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Start-up Palantir Der Geheimniskrämer des Silicon Valley öffnet sich

Das Big Data-Unternehmen Palantir gehört zu den größten Geheimniskrämern im Silicon Valley. Doch die Nähe zu Donald Trump zwingt das Start-up jetzt zum Kurswechsel: Neue Kunden wie Merck sollen das Image aufpolieren.
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Der deutsche Konzern will künftig Technologie von Palantir in allen Unternehmensteilen einsetzen. Quelle: Bloomberg
Merck-Labor in Darmstadt

Der deutsche Konzern will künftig Technologie von Palantir in allen Unternehmensteilen einsetzen.

(Foto: Bloomberg)

San FranciscoDas Big Data-Startup Palantir Technologies gilt als eine der verschwiegensten Firmen des Silicon Valley. Interviews gibt Gründer Alex Karp selten. Und wenn doch Termine stattfinden, dann ist der Inhalt meist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. 

Doch an diesem Donnerstag ließ es sich der 49-jährige Karp, der mit Wuschelkopf und grauer Jeans auftritt, nicht nehmen, die Neuigkeiten persönlich und öffentlich zu verkünden. Mit Stefan Oschmann, Firmenchef des deutschen Pharmakonzerns Merck, saß er im kleinen Konferenzraum in der Palantir-Zentrale, um über den neuen Kunden zu plaudern. Der Dax-Konzern will Palantir-Technologien einsetzen, um herauszufinden, welche Patienten am besten auf bestimmte Therapien ansprechen, oder bei der Entwicklung neuer Medikamente für die Krebstherapie.  

Zu Beginn lobt Karp die Ingenieurskultur im Darmstädter Familienunternehmen. „Ich freue mich sehr, dass Sie hier sind.“ Er selbst habe während seiner Doktorarbeit in Deutschland gelebt und bewundere die Genauigkeit der deutschen Wissenschaft. Karp promovierte in Frankfurt im Fach Philosophie. 

Draußen in die Wand vor dem Konferenzraum hat eine kreative Hand Palantirs Motto in ein pflanzenartiges Gesteck montiert. „Save the Shire“, steht dort, ein Verweis auf die Tolkien-Welt in „Herr der Ringe“. Dem Kultbuch entstammt der Firmenname: „Palantiri“, das sind „sehende Steine“, die Kommunikation über große Entfernung ermöglichen und in alle Ecken der Welt schauen. 

Und vielleicht passt das sogar. Angeblich arbeitete Karp für die CIA und andere Geheimdienste, heißt es. Er soll auch dabei geholfen haben, Osama bin Laden ausfindig zu machen. Ob das nun stimmt oder nicht – die Geheimniskrämerei ist ein perfektes Marketingtool.  

Karp bietet Technologien an, die eine Analyse großer Datenmengen aus unterschiedlichsten Quellen ermöglicht, sogenannter unstrukturierter Daten, also Informationen, wie sie nicht ohne weiteres von einem Computer gelesen und ausgewertet werden können. Um das Unternehmen hat sich ein regelrechter Hype entwickelt. Mit einer Bewertung von über 20 Milliarden Dollar gehört es zu den wertvollsten Start-ups der Welt.

Diese Silicon-Valley-Größen waren im Trump Tower
Donald Trump und das Silicon Valley
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Am Mittwoch im Trump Tower trafen sie sich: Die Bosse des Silicon Valley (ganz rechts: Apple-Chef Tim Cook), die sich im Wahlkampf fast alle für Hillary Clinton ausgesprochen hatten. Doch Donald Trump (l.) setzte sich als designierter US-Präsident durch. Eingefädelt haben soll das Treffen der Valley-Investor und Trump-Unterstützer der ersten Stunde, Peter Thiel (M.). Außerdem aus dem Trump-Lager anwesend: Mike Pence, designierter Vizepräsident, Wilbur Ross, designierter Handelsminister, Trumps Stabschef Reince Priebus und Chefstratege Steve Bannon; sowie die Berater Gary Cohn, Stephen Miller und Jared Kushner, der außerdem Trumps Schwiegersohn ist. Auch seine geschäftlich umtriebigen Kinder Eric, Ivanka und Donald Trump jr. wohnten dem Gipfel bei.

(Foto: AP)
Jeff Bezos, CEO Amazon
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Amazon-Chef Jeff Bezos und der designierte US-Präsident Donald Trump – eine Männerfreundschaft wird aus dieser Beziehung wohl nicht mehr. Im Wahlkampf warf Trump Bezos unter anderem vor, mit der von ihm erworbenen Zeitung „Washington Post“ eine Kampagne gegen den Republikaner zu fahren. Bezos, der auch das Weltraumunternehmen Blue Origin besitzt, konterte mit dem Twitter-Hashtag „#sendDonaldtospace“, also „Schickt Donald ins All“.

(Foto: AP)
Larry Page, CEO Alphabet
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Der 43-jährige Mitbegründer von Google übernahm nach der Neuorganisation des Konzerns im August 2015 die Leitung der Google-Muttergesellschaft Alphabet. Im Anschluss an das Treffen sprachen Teilnehmer von einer entspannten und produktiven Atmosphäre.

(Foto: dpa)
Sheryl Sandberg, COO Facebook
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Facebook hatte im Wahlkampf eine durchaus ambivalente Rolle gespielt: Einerseits hatte sich Unternehmens-Mitbegründer Zuckerberg persönlich und öffentlich gegen „Leute, die Mauern bauen wollen“ ausgesprochen und so gegen Trump Stellung bezogen. Andererseits ist das soziale Netzwerk für die Verbreitung von „Fake News“ in die Kritik geraten, von denen Trump massiv profitiert haben soll. Bei dem Treffen im Trump Tower ließ Zuckerberg sich durch seine Geschäftsführerin und rechte Hand Sheryl Sandberg vertreten.

(Foto: AFP)
Tim Cook, CEO Apple
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Tim Cook vertrat 2009 den an Krebs erkrankten Apple-Mitbegründer und -Chef Steve Jobs als CEO, 2011 sprang er erneut ein – übernahm die Unternehmensleitung aber im August des selben Jahres nach Jobs Rücktritt endgültig. Trump hatte Apple im US-Wahlkampf immer wieder wegen dessen hoher Fertigungsrate in China attackiert. Zudem hatte Trump öffentlich zu einem Apple-Boykott aufgerufen, nachdem sich das Unternehmen weigerte ein iPhone für das FBI zu knacken.

(Foto: dpa)
Safra Catz, Co-CEO Oracle
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Der Datenbankkonzern Oracle ist einer der größten Partner der US-Regierung, entsprechend abhängig ist der Konzern von Trumps Gunst. Ein heikles Thema für Oracle-Co-Chefin Safra Catz, die den Konzern gemeinsam mit Präsidenten-Partner Mark Hurd leitet, ist daher unter anderem die mögliche Registrierung von Muslimen in den USA mit der Trump in der Vergangenheit liebäugelte. Hunderte Programmierer erklärten für diesen Fall bereits ihre kategorische Arbeitsverweigerung. Bei dem Treffen kam am Mittwoch das Thema allerdings nicht zur Sprache.

(Foto: dpa)
Elon Musk, CEO-Tesla
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Am Mittwoch berief Trump den Tesla-Gründer und -Chef Elon Musk in sein Beraterteam, dem bereits zahlreiche Wirtschaftsgrößen angehören. Auch Musk gehörte während des Wahlkampfs zu Trumps schärfsten Kritikern, so hatte er den designierten US-Präsidenten als „nicht den richtigen Mann für den Job“ bezeichnet. Außerdem fördert der Multi-Milliardär erneuerbare Energien und warnt vor dem Klimawandel, den Trump wiederholt geleugnet hatte.

(Foto: dpa)

Erst recht überschlagen sich die Nachrichten, seit Palantirs Co-Gründer, der deutschstämmige Investor Peter Thiel, zum Berater von US-Präsident Donald Trump avancierte. Der Paypal-Mitgründer strebt nun zwar keinen offiziellen Regierungsposten mehr an, will den Republikaner aber vom Silicon Valley aus unterstützen. 

Die Westküste wählt traditionell demokratisch. Tech-Größen wie Apple-Chef Tim Cook oder Sheryl Sandberg hatten offen Rivalin Hillary Clinton unterstützt und waren vor Weihnachten betreten schweigend zum von Thiel anberaumten Treffen im Trump-Tower erschienen.  

Strategische Charmeoffensive

Die fünf Schattenseiten des Silicon Valley
1. Brutale Personalpolitik
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Zu viel Harmonie schade dem wirtschaftlichen Erfolg, lautet etwa das Credo bei Amazon. Berichte ehemaliger Mitarbeiter in der „New York Times“ zeigen, was das bedeutet: nach Mitternacht berufliche Mails, die zu beantworten sind; Appelle, weniger leistungsfähige Kollegen zu verpetzen. Im Bild: Amazon-Chef Jeff Bezos.

(Foto: AFP)
Stress und hohe Arbeitsbelastung
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Ein früherer Marketing-Mitarbeiter von Amazon sagte: „Fast alle Leute, mit denen ich zusammenarbeitete, sah ich an ihrem Tisch sitzen und weinen.“

(Foto: Imago/Westend61)
2. Eintönige Führungskultur
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Im Silicon Valley herrscht eine homogene Truppe: weiß, männlich, Mittelklasse. Die Atmosphäre in vielen Start-ups sei gar frauenfeindlich, sagt manch eine Investorin.

(Foto: Imago/Westend61)
Weiß, männlich, Mittelklasse
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Die Investorin Nnena Ukuku, deren Eltern aus Nigeria stammen, sagte dem Handelsblatt: „Das Einzige, was schlimmer ist, als in der Technologiewelt eine Frau zu sein, ist eine schwarze Frau zu sein.“ Schwarze Gründer würden gar nicht ernst genommen.

(Foto: Imago/Westend61)
3. Prekäre Selbstständigkeit
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Die „Uberisierung“ der Wirtschaft, in der Fahrer, Kuriere oder Putzkräfte nicht mehr angestellt sind, sondern Unternehmer, lässt die "Sharing Economy" boomen.

(Foto: AP)
Ärger mit den Behörden
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Hotels und Taxi-Gewerbe werden damit überflüssig. Das schafft Unabhängigkeit, verlagert aber das unternehmerische Risiko. Das Modell sorgt auch bei Behörden für Unmut, die sich um Steuersummen in Millionenhöhe geprellt sehen.

(Foto: AFP)
4. Das Ende der Privatsphäre
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Das Valley feiert die Philosophie ständiger Verfügbarkeit und Arbeitsbereitschaft. Google oder Facebook holen ihre Programmierer morgens mit dem Bus zu Hause ab. Auf dem „Campus“ servieren sie kostenlose Bio-Mahlzeiten.

(Foto: dpa)

Die guten Beziehungen seines Co-Gründers ins Weiße Haus hätten jedoch keinen Einfluss auf die Arbeit bei Palantir, behauptet Karp nun. „Er ist ein Berater“, sagt er auf die Frage nach Thiel. „Peter und ich sind Freunde seit 27 Jahren. Wir haben eine lange Geschichte darin, in politischen Dingen nicht einer Meinung zu sein.“  

Doch die Nähe zu Trump hat Palantir geschadet. Der Populist hatte im Wahlkampf eine Online-Registrierung für Muslime gefordert, die in den USA leben, und die Idee erst später wieder verworfen. Das hatte den Namen Palantir auch das Valley hinaus bekannt gemacht. Alex Karp zählte auch zu der Gruppe hochrangiger Technologiechefs aus dem Silicon Valley, die Trump Mitte Dezember geladen hatte. Für das aktuelle Melderegister sei Palantir indes nicht angefragt worden, stellte der Firmenchef gegenüber „Forbes“ richtig.  

Die Nähe zu Trump hat Palantir geschadet. Quelle: Reuters
Alex Karp im Trump Tower

Die Nähe zu Trump hat Palantir geschadet.

(Foto: Reuters)

Mit der neuen Charmeoffensive verfolgt Palantir strategische Zwecke. Die Branche wartet auf den Börsengang des Unternehmens, das seit der Gründung 2004 privat gehalten wird, also seine Finanzen nicht offenlegt. Es muss zahlungskräftige Kunden präsentieren, vor allem in der Wirtschaft, wo es stärker wachsen will. Nach Aussagen von Karp hat sich der Umsatz hier jedes Jahr verdoppelt und könne 2017 so groß werden wie das Volumen der Regierungsaufträge. 

Neue, seriöse Kunden wie Merck, älteste pharmazeutisch-chemische Firma der Welt, passen da gut ins Bild. Er sehe viel Potenzial, mit den Technologien von Palantir auch den künftigen Bedarf der eigenen Produkte in der ganzen Welt vorhersagen zu können, sagt Oschmann. „Wir waren auch einmal ein Start-up – allerdings 1668.“ Wie viel der deutsche Hersteller Palantir für seine Dienste zahlt, sagte er nicht. Doch der Vertrag sei auf „mehrere Jahre“ hin ausgelegt.  

Ganz auf die Dienste von Palantir will sich Merck dann aber offenbar doch nicht verlassen. Im Anschluss an den Termin mit Palantir traf sich die Führungsspitze von Merck mit Vertretern des zu Alphabet gehörigen Gesundheitssegments Verily.

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