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Streamingdienst Disney+ macht Netflix eine Kampfansage – und will 260 Millionen Abonnenten erreichen

Neun statt sieben Euro im Monat, dafür Dutzende neue TV-Dramen, Star-Wars- und Marvel-Serien. Disney zielt mit seinem „Star"-Dienst auf erwachsene Zuschauer.
11.12.2020 - 04:11 Uhr Kommentieren
Der Disney-Chef hat sich ambitionierte Ziele für das Streaminggeschäft gesetzt. Quelle: AP
Bob Chapek

Der Disney-Chef hat sich ambitionierte Ziele für das Streaminggeschäft gesetzt.

(Foto: AP)

San Francisco Disney+ ist im weltgrößten Unterhaltungskonzern aktuell der einzige Lichtblick – deswegen ist es nur folgerichtig, dass Bob Chapek zu Beginn den Fokus darauf lenkt: 86,8 Millionen Abonnenten habe der hauseigene Streamingdienst aktuell, sagte der Disney-Chef beim Investorentag des kalifornischen Unternehmens.

Das sind fast 14 Millionen mehr als noch im Oktober und sprengt alle Erwartungen, die Disney vor dem Start Ende 2019 hatte. Damals rechnete Disney mit 60 bis 90 Millionen Abonnenten im Jahr 2024.

In allen anderen Sparten hat die Corona-Pandemie den Disney-Konzern hart getroffen. Seine Freizeitparks sind vielerorts geschlossen, Kinostarts schiebt Disney immer weiter auf oder bringt sie direkt auf Disney+. Der Streamingdienst dagegen profitiert davon, dass Menschen in vielen Teilen der Welt zu Hause festsitzen.

Deswegen richten alle großen Film- und Fernsehkonzerne ihre Strategien radikal auf Streaming aus. Wenige Tage vor Disneys Event hat Warner Media vorgelegt: Der Mutterkonzern des Hollywood-Studios Warner Bros will sein komplettes Film-Angebot 2021 in den USA parallel in Kinos und auf seinem Dienst HBO Max veröffentlichen – darunter Blockbuster wie „Matrix 4“ und „Dune“.

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    Hollywood reagierte darauf mit theatralischem Zorn: Der Regisseur Christopher Nolan („The Dark Knight“) schimpfte, Stars wie er gingen zu Warner, um mit „dem beste Filmstudio zusammenzuarbeiten, nicht mit dem schlechtesten Streamingdienst“.

    Auch wegen Nolans cineastischen Befindlichkeiten hatte Warner im Sommer dessen Film „Tenet“ noch in die Kinos gebracht – wegen der Pandemie war in Europa und den USA aber kaum jemand hingegangen.

    Warner nutzt die Notlage nun, um sich selbst umzukrempeln: Statt zu hoffen, dass das für Studios eigentlich lukrative Kinogeschäft bald zurückkommt, peppt die Tochter des US-Telekom-Konzerns AT&T mit ihren Blockbustern den eigenen Netflix-Konkurrenten auf.

    Mehr als 100 neue Titel pro Jahr

    So weit will Disney nicht gehen: „Black Widow“, ein Spin-off aus dem extrem erfolgreichen „Avengers"-Universum des Marvel-Studios, kommt am 7. Mai in den USA ins Kino. Disney kann auf die Kinoeinnahmen noch weniger verzichten als andere Filmkonzerne. „Wir haben 2019 13 Milliarden Dollar an der Kinokasse verdient“, sagt Chapek auf die Frage eines Analysten. „Das ist echt kein Pappenstiel.“ Man werde flexibel bleiben, ob man einen Film ins Kino oder ins Streaming bringt.

    Stattdessen setzt Disney darauf, mit einem Sperrfeuer an neuen Serien neue Abonnenten anzuziehen: In den kommenden Jahren sollen alleine zehn Star-Wars-, zehn Marvel- und 15 Disney- und Pixar-Serien auf den Dienst kommen, dazu Filme und Serien aus Disney-Fernsehsendern wie ABC oder FX. „Unser Ziel sind mehr als 100 neue Titel pro Jahr“, sagte Bob Iger, der langjährige Disney-Chef, der nun den Aufsichtsrat führt.

    Die mehr als vierstündige Präsentation ist gespickt mit Stars und großen Geschichten aus den Universen, die Iger über seine 15 Jahre als Disney-Chef strategisch zusammengekauft hat: die Serie „Obi Wan-Kenobi“, die ab März das Rematch zwischen dem von Ewan MacGregor gespielten Jedi-Ritter und Darth Vader zeigt. Oder „WandaVision“ aus dem Marvel-Universum, das im Januar auf Disney+ zu sehen ist.

    Vor allem führt Disney aber einen neuen Dienst ein, der über die kinderfreundliche Marke des Mickey-Maus-Konzerns hinausgeht: Ab dem 23. Februar wird es innerhalb von Disney+ einen Bereich namens „Star“ geben. Dort versammelt Disney TV-Dramen aus seinen US-Fernsehsendern wie ABC, FX oder dem US-Streamingdienst Hulu oder Filme von 20th Century und Searchlight. Das schließt Serienklassiker wie „Grey's Anatomy“ ein und neuere Hit-Serien wie den Science-Fiction-Thriller „Devs“ oder „The Handmaid's Tale“, die in eine fünfte Staffel geht.

    Disney kündigte auch neue Serien an, die in Deutschland exklusiv auf „Star“ laufen sollen: die Krimi-Comedyserie „Only Murders in the Building“ mit Steve Martin und Selena Gomez, eine Drama-Serie um die Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes mit Kate McKinnon oder eine „Rolling Stones"-Dokumentation mit dem britischen Bestseller-Autor Nick Hornby.

    Den Start von „Star“ nutzt Disney, um ab März erstmals den Preis von Disney+ anzuheben: in Europa von sieben auf neun Euro im Monat, in den USA von sieben auf acht Dollar. Damit liegt Disney+ immer noch weit unter dem Abopreis für Netflix (14 Dollar) und HBO Max (15 Dollar).

    Größer als Netflix 

    Die Preiserhöhung ist aber auch ein schleichendes Eingeständnis, dass die ursprüngliche Strategie für Disney+ in der Pandemie nicht mehr funktioniert. Eigentlich sollte der günstige Dienst Fans an Disneys Universen binden. Den großen Umsatz sollten dann Fanartikel, Kino- und Freizeitpark-Besuche nach Burbank bringen.

    Weil die anderen Teile dieses sprichwörtlichen Disney-Schwungrades in der Pandemie aber klemmen, muss sich Disney+ schneller selbst tragen. Als neues weltweites Abonnentenziel gab Finanzchefin Christine McCarthy 230 bis 260 Millionen bis 2024 an – rund dreimal so viel wie ursprünglich gedacht und mehr als die 195 Millionen, die Netflix heute hat.

    Statt zwei Milliarden Dollar jährliches Inhaltebudget will Disney+ dann acht bis neun Milliarden pro Jahr investieren. Weil 30 bis 40 Prozent der Abonnenten aber in Indien sind und wenig Umsatz bringen, wird der Verlust des Streaminggeschäfts im kommenden Jahr erst noch steigen. Ab 2023 soll Disney+ dann profitabel sein.

    Mit seiner neuen Streaming-Strategie erklärt Disney dem Marktführer Netflix den „Star-War“. Nicht nur von der Zahl der Abonnenten will der Traditionskonzern an den Herausforderer aus dem Silicon Valley heranrücken. Mit „Star“ weitet Disney sein Angebot auf Erwachsene aus, die eher bei Netflix landen, weil Micky Maus oder Star Wars sie nicht verzaubern.

    Und Disney geht die Wette ein, dass die Fans der Geschichten aus ihren geliebten Fantasiewelten nicht überdrüssig werden, wenn sie pro Jahr gleich mehrere Serien und Filme daraus sehen. „Der Fokus wird immer auf Qualität, nicht auf Quantität liegen“, sagte Iger. „Der einzige Unterschied zu unseren Filmen wird die Länge sein.“

    Mehr: Netflix-Chef Reed Hastings im Interview: „Wir bewundern Disney, wir haben Respekt vor Disney, wir wollen besser werden als Disney.“

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