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Mit der Übernahme von Unitymedia will Vodafone sein Breitbandnetz deutschlandweit ausbreiten und der Telekom Konkurrenz machen.

(Foto: Bloomberg)

S&P-Global-Analyst im Interview So könnte die Fusion von Vodafone und Unitymedia den deutschen Markt verändern

Vodafone will mit Unitymedia deutschlandweit schnelles Internet per Kabel anbieten. Doch der Deal ist umstritten. Analyst Lukas Paul erklärt Chancen und Risiken.
09.12.2018 - 16:21 Uhr Kommentieren

Die geplante Fusion von Unitymedia durch Vodafone würde einen Monopolisten auf den TV-Kabelmarkt schaffen. Die Konzerne bezeichnen den Zusammenschluss als Chance, der Telekom ebenbürtige Konkurrenz zu machen. Doch Immobilienwirtschaft und Stadtnetzbetreiber stellen sich entschieden dagegen. Am Dienstag will die EU-Kommission entscheiden, ob sie in dem Fall in eine intensive Prüfung geht.

Lukas Paul, Analyst, S&P Global Ratings, hat sich den Breitbandmarkt in Deutschland für eine Studie genauer angesehen. Im Interview beschreibt er, was bisher falsch gelaufen ist und wie die Fusion das Geschäft verändern könnte.

Herr Paul, warum hängt Deutschland bei Glasfaserausbau bis ans Gebäude so weit im europäischen Vergleich zurück?
Das liegt an zwei Gründen. Zum einen sind die Ausbaukosten in Deutschland sehr hoch. Zum anderen fällt es den Anbietern schwer, auch deutlich mehr Umsatz mit ihren schnelleren Anschlüssen zu generieren.

In Deutschland sind Kunden also nicht bereit, mehr Geld für schnelles Internet zu bezahlen?
Ja. Die Kabelnetzbetreiber vermarkten ihre schnellen Anschlüsse zu vergleichbaren oder sogar niedrigeren Tarifen als etwa herkömmliche DSL-Zugänge. Trotzdem wächst die Nachfrage nur langsam. Deutsche Nutzer entscheiden derzeit nicht allein nach Geschwindigkeit, sondern nach einem Mix an Kriterien wie Marke, Preis, Geschwindigkeit, Kundenservice und Transparenz.

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    Und was macht den Ausbau von schnellem Internet bis ans Haus so teuer?
    Das liegt an mehreren Gründen. Zum Beispiel dauert es sehr lange, die notwendigen Genehmigungen zu bekommen. Zudem gibt es strenge Bauschriften. Die verhindern etwa, dass in manchen Gebieten Glasfaser auch an der Häuserfassade entlang verlegt werden kann. In Spanien haben schon 70 Prozent der Haushalte einen Glasfaseranschluss bis ins Haus. Dort liegen die Kosten pro Erschließung eines Haushaltes bei weniger als der Hälfe von denen in Deutschland.

    Welche Auswirkungen auf dem deutschen Breitbandmarkt würde die Fusion von Vodafone und Unitymedia haben, falls sie genehmigt wird?
    Das hängt von den Bedingungen ab, unter denen die Fusion erlaubt würde. Wenn Vodafone gezwungen wird, sein Kabelnetz auch für andere Anbieter zu öffnen, dann würde das einen deutlich stärkeren Wettbewerb für die Telekom bedeuten. Das könnte die Telekom dazu bewegen, den Ausbau von Glasfaser bis ans Haus zu forcieren, um im Wettbewerb um hohe Geschwindigkeiten nicht abgehängt zu werden.

    Und wenn es solche Auflagen nicht gibt?
    Ohne eine Zugangsverpflichtung erwarten wir lediglich, dass Vodafone mehr Kunden gewinnen kann. Denn in dem vereinten Konzern könnte Vodafone seinen Mobilfunkkunden Angebote für schnelle Breitbandanschlüsse auch im Versorgungsgebiet von Unitymedia machen, in dem Vodafone bislang kein eigenes Kabelnetz hat.

    Aber würde dann nicht ein Oligopol im deutschen Breitbandmarkt aus Telekom und Vodafone entstehen?
    Das Risiko halten wir für gering. Die Netze von Unitymedia und Vodafone überlappen sich praktisch nicht. Also würde auch nach der Übernahme die Zahl der miteinander im Wettbewerb stehenden Breitbandnetze in jedem Versorgungsgebiet gleich bleiben. Zudem könnten 1&1 und Telefónica mit der Marke O2 wie bisher die bestehende Telekom-Infrastruktur, oder im Falle von Zugangsauflagen auch das Vodafone-Netz nutzen, um eigene Angebote zu machen.

    Bisher nutzen 1&1 sowie O2 das Netz der Deutschen Telekom, weil die Bundesnetzagentur den Ex-Monopolisten drängt, seine Leitungen zu vermieten. Sie gehen also davon aus, dass auch Vodafone nach der Übernahme gezwungen wird, das Kabelnetz für Anbieter wie 1&1 zu öffnen?
    Wir können selbstverständlich nicht die Entscheidung der Wettbewerbsbehörden vorhersagen. Wenn die Fusion genehmigt wird, halten wir einen Zugang zum Kabelnetz von Vodafone für wahrscheinlicher als keine Auflagen. Falls nicht, können Auflagen unter Umständen auch zu einem späteren Zeitpunkt von der Bundesnetzagentur auferlegt werden.

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