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Streaming-Pionier So führt Gründer Reed Hastings den Streamingdienst Netflix

Netflix legt enttäuschende Quartalszahlen vor, das Wachstum ist weiterhin gebremst. An seinem unkonventionellen Führungsstil wird der Chef aber festhalten.
21.10.2020 - 18:59 Uhr Kommentieren
Die aktuelle Entwicklung bei Netflix wird dem Gründer des Streamingdienstes nicht gefallen. Quelle: dpa
Reed Hastings

Die aktuelle Entwicklung bei Netflix wird dem Gründer des Streamingdienstes nicht gefallen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Reed Hastings hat seinen eigenen Job klar definiert: Er will keine Entscheidungen treffen, diese überlässt er lieber seinen untergeordneten Führungskräften. Führen durch Kontext, nicht durch Kontrolle, so nennt er seinen Managementstil.

Der Gründer und Co-CEO des US-Streamingdienstes Netflix unterhält sich mit jedem der rund 500 Direktoren jedes Jahr eine halbe Stunde lang über den Kontext seines Unternehmens. Insgesamt 250 Stunden. Sein Ziel: Der 60-jährige Informatiker will seine Mitarbeiter damit befähigen, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Ohne Kontrolle.

Der Netflix-Kontext ist in dieser Woche wichtiger denn je: Denn anders als Analysten erwartet hatten, meldete der Streaming-Pionier Quartalszahlen, die einen geringeren Gewinn und ein nachlassendes Wachstum bei den Abonnements zeigen.

Und das in einer Zeit, in der die grassierende Coronakrise die Menschen stärker als jemals zuvor an ihr Zuhause bindet und sie Unterhaltung in den eigenen vier Wänden suchen. Auch Hastings selbst verbringt einen Großteil seiner Zeit im Homeoffice in Santa Cruz. Von dort aus steuert der Konzernchef, der sich selbst als einen „mathematisch denkenden Softwareingenieur“ bezeichnet, sein Milliardenunternehmen.

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    Die aktuelle Entwicklung wird ihm nicht gefallen: Die Aktie seines Unternehmens fiel am Dienstag nachbörslich zeitweise um sechs Prozent. Dabei galt Netflix bislang als klares Erfolgsunternehmen. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Kurs auf aktuell über 525 Dollar verfünffacht.

    Konkret stieg der Umsatz im dritten Quartal dieses Jahres um rund 23 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar und übertraf die Prognosen etwas. Der Gewinn legte im Jahresvergleich um 19 Prozent auf 790 Millionen Dollar zu, blieb aber deutlich unter den Erwartungen der Wall Street.

    Bei der wichtigsten Kennziffer des Unternehmens, der Zahl der neuen Abonnenten, enttäuschte der Streaminganbieter ebenfalls: 2,2 Millionen Menschen haben sich im abgelaufenen Quartal neu angemeldet, Netflix selbst hatte mit 2,5 Millionen Neuzugängen gerechnet. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte Netflix noch 6,8 Millionen Menschen als neue Streamingkunden gemeldet.

    Das gebremste Wachstum auf der Kundenseite geht anscheinend weiter. Für das vierte Quartal prognostizierte Netflix sechs Millionen zahlende Nettozugänge, vor einem Jahr hatte das Unternehmen noch 8,8 Millionen Menschen im Winterquartal als Neukunden gewonnen.

    Der Kampf der globalen Streaminganbieter, zu denen neben Netflix auch Disney, Amazon Prime Video oder auch Apple gehören, entscheidet sich maßgeblich an der Inhalte-Front. Das weiß auch Informatiker Hastings, der das Unternehmen 1997 zusammen mit Marc Randolph als Onlinevideothek gegründet und in den ersten Jahren DVDs per Post an Kunden verschickt hat.

    Im vergangenen Sommer beförderte Hastings, inzwischen mehrfacher Milliardär, seinen langjährigen Kollegen Ted Sarandos zu seinem Co-CEO. Sarandos hatte einst zwei Staffeln der Serie „House of Cards“ für sagenhafte 100 Millionen Dollar eingekauft – ohne seinen Chef zuvor darüber zu informieren. Keine Kontrolle – wieder einmal. Der Kauf erwies sich als Glücksfall, mit ihm feierte der US-Konzern weltweite Erfolge.

    Intakte Produktionspipeline

    Und so ist es aktuell auch Sarandos, der der Öffentlichkeit versichert, dass die Produktionspipeline des Unternehmens für 2021 „annähernd intakt“ sei. „Die Produktionen könnten etwas langsamer vorangehen, als wir geplant hatten, aber im Wesentlichen sind wir zurück im Geschäft“, sagte Sarandos in einem Videointerview. So hätten etwa die Produktionen der neuen Staffeln von Serienhits wie „Stranger Things“ oder „The Witcher“ bereits wieder gestartet werden können. Rund 17 Milliarden Dollar soll Sarandos in diesem Jahr für Inhalte ausgeben können.

    Hastings ist dafür bekannt, dass er hohe Ansprüche an seine Mitarbeiter stellt. Seine Führungskräfte sollen beispielsweise den sogenannten Keeper-Test durchführen. Und der geht so: „Welche meiner Mitarbeiter würde ich unbedingt halten wollen, wenn sie mir sagten, sie hätten eine ähnliche Stelle bei einem anderen Unternehmen?“ Bestehen die Mitarbeiter den Keeper-Test nicht, trennt er sich rasch von ihnen. Eine hohe Talentdichte ist Hastings oberstes Credo.

    Der Keeper-Test ist nur einer der Bausteine, die zur legendären Netflix-Kultur gehören. Das „Netflix Culture Deck“ ist eine Sammlung von 127 Folien, die Hastings zunächst für den internen Gebrauch verfasste, sie dann aber ins Internet stellte. Sheryl Sandberg, COO von Facebook, wird mit der Aussage zitiert, das „Culture Deck“ sei möglicherweise das „wichtigste Dokument, das je im Silicon Valley verfasst wurde“.

    Hastings, der in den 80er-Jahren mit dem Friedenskorps in Swasiland gearbeitet hat, widmete dem Kulturthema in diesem Jahr ein ganzes Buch. In „Keine Regeln“ schrieb er nicht nur seine eigenen Ansichten nieder, sondern ließ diese auch von der Management-Professorin Erin Meyer reflektieren.

    Seine wichtigsten Botschaften darin: Neben einer hohen Talentdichte und Führung ohne Kontrolle legt Hastings Wert auf große Offenheit, die so weit geht, dass er vertrauliche Unternehmenszahlen mit seiner Belegschaft diskutiert. Seine Mitarbeiter, davon ist er überzeugt, sollen immer wissen, wie es um das Unternehmen steht. Das wird heute, wenn der Kundenzustrom im Herbst ins Stocken gerät, nicht anders sein.

    Mehr: Netflix-CEO Reed Hastings im Handelsblatt-Interview

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