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Suchmaschinenkonzern Google-Chef Pichai plant Bildungsoffensive in Deutschland

Der US-Konzern eröffnet in der Hauptstadt ein neues Büro. Der Firmenchef kündigt auch eine digitale Bildungsoffensive für Unternehmen und ihre Mitarbeiter an.
Update: 22.01.2019 - 17:45 Uhr Kommentieren
Warum Google einen Pakt mit Verdi schließt Quelle: AP
Sundar Pichai in Berlin

„In Europa haben wir seit 2007 mehr als 4,3 Milliarden Euro investiert.“

(Foto: AP)

Berlin Der Auftritt von Sundar Pichai vor den vielen wartenden Journalisten dauert keine drei Minuten. Er freue sich, in Berlin zu sein, sagt der Google-Chef und schenkt dem Raum noch schnell ein höfliches Lächeln, es sei toll hier.

Dann ist er auch fast schon wieder weg. Am Dienstagabend wird er noch mal wieder kommen, wenn sein Konzern mit 250 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Eröffnung des neuen Google-Büros in Berlin feiert. Im Eingang des historischen Gebäudes hängen bunte Luftballons. Die Wände sind von einem Kreuzberger Künstlerkollektiv grafisch gestaltet worden.

Der Konzern befindet sich auf Kuschelkurs. Und damit ist er nicht allein. Die großen Tech-Plattformen haben erkannt, dass der limitierende Faktor für weiteres Wachstum das Vertrauen der Konsumenten und das Wohlwollen ihrer Regierungen ist.

Ohne Daten sind ihre Algorithmen nichts wert, sie können nicht riskieren, den Zugang zu verlieren - durch schärfere Datenschutzgesetze oder durch den Boykott ihrer Nutzer. Auch Facebook-Managerin Sheryl Sandberg ist gerade auf Werbetour für ihr Unternehmen.

„Viele der wichtigsten Produkte von Google, darunter auch einige unserer globalen Tools zum Schutz der Privatsphäre, wurden von unseren deutschen Ingenieuren entwickelt“, betont Pichai. Mit dem neuen Gebäude könne man die Anzahl der Mitarbeiter in Berlin verdoppeln.

Mit dem neuen Gebäude will der Konzern die Zahl der Mitarbeiter in Berlin verdoppeln. Quelle: Reuters
Neues Google-Büro in Berlin

Mit dem neuen Gebäude will der Konzern die Zahl der Mitarbeiter in Berlin verdoppeln.

(Foto: Reuters)

Bislang beschäftigt Google 150 Leute in Berlin. In Hamburg sind es 500, in München 700. „In Europa haben wir seit 2007 mehr als 4,3 Milliarden Euro investiert“, sagt der Google-Chef. Und dass die „Partner“ von Google, Verlage, App-Entwickler und andere Content-Produzenten in der Region zwischen 2014 und 2017 mehr als 22 Milliarden US-Dollar mit den Plattformen von Google verdient hätten.

Was Google selbst in Europa verdient, sagt Pichai nicht. Er sagt auch nichts zu der Millionenstrafe, die die französische Datenschutzbehörde gerade gegen seinen Konzern verhängt hat.

Um derlei Unstimmigkeiten soll es heute nicht gehen. Lieber spricht er noch über die Bildungsoffensive, die Google in Deutschland plant – in einer auf den ersten Blick recht ungewöhnlichen Allianz. Neben Pichai auf dem Podium sitzt auch Verdi-Vorstand Lothar Schröder, außerdem Armin Barbalata von der Industrie- und Handelskammer in München und Gerhard Eschenbaum, sein Kollege aus Düsseldorf.

Den Gewerkschaftler und die Wirtschaftsvertreter eint die Sorge, dass die deutschen Unternehmen den Anschluss an die Digitalisierung verpassen könnten – weil sie es nicht schaffen, ihre Mitarbeiter fit zu machen.

„Die Menschen haben Angst, dass sie mit der Geschwindigkeit der Veränderung nicht mehr Stand halten können“, sagt Schröder. „Erst knapp ein Viertel unserer Mitglieder sieht sich digital gut aufgestellt“, sagt IHK-Mann Barbalata. „Grundlage für die erfolgreiche Transformation ist der Ausbau digitaler Kompetenzen auf allen Ebenen.“

Der Google-Chef kennt die Bedeutung von Bildung

Für Google öffnen sich hier gleich zwei Chancen. Zum Einen kann sich der Konzern als Akteur mit sozialer Verantwortung profilieren. „Wir wollen Teil der Lösung sein“, sagt Europa-Chef Philipp Justus. In sogenannten Zukunftswerkstätten, die es in Hamburg und München schon gibt und von denen jetzt eine in Berlin neu eröffnet werden soll, bietet der Konzern schon jetzt kostenlose Seminare an.

In denen sollen Schüler, Angestellte und Unternehmer, aber auch Privatleute digitale Kompetenzen erwerben. Behandelt werden ganz verschiedene Themen – von der Einführung in das neuronale Lernen über die Datenanalyse bis zu einem Workshop, der sich vor allem an Frauen wendet: Unter dem Motto „I am Remarkable“ sollen die überwiegend weiblichen Teilnehmer lernen, selbstbewusster über ihre eigenen Erfolge zu sprechen.

Bis 2020 wolle Google zwei Millionen Deutsche erreichen, sagt Europa-Chef Justus. Gemeinsam mit Forschern vom Fraunhofer-Institut werde man bis zum kommenden März mit Hilfe einer Meta-Studie analysieren, wie sich die Arbeitsanforderungen und Jobprofile mit der Digitalisierung ändern werden.

In Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft und mit den Kammern wolle man dann herausfinden, welche Qualifikationen in den Unternehmen künftig besonders dringend benötigt würden - und darauf aufbauend konkrete Schulungen entwickeln. Außerdem soll es die Möglichkeit geben, Zertifikate zu erwerben. Starten wollen die Partner erstmal mit vier Branchen, in denen sie besonders dringenden Handlungsbedarf sehen: Handel und Logistik, Krankenkassen und Versicherungen.

Darüber hinaus soll branchenunabhängig eine Art Basistraining entwickelt werden, in dem Grundkompetenzen wie Kommunikation, Kollaboration, technische Grundlagen, aber auch Informationen zu Themen wie Sicherheit und Recht vermittelt werden. Die Trainings sollen auf einer Online-Plattform zur Verfügung gestellt werden - und kostenlos sein.

Schon eine halbe Million Menschen habe man in Deutschland trainiert, betont Google-Chef Pichai. 10.000 davon hätten anschließend einen neuen Job gefunden oder ein Unternehmen gegründet.

Pichai weiß, wovon er spricht, wenn er von Bildung redet. Er selbst stammt aus dem südindischen Staat Tamil Nadu. Bis er zwölf war, soll die Familie nicht mal ein Telefon gehabt haben. In die USA kam er 1993 mit einem Stipendium für die kalifornische Elite-Uni Stanford, um Halbleiter-Physik zu studieren. Seine Eltern mussten aus ihren Ersparnissen umgerechnet 1000 Dollar für das Flugticket zusammenkratzen.

Heute gehört der Google-Chef zu den wohlhabendsten Menschen im Silicon Valley. Damit sein Unternehmen weiter wachsen kann, braucht es Kunden, die seine Produkte verstehen – Mitarbeiter, die wissen, wie man bei Google richtig Werbung schaltet oder den neuen Cloud-Dienst nutzt. Das ist die zweite Chance, die sich hier für Google auftut: Den Kunden von morgen ausbilden.

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