisterungsstürme auslösen würde. Die bisherigen Zahlen waren ja auch zu deprimierend: Magere 1,09 Millionen Zuschauer hatten die Premiere vor zwei Wochen gesehen. Bei der zweiten Folge sank der Marktanteil auf 2,6 Prozent, am Mittwoch waren es sogar nur noch 2,3 Prozent.

Bei den 14- bis 49-Jährigen lag Maschmeyer „sogar hinter dem ,Sandmännchen‘“, wie das Branchenportal meedia.de witzelte. Und so war sein Tweet vor allem PR in eigener Sache, um vielleicht den einen oder anderen dann doch noch vor den Fernseher zu bekommen. Sat.1 will am Sendeplatz vorerst nichts ändern.

Dabei hat Maschmeyer als TV-Protagonist einer vom Format her scheinbar ganz ähnlichen Sendung zu großer Popularität verholfen. „Die Höhle der Löwen“ hat nicht nur etliche Gründer groß gemacht, sondern dem zur RTL-Gruppe gehörenden Sender Vox auch traumhafte Einschaltquoten beschert. Da wollte Konkurrent Sat.1 nicht hintanstehen. Die Lösung: Maschmeyer bekam zur Primetime seine eigene Bühne. Maximale Öffentlichkeit für den Selfmade-Milliardär.

In der „Höhle der Löwen“ – die, nebenbei, in einigen Monaten mit Maschmeyer in die fünfte Staffel gehen wird – ist er einer von vier Investoren. Aussichtsreiche Gründer pitchen, potente Investoren fühlen ihnen auf den Zahn: Das Original unter den Gründershows hat eine simple, eingängige und vor allem kurzweilige Struktur. Eben alles, was „Startup!“ nicht hat.

In der dritten Folge wird das gleich zu Beginn deutlich. Eingangs führt Maschmeyer ein kurzes Gespräch mit einer der zehn verbliebenen Gründerinnen: Anja, 47 Jahre alt, will mit einem Windschutz für Sonnenliegen die Maschmeyer-Million. Diese Summe hat der Sendungs-Patron für den Sieger seiner Show ausgelobt.

Wo Gründer-Nachfahren das Sagen haben
Ferdinand Piëch steigt aus
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Es war eine Nachricht mit Sprengkraft: Der frühere VW-Konzernlenker Ferdinand Piëch gibt seinen verbliebenen Einfluss auf den Autobauer Volkswagen auf. Andere Familienmitglieder werden seine Anteile an der an der VW-Dachgesellschaft Porsche SE übernehmen. Wie steht es um den Familieneinfluss bei deutschen Industrieunternehmen? Einige Beispiele in alphabetischer Reihenfolge.

BMW
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:Bei dem Autobauer geht praktisch nichts ohne die Zustimmung der Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten (hier gemeinsam mit ihrer 2015 verstorbenen Mutter Johanna Quandt), die noch 46,7 Prozent der BMW-Stammaktien halten. Beide sitzen seit 20 Jahren im BMW-Aufsichtsrat. Dieses Jahr dürfen die beiden mit einer Dividende von rund einer Milliarde Euro rechnen.

BMW
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Streng genommen sind die Eigner bei BMW keine Gründer-Nachfahren, denn die Verbindung zum Autobauer stammt aus den 1950er Jahren. Damals sprang ihr Vater, der Batteriefabrikant Herbert Quandt (hier ebenfalls gemeinsam mit seiner Frau Johanna), der angeschlagenen Firma bei und stieg als Miteigentümer ein. Seine Kinder sind heute als stabile Ankeraktionäre bei BMW auch auf der Arbeitnehmerseite hoch im Kurs.

Bosch
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Die Nachfahren des Gründers sind noch zu sieben Prozent an dem Technologiekonzern Robert Bosch GmbH beteiligt - ihr Einfluss hält sich also in Grenzen, zumal die Firma nicht börsennotiert ist und daher keine harten Transparenzregeln befolgen muss. Als Kontrollinstanz das Sagen hat bei dem Konzern mit seinen fast 400 000 Mitarbeitern die „Robert Bosch Industrietreuhand KG“, die aus früheren Bosch-Managern, externen Fachleuten und Familienangehörigen besteht. Der Anteil der KG am Stammkapital ist zwar nahe null, sie hat aber 93 Prozent der Stimmrechte. Von den Gewinnen (2015: 3,5 Milliarden Euro) profitiert besonders die Bosch-Stiftung, die zu 92 Prozent am Kapital der GmbH beteiligt ist.

Bosch
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Ähnliche Stiftungsmodelle gibt es auch bei anderen Firmen. „Damit soll das Erbe des Gründers für die Zukunft gesichert werden“, erläutert Peter Englisch vom Beratungsunternehmen Ernst & Young (EY). Heutzutage sind auch steuerliche Überlegungen relevant - überträgt ein Familieneigner seine Anteile in eine Stiftung, werden keine Steuern gezahlt. „Solche Stiftungsmodelle machen zwar häufig Sinn, weil die Erben ihre Anteile dann nicht einfach verkaufen können“, sagt er. „Aber das ist ein Weg ohne Umkehr - für die Nachfahren ist das eine faktische Enterbung.“ Zudem sei es unklar, was die Treuhänder in den nächsten Jahrzehnten mit dem Erbe machten.

Dürr
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Die Familie Dürr hält noch knapp 29 Prozent der Aktien an dem Lackiermaschinen-Hersteller, damit ist sie größter Aktionär an der börsennotierten Firma. Im Management ist kein Vertreter der Dürr-Familie mehr zu finden. Der frühere Firmenchef Heinz Dürr (Foto) war einst Bahn-Chef, in einer Nebenfunktion saß er jahrzehntelang an der Spitze des Dürr-Aufsichtsrats – erst vor vier Jahren legte der heute 83-Jährige dieses Amt nieder, seither fungiert er nur noch als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats. Seine Tochter Alexandra Dürr vertritt die Familie inzwischen in dem Kontrollgremium – im eigentlichen Berufsleben ist sie als Ärztin in Paris tätig.

Porsche SE
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Bei der Finanzholding Porsche SE (PSE) ist der Familienclan Porsche/Piëch am Ruder - alle Stimmrechte gehören den Nachfahren von Ferdinand Porsche. Externes Kapital haben sie sich über Vorzugsaktien geholt, also stimmrechtslose Firmenanteile. Die Finanzholding mit nur 30 Mitarbeitern hält rund 52 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen, Europas größter Autobauer hat mehr als 600.000 Beschäftigte. Ohne die Zustimmung der Familien geht also wenig in Wolfsburg.

Bevor man mit dieser Idee jedoch gedanklich in ein Sonnenbad eintauchen kann, hat Sat.1 alle zehn Gründer schon in einen Büroraum gepfercht – und lässt sie dort eine geschlagene Viertelstunde lang einen Papierturm bauen. Ohne Maschmeyer. Der schickt zwei Juroren vor, gewissermaßen seine Statthalter in „Challenges“ wie dieser.

Mit dem Papierturmbau zu Berlin sollen die Gründer ihre Teamfähigkeit und ihr Temperament unter Beweis stellen. Sagen die Juroren zumindest. Am Ende geht es trotzdem bloß darum, wer den größten und stabilsten hat. „Und im Gegensatz zu anderen Bauwerken in Berlin ist er sogar rechtzeitig fertig geworden.“ Ja, das ist wirklich der größte Lacher des Abends.

Wäre da nicht Twitter. Auf dem Kurznachrichtendienst laufen beinahe sekündlich Botschaften mit dem von Maschmeyer auserkorenen Hashtag #RoastCM ein. Mal grob, mal albern, mal witzig. Kostprobe: „Endlich sind die alten AWD-Verträge mal für etwas gut“, zwitschert Nutzer Ralf Podszus zu den Papiertürmen.

Die lange Suche nach der großen Geschäftsidee
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