Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Streamingdienst gegen Spotify und Apple Aldi wird zum Musik-Discounter

Nicht zum ersten Mal mischt Aldi eine Branche mit Kampfpreisen auf. Nun ist das rasant wachsende Musik-Streaming an der Reihe. Mit „Aldi Life“ unterbietet der Discounter etablierte Konkurrenten wie Spotify oder Apple.
23.09.2015 Update: 23.09.2015 - 17:43 Uhr Kommentieren

So will Aldi den Musikmarkt aufmischen

Düsseldorf Aldi ist dafür berüchtigt, die Konkurrenz mit Kampfpreisen unter Druck zu setzen. Wenn der Discounter bei Milch, Eiern oder Kaffee den Rotstift ansetzt, tun es ihm viele andere Handelsketten nach. Nun wollen die beiden Unternehmensgruppen Aldi Nord und Aldi Süd das Billigprinzip auf Musik übertragen: Ab Donnerstag bieten sie den Streaming-Dienst „Aldi Life“ an – für rund acht Euro im Monat an und damit zwei Euro günstiger als Konkurrenten wie Spotify und Deezer. Die beiden Ketten wollen sich damit in einem stark wachsenden Markt etablieren. Die Musikbranche hofft auf einen Schub für den stark wachsenden Markt.

Der Discounter entwickelt sein Musikangebot nicht selbst: Er nutzt die Technik des Streamingdienstes Napster – in der App ist der Schriftzug klein zu sehen. So verwundert es nicht, dass „Aldi Life“ in vielerlei Hinsicht Konkurrenzprodukten wie Spotify, Deezer oder Apple Music ähnelt: Abonnenten können rund 34 Millionen Songs und mehr als 10 000 Hörbücher direkt aus dem Netz abspielen, redaktionell zusammengestellte Kompilationen abspielen und selbst Playlisten anlegen. Auch 4000 Radiosender lassen sich darüber abrufen. Die App für Smartphones und Tablets ermöglicht außerdem die Erkennung von Liedern, etwa aus dem Radio.

Der große Unterschied liegt im Preis. Die meisten Dienste verlangen zehn Euro im Monat, auch Napster selbst. Diesen Standard unterbietet Aldi nun und verlangt acht Euro, genauso übrigens wie Web.de und Deezer. „Das ist ein ähnliches Modell wie bei Aldi Talk“, sagt Sandro Fabris, Manager beim Elektronikhersteller Medion, der den Dienst für den Discounter entwickelt hat. Auch die Mobilfunktarife sind vergleichsweise günstig – über den massenhaften Verkauf lohnen sie sich trotzdem.

Es ist eine Ironie der Geschichte: Der Name Napster stand um die Jahrtausendwende für eine beliebte illegale Tauschbörse und wurde so zum Synonym für die Krise der Musikindustrie. Seit 2011 gehört die Marke jedoch dem amerikanischen Streamingdienst Rhapsody, der darunter sein Geschäft außerhalb Amerikas betreibt. Nun könnte das legale Angebot helfen, die Einnahmen mit digitaler Musik in Deutschland nachhaltig zu steigern.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das Streaminggeschäft gewinnt derzeit enorm an Bedeutung. In Deutschland werden die Umsätze nach einer Prognose von Pricewaterhouse Coopers (PwC) deutlich steigen: Für 2019 prognostizieren die Experten 426 Millionen Euro Umsatz. Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) sieht eine „enorme Dynamik“, die den Rückgang im Geschäft mit physischen Datenträgern ausgleiche. Auch wenn aus dem klassischen Verkauf von CDs und Schallplatten immer noch rund 75 Prozent der Erlöse stammen, drängt Aldi in einen Markt mit großem Potenzial.

    Man wolle die „insbesondere die jüngere Zielgruppe erreichen, bei der Musikstreaming bereits sehr beliebt ist“, erklärte Aldi Nord auf Anfrage des Handelsblatts. Neben Geräten wie Tablets oder Smartphones könne das Unternehmen nun auch „die passende Software anbieten“.

    Mit dem bekannten Namen und den mehr als 4 200 Filialen in ganz Deutschland könnten die Discounterketten die Musikdienste massentauglich machen, gerade bei älteren Verbrauchern, die bislang selten Digitalabos abschließen. „Der Markteintritt von Aldi verschafft dem Streaming an den Stellen im Markt größere Präsenz, wo viele Kunden das Thema noch nicht für sich entdeckt haben“, sagte BVMI-Geschäftsführer Florian Drücke dem Handelsblatt. Dass es keine kostenlose werbefinanzierte Variante gebe, zeige zudem die „Wertigkeit von Musik“ – Gratisangebote sind in der Branche umstritten.

    Von dem Deal soll nicht nur Aldi profitieren. Der Napster-Mutterkonzern Rhapsody könnte damit seine Reichweite steigern. Die Größe spielt im Streaminggeschäft eine wichtige Rolle: Weitere Nutzer kosten kaum Geld, helfen aber, die Kosten für die Infrastruktur einzuspielen. Bislang hat das US-Unternehmen drei Millionen Abonnenten. Schließlich ist da noch Medion: Der Elektronikhersteller beliefert Einzelhandelsketten mit seinen Produkten, Aldi ist ein wichtiger Partner. „Im digitalen Geschäft sind wir das Bindeglied zwischen den Plattformanbietern und den Einzelhändlern“, erklärt Medion-Manager Fabris. Das Unternehmen bietet auch Fotobücher und Mobilfunktarife an.

    Update: Auch Web.de vermarktet Deezer zu Preisen ab acht Euro – das haben wir ergänzt.

    Startseite
    Mehr zu: Streamingdienst gegen Spotify und Apple - Aldi wird zum Musik-Discounter
    0 Kommentare zu "Streamingdienst gegen Spotify und Apple: Aldi wird zum Musik-Discounter"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%