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Susanne Pfab ARD-Generalsekretärin wegen internen Papiers massiv in der Kritik

Ein Papier zeigt, wie die Öffentlich-Rechtlichen sich selbst durch sprachliche Tricks besser dastehen lassen – und Konkurrenten diffamieren.
8 Kommentare
„Framing Manual“: ARD-Generalsekretärin plötzlich im Rampenlicht Quelle: imago/Horst Galuschka
Susanne Pfab

Die ARD-Generalsekretärin verteidigt das Framing-Gutachten.

(Foto: imago/Horst Galuschka)

MünchenIn der Politik ist der Posten des Generalsekretärs karrierefördernd. Man kann über diese Station – Beispiel Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) – an die Spitze einer Partei gelangen. Bei der ARD aber, dem mit 6,5 Milliarden Euro Erlösen zweitgrößten Mediengebilde des Landes, ist das anders. Die meisten Deutschen dürften vom Tun einer ARD-Generalsekretärin in Berlin kaum jemals etwas gehört haben.

In diesen Tagen ändert sich das überraschend schnell. Auf einmal wird klar, dass Susanne Pfab, 54, eine promovierte Juristin, diesen Job ausübt. Grund für die plötzliche Prominenz ist ein durchgestochenes internes Papier („Framing Manual“), das auf 89 Seiten als brisante Gebrauchsanweisung zur besseren Darstellung des öffentlich-rechtlichen Senderverbunds daherkommt – und zur gebührenfinanzierten Diskreditierung der privaten Wettbewerber.

Weil in der Arbeit der im kalifornischen Berkeley forschenden deutschen Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling Kampfbegriffe für die Konkurrenz und Weißwäscherworte für die eigene Welt empfohlen werden, debattiert das Land heftig über die ARD und ihre verantwortliche Generalsekretärin. Die meldete sich am Sonntag mit einer „Klarstellung“ zu Wort, die allerdings vor allem neue Fragen aufwirft. „Framing Manual“ sei ein „missverständlicher Titel“, verkündete Pfab auf der ARD-Website.

Es handele sich lediglich um Vorschläge und eine „Diskussionsgrundlage“ für Teilnehmer an Workshops mit Framing-Expertin Wehling. Die Aufregung um das Papier entstehe nur, wenn man den Kontext ausspare – auch deswegen sei es „zur Weitergabe völlig ungeeignet“. Es gehe um einen „verantwortungsvollen Umgang mit Sprache“, so Pfab. Der solle in Workshops den eigenen Mitarbeitern vermittelt werden.

„Manual“ heißt auf Deutsch „Gebrauchsanweisung“, und diese Genrebezeichnung legt nahe, dass das Papier deutlich mehr sein will als eine bloße Diskussionsgrundlage. Interessant auch die Frage, warum ein harmloses Diskussionspapier laut Pfab auf keinen Fall öffentlich diskutiert werden sollte. Die 2017 verfasste Berkeley-Schrift kann als Sammlung von Tipps zur Manipulation öffentlicher Debatten gelesen werden.

„Kommerzfernsehen“ als Geißelung

Es komme demnach weniger auf die richtigen Argumente an als vielmehr auf moralische Narrative, die jeder verstehe. So nehme die ARD ja kein Geld ein, sondern verwalte das „Rundfunkkapital der Bürger“. Man solle stets von „Gleichwertigkeit“ reden (der Menschen, der Regionen), Begriffe des Gegners („Lügenpresse“) aber nie in den Mund nehmen. Also: Alle würden zum „gemeinsamen, freien Rundfunk ARD beitragen“ und hätten „freien Zugang“ zur „demokratisch-medialen Infrastruktur“.

In dieser Terminologie wird die böse Welt als „Profitwirtschaft“, „Kommerzfernsehen“ oder als „profitmaximierende Sender“ gegeißelt. Als Beispielslogans werden „Fernsehen ohne Profitzensur“ oder „Exzellenz statt Umsatz“ genannt sowie „Wir sind deins“. Der Satz wurde Ende 2017 tatsächlich der neue Leitspruch der ARD, ein Erbe der damaligen ARD-Vorsitzenden Karola Wille vom Mitteldeutschen Rundfunk. Sie hatte viel über Wesen und Reformen der ARD arbeiten lassen und das Framing-Projekt gefördert. Nachfolger Ulrich Wilhelm vom Bayerischen Rundfunk (BR) setzt andere Schwerpunkte.

Der Schlagzeilen um Susanne Pfab legen nahe, wie wenig Segen auf dem Amt der ARD-Generalsekretärin liegt. 2006 war es als Vehikel für mehr Schlagkraft entstanden, was den damaligen ARD-Granden Fritz Pleitgen und Jobst Plog überaus gefiel. Doch die erste Amtsinhaberin Verena Wiedemann stritt 2011 vor Gericht wegen Mobbing und Diskriminierung. Man einigte sich geräuschlos.

Dann verpflichtete die ARD bereits im September 2012 Susanne Pfab; sie hatte von 2002 bis 2006 das Gremienbüro des BR geleitet, ehe sie dann die Geschäfte der Konferenz aller ARD-Gremienvorsitzenden führte. Aus familiären Gründen war Pfab jedoch erst Anfang 2015 bereit für ihren Job als Generalsekretärin, ausgestattet mit einem Vertrag bis Ende 2019. Eine Frau, die sich als „verbindendes Element“ versteht und „auch mal Wadln beißen“ will, wie man es in der Politik mache.

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8 Kommentare zu "Susanne Pfab: ARD-Generalsekretärin wegen internen Papiers massiv in der Kritik"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die öffentlich rechtlichen Staatssender sind Monopole die mittels Gebührenabzocke, wobei sie die Höhe dieser Zwangsgebühren selber festlegen, die Politik hat nur als Feigenblatt ein kleines Mitwirkungsrecht, uns sagen was wir zu Denken haben.
    Das Papier der ARD zeigt uns mehr als deutlich das Vorgehen, dieser mit Zwangsgebühren finanzierten Staatssender gegen Wettbewerber, aber auch wie sie die Zuschauer gezielt indoktrinieren.
    Die öffentlich rechtlichen Sender spielen mit uns Big Brother. Nicht Information, Nein Desinformation und Meinungsmache a la ARD wird uns über gestülpt.
    Schafft diese Zwangsgebührensender ab.

  • sorry, das dauert hier offenbar etwas laenger.

  • warum wurde mein Kommentar nicht gezeigt ?

  • das hat sie in USA gelernt, ist doch klar, wo so was herkommt .................

  • das hat sie in USA gelernt, ist doch klar, wo so was herkommt .................

  • das hat sie in USA gelernt ! Ist doch klar, wo so was herkommt....................

  • Überschrift des Artikels: "Wegen dem ...": Wer im Glashaus sitzt, sollte im Keller schmutzeln.

  • Seit Klemperers "Lingua Tertii Imperii" ist dies die erste Veröffentlichung über die infamen "Sprachspiele" zur linguistischen Stimmungsmache für und gegen Menschen oder Organisationen, die ich lesen konnte. Daß das jetzt statt Klemperers Titel "Framing" heißt, war mir neu.
    Und was schlimm ist: Klemperer beschrieb die Vergangenheit von Goebbels & Co., während Sie leider die Gegenwart beschreiben - und daß als Übeltäter beide Male "der Staat" dahinter steht. Unser demokratischer Staat sollte sich deshalb so schnell und deutlich wie möglich von dieser Institution distanzieren und sie auflösen, an private Träger überführen oder wie immer man dieser Geldverteilungs- und -vernichtungsanstalt wieder ihre Nützlichkeit zurückgeben kann.
    Wie komme ich an das vollständige Pamphlet? Können Sie oder man oder sonst irgendwer seine Veröffentlichung veranlassen oder erzwingen?