Streik scheint unabwendbar Telekom-Chef warnt vor Zerschlagung

Ein Streik bei der Deutschen Telekom scheint unvermeidbar. Arbeitgeber und Arbeitnehmer stehen sich im Streit um die Auslagerung zehntausender Beschäftigter unversöhnlich gegenüber. Und dann gießt auch noch Telekom-Chef Obermann Öl ins Feuer.
Telekom-Chef Obermann fürchtet, dass der Arbeitskampf auf den Aktienkurs drückt und der Konzern dann übernommen werden könnte. Foto: dpa Quelle: dpa

Telekom-Chef Obermann fürchtet, dass der Arbeitskampf auf den Aktienkurs drückt und der Konzern dann übernommen werden könnte. Foto: dpa

(Foto: dpa)

FRANKFURT. „Wir steuern auf eine Arbeitsneiderlegung zu“, sagte Lothar Schröder, Verdi-Verhandlungsführer und Telekom-Aufsichtsrat, dem Handelsblatt am Sonntag. „Einen Streik können wir sehr zügig machen.“ Bereits am nächsten Freitag trifft sich die Tarifkommission der Dienstleistungsgewerkschaft, um über eine Urabstimmung zu entscheiden. „Obermann kann keine beliebige Opferbereitschaft der Beschäftigten erwarten“, sagte Schröder an die Adresse des Telekom-Chefs. Bereits in rund eineinhalb Wochen könnte der Ausstand beginnen.

An der Streikbereitschaft der Beschäftigten gibt es Verdi zufolge keine Zweifel. „Da ist eine große Wut“, sagte am Sonntag Verdi-Tarifexperte Michael Halberstadt. „Die große Mehrzahl wird bei einer Urabstimmung für Streik stimmen.“

Der Verhandlungsfaden zwischen Telekom und Arbeitsnehmervertretern ist mittlerweile abgerissen. Die Gewerkschaft will die vom Telekom-Vorstand gesetzte Frist bis zum 2. Mai verstreichen lassen. „Das Ultimatum spielt für uns keine Rolle“, sagte ein Verdi-Sprecher. Ein Telekom-Sprecher verteidigte die Frist als ein „völlig normales Vorgehen“.

Am vergangenen Donnerstag hatte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick ein verbessertes Angebot für die Ausgliederung von 50 000 Beschäftigten in den Bereichen Kundendienst, Netztechnik und Callcenter vorgelegt. Es sieht die Schaffung von 3 000 neuen Arbeitsplätzen im Servicebereich vor, eine von zwölf auf neun Prozent reduzierte Lohnabsenkung sowie eine Verlängerung der Beschäftigungsgarantie bis 2011. Die Beschäftigten sollen künftig 38 statt bisher 34 Stunden arbeiten. „Unser Angebot ist doch keine Kriegserklärung“, verteidigte am Sonntag eine Telekom-Sprecherin den Kompromissvorschlag. Doch die Offerte reicht Verdi nicht aus.

Ein flächendeckender Streik träfe die Telekom zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn derzeit laufen dem Bonner Konzern die Festnetz-Kunden in Scharen davon.

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