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Streamingdienst Netflix-Zahlen erschüttern die Technologiemärkte

Mit einem überraschenden Ergebnis hat der Streamingdienst die Quartalssaison der Technologiewerte in den USA eröffnet. Die Aktie brach nachbörslich ein.
Update: 18.07.2019 - 03:16 Uhr Kommentieren
Netflix: Zahlen erschüttern die Technologiemärkte Quelle: AFP
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Der Streamingdienst hat die Erwartungen der Anleger enttäuscht.

(Foto: AFP)

San Francisco Mit einigem hatten die Investoren gerechnet, aber nicht damit: Der Streaming-Pionier Netflix musste am Mittwoch zum ersten Mal seit 2011 sinkende Abonnentenzahlen für den Heimatmarkt USA verkünden. Genau genommen gingen 130.000 Kunden im Vergleich zum Vorjahr verloren.

Das bedeutet zwar noch nicht den Niedergang für Netflix, aber die sinkende Abonnentenzahl ist durchaus als Signal zu verstehen. Denn auch in anderen Ländern lief es für das US-Unternehmen nicht wie erwartet. Statt der selbst prognostizierten globalen fünf Millionen Neukunden verzeichnete Netflix nur 2,7 Millionen neue Abonnenten.

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An den Märkten kamen die Zahlen schlecht an: Im nachbörslichen Handel brach die Aktie des Streamingdienstes am Mittwochabend zeitweise um 14 Prozent ein, sodass ein Großteil der Gewinne aus 2019 verloren gingen. Und auch die Papiere der Wettbewerber fielen. So notierte die Aktie von Roku nach Handelsschluss gut vier Prozent im Minus.

Netflix hat mit der Vorlage der Ergebnisse die Bilanzsaison der sogenannten „FAANG“-Aktien eröffnet. Die Abkürzung steht für Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Alphabet (zuvor Google). Schwanken die Kurse ihrer Aktien stark, kann das bereits signifikante Auswirkungen auf die Indizes Nasdaq und S&P 500 haben. Diese Unternehmen und weitere werden in den kommenden zehn Tagen ihre Zahlen veröffentlichen. Netflix kann also im übertragenen Sinn als Seismograph gesehen werden, der große Ausschläge voraussagt.

Vor Netflix hatte am Mittwoch bereits ein anderer US-Tech-Konzern die Anleger mit seinen Zahlen enttäuscht: IBM vermeldete einen Umsatzrückgang, die Aktie fiel nachbörslich um 1,3 Prozent. An diesem Donnerstag wird Microsoft Zahlen vorlegen – ein weiterer Belastungstest für die Tech-Aktien, zumal der Konzern an der Börse mit mehr als einer Billion Dollar bewertet wird.

Preiserhöhungen belasten Netflix

Zwar lag der Gewinn pro Netflix-Aktie mit 60 Cent leicht über den von Analysten geschätzten 59 Cent. Und auch mit einem Umsatz von 4,92 Milliarden Dollar – der sogar 26 Prozent höher als im Vorjahr war – erfüllte der Streaming-Pionier die Erwartungen.

Doch die Zahl der Neukunden dürfte den Anlegern nicht stark genug gewachsen sein. Ein möglicher Grund für die ausbleibenden neuen Abonnenten: Jüngst erhöhte Netflix die Preise.

Netflix investiert hohe Summen in teure Eigenproduktionen wie Shows und Serien, wodurch der Konzern nicht nur bestehende Kunden halten, sondern auch neue dazugewinnen will. Das Ergebnis ist ein negativer Cashflow zu Beginn einer Periode, der erst in den nächsten Jahren durch konstante Erträge und steigende Kundenzahlen ausgeglichen werden kann. Netflix hat am Anleihenmarkt bereits an Achtung verloren und muss für neue Kredite hohe Zinsen zahlen.

Allerdings sind Investition in eigene Produktionen notwendig. Top-Inhalte wie die Serie „Stranger Things“ rechtfertigen den Wert eines Abos in den Augen der Kunden. Alte Filme aus dem Archiv gelten eher als Beiprodukt.

Doch auch die Konkurrenz nimmt zu: „Im Laufe der kommenden zwölf Monate“, so der Investorenbrief zum zweiten Quartal von Netflix, „werden Disney, Apple, Warner Media, NBCU und andere die Gruppe um Hulu, Amazon, BBC, Hotstar, Youtube, Netflix bereichern, um Streaming-Unterhaltung anzubieten.“

So werden künftig in den USA extrem beliebte Serien wie „Friends“ und „The Office“ von Netflix verschwinden und bei Warner Media und NBC-Universal auftauchen. Disney und Apple starten noch 2019 ihre Angebote. Netflix-CEO Reed Hastings beteuert zwar, dass es keine „bedeutenden Konzentrationen“ von Nutzern bei diesen Shows gebe. Trotzdem müssen sie, zum Teil durch Eigenproduktionen, ersetzt werden.

Für das dritte Quartal verspricht Hastings den Investoren eine Rückkehr zu alter Stärke. Sieben Millionen zahlenden Neukunden global, davon 800.000 in den USA, sollen die Schlappe des zweiten Quartals wieder vergessen machen. Das Ziel einer Steigerung der operativen Marge auf 13 Prozent für das Gesamtjahr wird ausdrücklich bekräftigt. Doch im Moment ist die Börse skeptisch, zu groß war der Fehlschuss bei den Aussichten fürs zweite Quartal.

Die Prognosen für den wichtigen Free Cashflow, mit dem das ehrgeizige Produktionsprogramm finanziert werden soll, heben die Stimmung ebenfalls kaum. Der Free Cashflow im Quartal lag bei Minus 592 Millionen Dollar, nach 559 im Jahr davor, für das gesamte Jahr soll er sich auf Minus 3,5 Milliarden Dollar summieren.

Langfristig soll sich die Situation entspannen. Bis dahin werde man die Strategie beibehalten, mit „Hochzinsanleihen“ die Produktionen zu finanzieren. Im April kamen Netflix-Anleihen mit einer Verzinsung von 3,875 Prozent und 5,375 Prozent auf den Markt. Am Ende des Quartals beliefen sich die Verbindlichkeiten für Inhalte (Lizenzen und Produktionen) auf 18,5 Milliarden Dollar.

Eine deutliche Absage erteilt Hastings den Spekulationen um einen werbefinanzierten Netflix-Kanal. „So wie HBO sind wir werbefrei. Und das ist tief in unserer Marke verwurzelt.“ Es sei in jedem Fall besser, sich um die Kundenzufriedenheit zu kümmern, als um Werbedollar zu buhlen. Das wird treue und werbepausen-geschädigte Netflix-Kunden zumindest beruhigen.

Mehr: Auf dem Streaming-Markt tobt ein Kampf nach dem Vorbild von „Game of Thrones“

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