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Start-up-Schmiede ohne Plan Rocket Internet dämmt Verluste ein – doch die nächste Erfolgsstory ist nicht in Sicht

Die Start-up-Fabrik der Samwer-Brüder steht wirtschaftlich nun besser dar. Doch die wichtigste Frage für die Aktionäre bleibt unbeantwortet.
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Der CEO von Rocket Internet muss neue Investments auftun. Quelle: Reuters
Oliver Samwer

Der CEO von Rocket Internet muss neue Investments auftun.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Copycats, Pizza-Techies oder Digitalpioniere – für die Samwer-Brüder gibt es wahrscheinlich genau so viele Spitzenamen wie Geschäftsmodelle, in die sie investiert haben. Klar ist: Ob kopiert oder selbst erdacht, die Samwers haben dazu beigetragen, die heimische Start-up-Landschaft ins Leben zu rufen. Ihr Konzern Rocket Internet gilt vielen als ein Urgestein der deutschen Digitalwirtschaft.

Und das lieferte wenn schon nicht schwarze Zahlen, dann zumindest gute Geschichten: die von erfolgreichen Börsengängen, etwa von den Rocket-Beteiligungen Delivery Hero oder Hello Fresh.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr nähert sich der Konzern zwar den schwarzen Zahlen, bleibt aber weiter defizitär. Doch etwas ist anders als bisher: Die nächste gute Geschichte ist bisher nicht abzusehen.

Rocket-Chef Oliver Samwer hat 2017 nur teilweise geliefert: Der Konzern bewegt sich langsam in Richtung Profitabilität. Unterm Strich sank der Verlust im vergangenen Jahr - deutlich - auf sechs Millionen Euro. Im Vorjahr hatte der Konzern mit der Rakete noch ein tiefrotes Defizit von 741,5 Millionen Euro verbucht.

Der Umsatz ausgewählter Unternehmen stieg 2017 im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 2,64 Milliarden Euro. Dennoch machten sie beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Wertminderungen und Abschreibungen einen Verlust von 315 Millionen Euro, immerhin 44 Millionen Euro weniger als noch im Jahr zuvor.

Der Umsatz der Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet sank indes von 50,4 Millionen auf 36,8 Millionen Euro. Das liegt vor allem daran, dass Rocket die Zahl seiner Beteiligungen um 35 auf 89 reduziert hat.

Die Cash-Reserve ist hoch, doch wohin mit dem Geld?

Dank der bereits vollzogenen Börsengänge besitzt Rocket Internet ein solides Kapitalpolster: Ende März 2018 betrugen die verfügbaren liquiden Mittel 2,7 Milliarden Euro. Doch wohin mit all dem Geld? Bei Branchenkennern herrschen Zweifel darüber, welche Strategie Rocket in Zukunft verfolgen wird.

So sagte zum Beispiel Lucas Boventer, Analyst bei Warburg Research, dem Handelsblatt: „Aufgrund der hohen verfügbaren Liquidität steht die Frage im Raum, was die Firma damit vorhat. Investoren würden sich hier über mehr Transparenz hinsichtlich zukünftiger Investitionsfelder freuen.“ Dabei ist Rocket in vielen Bereichen aktiv, kommuniziert darüber aber nur verhalten.

Nur ein sehr genauer Blick in die Bilanz offenbart die Beteiligungen abseits der großen Namen. So ist dort zu lesen: „Pflegetiger, Printvenue, Eatfirst, Caterwings, Campsy und die 2017 entkonsolidierten Gesellschaften ZipJet und Instafreight haben Umsatzsteigerungen erreicht.“

Konkrete Zahlen nennt Rocket nicht. Ein spezieller Trend lässt sich daraus ebenfalls nicht ablesen: Das Themenspektrum der Beteiligungen reicht von Speditionsdienstleistungen über Pflegedienstvermittlung bis hin zur Online-Campingplatzbuchung.

Bekannt wurde allerdings zuletzt, dass Rockets auf Reinigung spezialisiertes Start-up Zipjet den französischen Konkurrenten Cleanio übernommen hat. Zipjet sei zum Beispiel ein vielversprechendes Start-up für Rocket, meint Analystin Sarah Simon von Berenberg: „Aber es ist genauso wie mit anderen Rocket-Beteiligungen: Sie berichten darüber nicht regelmäßig.“

Die Verschwiegenheit habe auch mit der Vergangenheit zu tun, sagen Unternehmenskenner: Damals kratzten Fehlschläge bei Investitionen an der Selbstsicherheit des Konzerns. Viel lieber rückt Rocket Internet seine Vorzeigebeteiligungen in den Mittelpunkt: die schnell wachsende Global Fashion Group oder die Onlinemöbelhäuser Home24 und Westwing. Es gebe viele Konzerne, über die man sehr wenig wisse, meint Analystin Simon: „Wie die pakistanische Plattform Daraz, für die sich Alibaba interessierte.”

Rocket ist in vielen Schwellenländern aktiv

Überhaupt ist die Start-up-Schmiede auch in Schwellenländern aktiv. Eine Erfolgsstrategie, wie Analyst Boventer sagt: „Rocket hatte mit Lazada ein sehr starkes Asset im südostasiatischen Markt, welches erfolgreich an Alibaba veräußert wurde – mit der indonesischen Reisebuchungsplattform Traveloka haben sie dort ein weiteres potenzielles Einhorn im Portfolio.“

Rocket hat sich weitgehend auf den Bereich E-Commerce konzentriert. Doch im vergangenen Jahr hatte Rocket-Chef Samwer angekündigt, dass sich der Konzern auch im Fintech-Bereich umschauen wolle.

Dafür beschloss die Hauptversammlung, einen Passus in der Satzung der Rocket Internet SE zu streichen, der der Gesellschaft untersagte, Geschäfte zu betreiben, welche die Bankenaufsicht genehmigen muss. Bekannt wurde bisher nur ein Investment in das Factoring-Start-up Billie.

Auch von den High-Tech-Themen wie Industrie 4.0 oder künstliche Intelligenz ließ der Konzern bisher die Finger: „Von uns werden Sie keine fliegenden Autos sehen“, sagte Samwer bei der Hauptversammlung im vergangenen Jahr.

Für die kommenden zwei, drei Monate seien keine größeren Investments geplant, sagte der Chef nun bei der Vorlage der Geschäftszahlen. Doch das könne sich täglich ändern. Berenberg-Analystin Simon glaubt jedoch, dass die Zurückhaltung eher an den derzeit hohen Bewertungen von Start-ups als an mangelnden Möglichkeiten liege.

Zudem fällt auf: Die Zeit, in der die einstige Start-up-Fabrik ein Unternehmen nach dem anderen auf den Markt schmiss, scheint vorüber. So meint Analyst Boventer: „Neben dem reinen Companybuilder hat sich Rocket Internet mittlerweile auch zu einem strategischen Investor gewandelt – neben dem Gründen sind auch frühe Beteiligungen an interessanten Geschäftsmodellen Teil der Strategie.“

Dennoch: Nach den Börsengängen von Delivery Hero und Hello Fresh ist CEO Samwer nun unter Zugzwang. Medienberichten zufolge sollen sowohl der Möbelhändler Home24 als auch das „afrikanische Amazon“ Jumia den Börsengang prüfen. Samwer und Finanzchef Peter Kimpel wollte das nicht kommentieren.

Analyst Boventer sagt: „Mit den IPOs von Hello Fresh und Delivery Hero sind zwei prominente Firmen aus dem Portfolio erfolgreich an die Börse gegangen: Die Frage ist, ob weitere Portfoliounternehmen aus der zweiten Reihe ähnliche Erfolge verzeichnen können.“

Geht es nach Analystin Simon, befindet sich Rocket gerade eher in einem Moment des Innehaltens: „Investoren neigen dazu, wegen Amazons Marktmacht in Bezug auf E-Commerce-Plattformen sehr skeptisch zu sein.“ Sie glaubt, es gehe nun darum, bestehende Beteiligungen zu stärken.

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