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Start-up-Finder So will Peter Altmaier Mittelständler und Start-ups zusammenbringen

Mit einer neuen Plattform will das Wirtschaftsministerium zwischen kleinen und großen Firmen vermitteln. Kommunikationsprobleme lösen wird sie nicht – vielleicht aber verringern.
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Die Jacke sendet Signale an den Roboterarm, der sich den Bewegungen des Menschen entsprechend bewegt.
Roboterarm ahmt Bewegungen nach

Die Jacke sendet Signale an den Roboterarm, der sich den Bewegungen des Menschen entsprechend bewegt.

Berlin Den passenden Partner findet man ja oft da, wo man ihn gar nicht vermuten würde. In Dresden zum Beispiel: Hier hat das Start-up Wandelbots eine Software entwickelt, mit der man Roboter programmieren kann – ohne dass man dafür programmieren können muss.

Man muss sich lediglich eine Jacke anziehen und Handschuhe, die mit Sensoren ausgestattet sind und damit die Arbeiten ausführen, die später der Roboter erledigen soll. Die Sensoren erspüren die Bewegungen des Menschen, die Software übersetzt sie in Programmierbefehle. Pilotprojekte laufen bereits unter anderem mit VW.

„Das Teure an einem Roboter sind nicht nur die Anschaffungskosten. Noch teurer ist es, ihn zu programmieren“, sagt Gründer Christian Piechnick. In vielen Unternehmen fehlen entsprechend ausgebildete Leute. Eine Software wie Wandelbots könnte die Investitionskosten senken – und auch kleinere Unternehmen und Mittelständler dazu motivieren, mehr Roboter einzusetzen.

Darauf hofft zumindest Peter Altmaier. Der Wirtschaftsminister hat eine Plattform bauen lassen, die es Industrieunternehmen und Mittelständlern erleichtern soll, Kontakt zu Start-ups aufzunehmen. Über 100 junge Firmen sind dort bereits gelistet, darunter auch Wandelbots. Der Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Deep Tech und Industrie 4.0.

Ausgewählt werden sie von der Digital-Hub-Initiative des Ministeriums, die sich bereits an zwölf Standorten in Deutschland darum bemüht, Start-ups, Industrie und Forschung miteinander zu vernetzen.

Eine Stichwortsuche soll dabei helfen, passende Partner für die Digitalisierung des eigenen Unternehmens zu finden. „Mit dem Start-up-Finder bieten wir Unternehmen in Deutschland einen einzigartigen Service, um für sie relevante Technologien und Gründungen zu finden und sich direkt mit ihnen zu vernetzen. Die Zusammenarbeit von Start-ups und etablierten Unternehmen ist eines der Schlüsselelemente, um die Wirtschaft in Deutschland zukunftsfähig zu machen“, sagt Altmaier.

In der Digitalszene wird die Einrichtung der Plattform begrüßt: „Wenn wir in Deutschland anfangen, Netzwerke und Ökosysteme weiterzuentwickeln, dann müssen sie in jedem Fall transparent und pragmatisch sein. Gerade in den Bereichen Industrie 4.0 und Deep Tech müssen wir die Voraussetzungen zur Zusammenarbeit für alle einfacher machen, um schnell nach vorne zu kommen“, sagt Investor Klaus Hommels. Der Lakestar-Chef sitzt im Digitalen Beirat des Ministeriums und hat die Idee mit erarbeitet.

Gründer Christian Piechnick verspricht sich von der Plattform spannende Projekte. „Unsere Software ist im Prinzip in jeder Branche einsetzbar, wir müssen jetzt gemeinsam mit den Kunden herausfinden, wo und wie der Einsatz besonders viel Sinn macht“, sagt Piechnick.

Über mangelndes Interesse kann er sich eigentlich nicht beklagen. Zum Beispiel wird er häufig bei Veranstaltungen angesprochen, meistens ohne dass der Gesprächspartner eine konkrete Idee von einer Zusammenarbeit hat. Solche Gespräche kosten viel Zeit – Zeit, die der Chef einer 20-Mann-Firma eigentlich nicht hat. Von der Plattform erhoffe er sich „qualifiziertere Anfragen“, sagt Piechnick – „und dass man schnell vorankommt“.

Auch auf der anderen Seite ist Interesse vorhanden: „Es gibt viele Herausforderungen, bei denen wir uns fragen: Wie gehen wir das technologisch an? Wenn wir dann ein Start-up finden, das eine gute Idee dazu hat, kann uns das weiterhelfen“, sagt etwa Gunther Kegel, Präsident des Verbands der Elektrotechnik und Chef von Pepperl und Fuchs, ein Sensorik-Spezialist mit 6000 Mitarbeitern und Hauptsitz in Mannheim.

Von der Plattform verspricht er sich eine bessere Übersicht: „Die Szene ist extrem dynamisch. Da passiert so viel in so kurzer Zeit, dass niemand einen Überblick hat. Es ist vernünftig, das zu katalogisieren.“

Zugleich aber warnt Kegel vor zu viel Euphorie: „Es kann sehr sinnvoll sein, mit Start-ups zusammenzuarbeiten. Der große Beweis, wie nachhaltig das ist, steht aber noch aus. Ein Leuchtturmprojekt ist ja schnell aufgesetzt, um aus einer Idee ein echtes Industrieprodukt zu machen, das ist eine ganz andere Herausforderung.“

Ihn ärgere, dass in der Öffentlichkeit oft der Eindruck entstehe, die jungen Gründer seien innovativer als die großen Unternehmen. „Die großen Unternehmen sind ja nicht langsam, weil die Menschen, die dort arbeiten, so langsam sind, sondern weil es so viele gesetzliche Vorschriften gibt, an die wir uns halten müssen. Wir beschäftigen weltweit 6000 Leute, 20 davon sind nur mit der technischen Compliance beschäftigt. Ein Start-up könnte das gar nicht leisten. Die wissen meistens gar nicht, was es alles für Vorschriften gibt. Dadurch hat man manchmal den Eindruck, die Ingenieure in den Industriebetrieben seien behäbig, oder innovationsfeindlich. Aber das entspricht definitiv nicht der Wirklichkeit“, sagt Kegel.

Umgekehrt haben es die Kleinen auch nicht immer leicht mit den Großen. Eines der Start-ups, mit denen Pepperl und Fuchs mal zusammengearbeitet hat, ist die Firma Quantitec aus Hofheim bei Frankfurt, die Kunden wie Daimler oder DB Schenker dabei hilft, Güter, Maschinen oder Fahrzeuge in Echtzeit zu lokalisieren. Gründer Ersan Günes hat die Erfahrung gemacht, dass große Unternehmen oft wenig Verständnis für die Prozesse in kleinen Start-ups haben.

„Sie brauchen manchmal sehr lange, um Entscheidungen zu treffen. Das kostet Zeit, die eine junge Firma nicht hat. Zumal die Investoren oft schnelle Ergebnisse sehen wollen“, sagt Günes. Zudem mangele es oft an der Bereitschaft, für die Leistungen der Newcomer angemessen zu bezahlen.

Eine Plattform allein dürfte derlei Kommunikationsschwierigkeiten nicht lösen – vielleicht aber dazu beitragen, dass sich beide Seiten ein wenig besser kennenlernen.

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