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Stripe Die jüngsten Selfmade-Milliardäre in Silicon Valley sind zwei irische Brüder

Die Technologieplattform Stripe von Patrick und John Collison hat den Sprung zu einem der wertvollsten Start-ups im Silicon Valley geschafft.
Update: 27.09.2018 - 17:49 Uhr Kommentieren
Silicon Valley: Stripe wird zum wertvollsten Start-up Quelle: Bloomberg
John Collison, Mitgründer des Bezahldienstes Stripe

Ein Leben wie aus einem übertriebenen Drehbuch.

(Foto: Bloomberg)

San Francisco, New YorkDie Geschichte des milliardenschweren Start-ups Stripe und seiner Gründer Patrick und John Collison liest sich wie ein schlechtes Drehbuch aus Hollywood: Zwei Brüder wandern nach dem Abitur aus der irischen Provinz bei Limerick ins Silicon Valley aus. Und innerhalb kürzester Zeit steigen sie zu den jüngsten Selfmade-Milliardären der Welt auf.

„Ja, das ist vielleicht nicht ganz normal“, sagte John Collison vor Kurzem im Handelsblatt-Interview. „Als wir damals losgezogen sind, haben wir das auch nicht vorausgesehen.“ Inzwischen ist die Technologieplattform Stripe eine feste Größe im Valley. Entwickler nutzen sie beim Aufbau von Firmen für Finanztransaktionen und Analysen.

Nun hat Stripe 245 Millionen Dollar eingesammelt. Damit hat die private Firma ihren Marktwert offenbar mehr als verdoppelt und wichtige neue Kunden dazugewonnen – den Suchmaschinenkonzern Google und den Mitfahrdienst Uber.

Nach der letzten Finanzierungsrunde im November 2016 kam Stripe noch auf eine Unternehmensbewertung von 9,2 Milliarden Dollar. Nun steigt dieser Wert laut Stripe auf 20 Milliarden Dollar. Damit rangiert Stripe auf einer Stufe mit einigen der wertvollsten Technologiefirmen des Silicon Valley: der Datenfirma Palantir, dem Bürovermittler WeWork oder Elon Musks Raumfahrtfirma Space X.

An Stripes neuer Finanzierungsrunde beteiligten sich der private Hedgefonds Tiger Global Management sowie DST Global, eine Risikokapitalfirma des russischen Internetmilliardärs Juri Milner, und Sequoia Capital, ein etablierter Valley-Financier. Andere Investoren bereuen, dass sie nicht eingestiegen sind. „Ich habe nicht in Stripe investiert, das war offensichtlich ein Fehler“, räumt Reid Hoffman ein, der Mitgründer von LinkedIn, der sich heute als Risikokapitalgeber engagiert.

Dass die Finanzierungsrunde vergleichsweise klein ist, kommt bei den Geldgebern gut an. „Die Tatsache, dass sie nicht Kapital in Milliardenhöhe einsammeln mussten, spricht für die Qualität des Geschäfts“, sagte Lee Fixel, Partner bei Tiger Global, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Das 2010 gegründete Stripe vereinfacht im Hintergrund digitale Kaufprozesse, wickelt Zahlungen per Kreditkarte, Scheck oder Bankeinzug ab. Es bietet aber auch ein Ökosystem von Softwarewerkzeugen zur Unternehmensführung an. Inzwischen nutzen einschlägige Technologiekonzerne die Plattform, darunter Salesforce, Kickstarter, Lyft oder Twitter. Im vergangenen Jahr startete Stripe auch in Deutschland und zählt dort mittlerweile Volkswagen und MAN genauso zu seinen Kunden wie die Putzhilfenvermittler Book a Tiger und den Marktforscher Statista.

Anders als die meisten hochbewerteten Start-ups in der digitalen Welt hat Stripe von Anfang an Geld verdient. Die Margen sind geringer als zum Beispiel im Cloud- oder Werbegeschäft. Stripe berechnet eine Gebühr von 2,9 Prozent pro Transaktion. „Es kommt für uns also auf das Transaktionsvolumen an“, sagt Collison. Genaue Zahlen veröffentlicht das private Unternehmen jedoch nicht, aber der Ehrgeiz reicht weiter. Stripe baut ein Ökosystem von Softwarewerkzeugen auf, bietet neben Transaktionen auch Tools zur Analyse von Zahlungsflüssen an – etwa um Betrug aufzudecken.

Patrick, 30, galt schon in der Schule als Überflieger. 2006 ging er ans renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT). Sein jüngerer Bruder John, heute 28, folgte ein paar Jahre später nach Harvard. Die Idee für ihr erstes Unternehmen, Auctomatic, hatten sie abends in einer Bar. Auctomatic lieferte eine Technologie für das Onlineauktionshaus Ebay. Sie vereinfachte den Verkauf von gebrauchten Gegenständen. Die Brüder schmissen schließlich ihr Studium an den Elite-Universitäten und zogen an die Westküste, um sich ganz auf ihr Start-up zu konzentrieren. 2008 verkauften sie Auctomatic an das kanadische Medienunternehmen Communicate. Der Kaufpreis soll bei fünf Millionen Dollar gelegen haben.

„Gute Ideen und eiserner Wille“

An die Uni kehrten Patrick und John nicht mehr zurück. Lieber tüftelten sie „am interessantesten Aspekt, über den wir bei Auctomatic gestolpert sind“, erinnert sich John in einem Interview mit dem Radiosender NPR: Wie setzt man Zahlungssysteme im Internet auf? Die Idee zu Stripe war geboren. Heute leitet Patrick das Programmiererteam, John treibt die Geschäftsentwicklung voran. Stripe will auch für mehr Vielfalt im Internet sorgen. „Die Digitalwirtschaft ist heute von wenigen dominanten Konzernen geprägt“, kritisiert John mit Blick auf die Tech-Riesen Google, Facebook oder Amazon. „Das ist ungesund.“

Mit ihrem Bezahlnetzwerk avancierten die Brüder 2016 zu den jüngsten Selfmade-Milliardären der Welt. Auf ihrem Weg hätten sie neben guten Ideen und eisernem Willen vor allem Glück gehabt, meint John Collison. „Es gibt viele Leute, die so viel schlauer sind als wir und noch härter arbeiten und trotzdem nicht so ein gutes Schicksal hatten“, gibt er zu bedenken.

Gut 1000 Mitarbeiter zählt ihr Unternehmen heute, vor drei Jahren waren es gerade einmal 80. Um alle unterzubringen, zog Stripe nun in die alten Büros des Filesharing-Anbieters Dropbox in San Franciscos angesagtem Start-up-Viertel South of Market. Längst ist klar: An Stripe kommt niemand mehr vorbei. Die Plattform konkurriert heute schon mit vielen anderen Tech-Unternehmen, die deutlich mehr Mitarbeiter haben. Zu Stripes Konkurrenten zählen unter anderem die mobile Bezahlplattform Braintree, die zu Paypal gehört, und das niederländische Start-up Adyen, das Facebook als Investor gewann.

Derweil spekuliert die Branche auf einen baldigen Börsengang von Stripe – auch wenn die Collison-Brüder solche Pläne in der Vergangenheit immer wieder von der Hand gewiesen haben. Doch die Anzeichen verdichten sich. Erst recht, seit Stripes Investoren die Brüder durch Aktienrochaden zum Debüt an der Wall Street zu motivieren schienen. Ende Mai wurde bekannt, dass die Collisons durch Papiere mit besonders hohen Stimmrechten auch nach dem möglichen Börsengang die volle Kontrolle über Stripe behielten, wie es viele Gründer im Valley gern sehen.

Ihre eigene europäische Herkunft sehen die beiden Iren übrigens als Vorteil. „Silicon-Valley-Firmen fehlt oft das globale Denken“, kritisierte John Collison im Handelsblatt-Interview. Viele seien sehr auf die USA fokussiert. „Es ist sehr viel einfacher, sich wie ein großer Fisch zu fühlen, wenn man in einem kleinen Teich sitzt und nur einen winzigen Ausschnitt der Welt sieht.“

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