Studie der Medienanstalten Misstrauen gegenüber Facebook & Co. wächst

Soziale Medien werden für die Meinungsbildung immer wichtiger – das zeigt eine Studie. Bei jungen Leuten haben sie dem Fernsehen den Rang als wichtigste Informationsquelle abgelaufen. Gleichzeitig ist das Misstrauen groß.
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Facebook, Twitter und Co. sind für die Mehrheit der 14-bis-29-Jährigen die wichtigste Nachrichtenquelle. Quelle: dpa
Soziale Netzwerke

Facebook, Twitter und Co. sind für die Mehrheit der 14-bis-29-Jährigen die wichtigste Nachrichtenquelle.

(Foto: dpa)

WienWenn es um die Meinungsbildung geht, gewinnt das Internet immer mehr an Bedeutung. Dabei sind die soziale Medien sind die Agendasetter für junge Leute. Facebook, Twitter, Linkedin, Xing und andere spielen in Deutschland eine zunehmend wichtige Rolle bei der Verbreitung von Nachrichten. Laut Studie der Landesmedienanstalten, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, informieren sich 20 Prozent der Befragten jeden Tag über die sozialen Medien.

Im Auftrag der Medienanstalten hat das Medienforschungsinstitut Kantar TNS mit 1400 Interviews mit Nutzern ab 14 Jahren durchgeführt. Hochgerechnet auf die Deutsche Bevölkerung nutzen damit täglich rund 15 Millionen Menschen Facebook, Twitter und Co. als Nachrichtenquelle.

Doch das Misstrauen ist groß. Nur knapp drei Millionen Menschen vertrauen den Informationen bei Facebook & Co. mehr als Zeitung, Radio oder Fernsehen. 94 Prozent der Nutzer von sozialen Medien achten darauf, wer der Absender der Nachricht ist. „Es ist erfreulich, dass den Nachrichten in klassischen Medien mehr Glauben geschenkt wird als in sozialen Medien“, sagt Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für und Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Medienanstalten (DLM) dem Handelsblatt.

Ein weiteres überraschendes Ergebnis der Untersuchung ist die Skepsis, mit der die Nutzer den Nachrichtenquellen begegnen. Nur 19 Prozent der Nutzer vertrauen den Informationen in sozialen Medien grundsätzlich mehr als in Zeitungen, Radio und Fernsehen.

Die sozialen Medien werden der Studie zufolge vor allem als Möglichkeit der freien Meinungsäußerung wahrgenommen. 89 Prozent der Nutzer sind dieser Ansicht. Doch nur jeder Dritte glaubt, bei Facebook und Co. tatsächlich einen guten Überblick über verschiedene Meinungen und Positionen zu erhalten.

Fast drei Viertel der Nutzer erwarten, dass die vielen Kommentare leicht einen falschen Eindruck des tatsächlich vorherrschenden Meinungsbildes vermitteln können. „Es freut mich, dass so viele Nutzer wissen, dass sie in den sozialen Medien nicht alles für Bares nehmen können“, sagte DLM-Chef Schneider.

Die Medienwächter in Deutschland, die bislang vor allem das Privatfernsehen kontrollieren, fordern angesichts des schnellen Medienwandels mehr Kompetenzen für das Netz. „Wenn rechtspopulistische Internetportale wie Breitbart falsche Nachrichten verbreiten, ist niemand zuständig. Im Rundfunkstaatsvertrag muss daher eine bestehende Regelungslücke geschlossen werden“, so Schneider.

„Denn die Einhaltung der journalistischen Grundsätze bei journalistisch-redaktionellen Online-Angeboten wird derzeit nicht überwacht.“ Nur für den Bereich der elektronischen Online-Angebote von Presseunternehmen übernimmt der Deutsche Presserat diese Aufgabe. „Ich kann trotz der guten Zahlen keine Entwarnung geben. Wir müssen wachsam bleiben“, sagt Schneider.

Der Medienkontrolleur lobt ausdrücklich, dass Facebook mit Hilfe der Bertelsmann-Tochter Arvato das eigene Angebot nach Propaganda und strafrechtlich relevanten Inhalten überprüft. „Ich bin froh, dass Facebook das Problem von Falschmeldungen erkannt hat und darauf zunehmend auch reagiert“, sagt Schneider. Allerdings ist die Kehrtwende erst auf massiven Druck in Berlin geschehen.

„Immer mehr Menschen nutzen zu ihrer Information das Internet und vor allem auch soziale Medien. Das führt zum Rückgang bei der Nutzung von Fernsehen und Zeitungen“, bilanziert Medienwächter Schneider die aktuelle Medienentwicklung. Laut der Studie der Landesmedienanstalten hat das Internet bei den Jüngeren das Fernsehen als wichtigstes Medium bereits klar abgelöst. „Bei den 14- bis 29-Jährigen hat das Internet bereits dem Fernsehen den Rang abgelaufen.“ Diese Altersgruppe nutzt zu 51,9 Prozent das Internet, um sich eine politische Meinung zu bilden. Nur 19,2 Prozent bevorzugen das Fernsehen.

Diese Zahlen nimmt der Vorsitzende der deutschen Medienwächter zum Anlass, an RTL und Pro Sieben Sat 1 zu appellieren, ihr Informationsangebot zu erhalten und auszubauen. „Wenn junge Menschen klassisches TV einschalten, dann vor allem bei den Privaten. Deshalb haben die Privaten quasi eine Bringschuld, um die Grundversorgung für junge Leute mit Information zu gewährleisten“, sagt Schneider.

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