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Start-up-CheckSportsender Dyn Media: Wenn der Fußball im Abseits steht

Der ehemalige Bundesliga-Chef Christian Seifert baut einen neuen Sender für Sportarten der zweiten Reihe auf. Bald wird sich zeigen, ob das die Massen wirklich interessiert.Joachim Hofer 17.07.2023 - 12:20 Uhr Artikel anhören

Der 54-Jährige führte fast 17 Jahre lang die Deutsche Fußball Liga. Jetzt setzt der Unternehmer ganz auf Sportarten der zweiten Reihe wie Handball und Basketball.

Foto: dpa

Bei Seiferts Start-up Dyn Media, einem neuen Sportsender, ist zwar nicht ganz so viel Geld im Spiel. Die Beträge sind für ein junges Unternehmen aber dennoch beachtlich: Mehr als 100 Millionen Euro investiert der Gründer eigenen Angaben zufolge allein für die Übertragungsrechte der Bundesligen in Handball und Basketball über die nächsten sechs Jahre.

Nach knapp anderthalb Jahren Vorbereitung soll Dyn am 23. August auf Sendung gehen, mit dem Supercup im Handball. Dabei kann Seiferts Streamingdienst auf namhafte Kommentar-Teams zurückgreifen, etwa mit den ehemaligen Handball-Nationalspielern Stefan Kretzschmar und Pascal Hens.

Warum ist das wichtig?

Bei Dyn dreht sich alles um Sport – mit einer Ausnahme: Fußball. „In Deutschland hat sich eine gewisse Monokultur herausgebildet“, sagt Seifert. Fußball dominiere die Berichterstattung und damit die öffentliche Wahrnehmung. Der eloquente Mann muss es wissen, schließlich hat er genau das über Jahre hinweg an der DFL-Spitze nach Kräften befördert. Nun sagt der Medienmanager: „Das ist nicht naturgegeben.“

Seifert hast sich daher die Übertragungsrechte für fünf Sportarten der zweiten Reihe gesichert: Basketball, Handball, Hockey, Tischtennis und Volleyball. Nun will er den Beweis erbringen, dass auch diese Ligen massenhaft Fans in die Streams locken können.

Wie funktioniert das Geschäftsmodell?

Dyn Media lebt von Abonnements. Der Vorverkauf läuft schon seit einigen Wochen. Wie viele Kunden Dyn braucht, um die Gewinnschwelle zu erreichen? Dazu schweigt Seifert. Es werden einige Hunderttausend sein, glauben Branchenbeobachter, denn es fallen erhebliche Kosten an.

So zählt das Unternehmen derzeit 48 Festangestellte, dazu kommen 100 Freiberufler. Für ein Start-up ist das eine ganze Menge. Um das alles zu bezahlen, hat sich Seifert das Medienhaus Axel Springer an Bord geholt. Die Berliner halten die Mehrheit an Dyn. Ein monatlich kündbares Abonnement kostet im Vorverkauf momentan 10,50 Euro, künftig werden es 14,50 sein.

Wer steckt dahinter?

Als CEO von Dyn Media verpflichtete Seifert Andreas Heyden, einen Weggefährten aus dem Fußball. Der 49-Jährige führte zuletzt die Digitaltochter der Bundesliga, DFL Digital Sports. „Wir wollen den Fans ein warmes, wohliges Gefühl geben“, erläutert Heyden sein Konzept. Es gehe darum, eine mediale Heimat für all jene zu schaffen, die nicht nur Fußball gucken möchten. Deren Zahl beziffert Gründer Seifert auf 17 Millionen hierzulande.

Spielszene: Der neue Sportsender Dyn Media überträgt die Bundesliga-Partien der Frauen und Männer.

Foto: dpa

Wie stehen die Chancen von Dyn Media?

Den Menschen in Deutschland sitzt das Geld nicht mehr so locker wie noch zu Zeiten der Lockdowns. Dem Digitalverband Bitkom zufolge geben die Leute im Schnitt 15,70 Euro für Videostreaming im Monat aus. Vor einem Jahr seien es noch 17,90 Euro gewesen.

Mit Sport-Streaming Geld zu verdienen sei grundsätzlich „äußerst herausfordernd“, urteilt Sascha Schmidt, Professor für Sport und Management an der WHU – Otto Beisheim School of Management. Die Abonnentinnen und Abonnenten tendierten bei monatlichen Kündigungsoptionen dazu, die Plattform zu verlassen, wenn die Liverechte wechseln oder die Saison endet. „Um mit dem Streaming von Sportinhalten erfolgreich zu sein, ist es notwendig, zusätzliche attraktive Inhalte zwischen den Livespielen für Abonnenten und gleichzeitig auch frei verfügbar anzubieten, um Reichweite aufzubauen“, sagt Schmidt.

Die drei führenden Köpfe bei dem neuen Sportsender (von links): Marcel Wontorra ist COO, Christian Seifert ist Gründer und Gesellschafter, Andreas Heyden ist der CEO.

Foto: Dyn

Für Dyn sieht Schmidt gleichwohl „beste“ Voraussetzungen: „Mit unkonventionellen, neuen Magazin- und Highlight-Formaten mit Fachleuten und Prominenten sollen Abonnenten vor allem unter der Woche auf der Plattform gehalten und langfristig gebunden werden.“ Es sei zudem lobenswert, dass Dyn einen ganzheitlichen Ansatz verfolge, der nicht nur die Verbreitung von Sportinhalten, sondern auch eine nachhaltige Weiterentwicklung der Partnerligen anstrebe.

Dyn kooperiert sowohl mit den öffentlich-rechtlichen Sendern als auch mit Verlagen. Zeitungen zum Beispiel stellt das Start-up Videos der lokalen Klubs zur Verfügung – ohne nennenswerte Kosten für die Medienhäuser, wie Seifert versichert. Auch die Vereine erhalten die Inhalte von Dyn kostenfrei, um sie selbst zu verbreiten.

Ob sich der Ansatz allerdings wirtschaftlich tatsächlich auszahle, das sei „wie bei allen Innovationen“ offen, meint Schmidt.

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Wie geht es weiter?

Nach dem Handball-Supercup starten die Ligen Zug um Zug in die neue Saison. Im Herbst wird sich dann zeigen, wie attraktiv Dyn für die Sportfans tatsächlich ist. Mit Springer verfügt Seifert jedenfalls über einen finanzkräftigen Partner, der Verluste auch über einen längeren Zeitraum tragen kann.

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