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SXSW 2019

Soziales Netzwerk Facebook-Chef Zuckerberg will Privatsphäre der Nutzer stärken

Das soziale Netzwerk will sich seinem Chef zufolge künftig auf die Privatsphäre der Nutzer konzentrieren. So sollen mehr Angebote des Konzerns eine Komplett-Verschlüsselung bekommen.
Update: 07.03.2019 - 08:33 Uhr 2 Kommentare
Die Ankündigung von Mittwoch bedeutet ein kategorisches Umdenken im Vergleich zu Zuckerbergs Einstellung in den frühen Jahren von Facebook. Quelle: dapd
Mark Zuckerberg

Die Ankündigung von Mittwoch bedeutet ein kategorisches Umdenken im Vergleich zu Zuckerbergs Einstellung in den frühen Jahren von Facebook.

(Foto: dapd)

Menlo ParkNach der massiven Kritik der vergangenen Monate hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg angekündigt, das Online-Netzwerk stärker auf den Schutz der Privatsphäre auszurichten. „Ich glaube, dass die Kommunikation sich in der Zukunft zunehmend auf vertrauliche, verschlüsselte Dienste verlagern wird, in denen die Menschen sich darauf verlassen können, dass das, was sie einander mitteilen, sicher bleibt“, schrieb Zuckerberg am Mittwoch. An dieser Zukunft wolle Facebook mitarbeiten.

Das weltgrößte Online-Netzwerk war insbesondere nach dem Ausbruch des Datenskandals um Cambridge Analytica scharf für den Umgang mit Nutzerdaten kritisiert worden. „Ich verstehe, dass viele Leute nicht glauben, dass Facebook eine solche auf Privatsphäre fokussierte Plattform aufbauen würde oder wollte“, räumte Zuckerberg ein. Das Online-Netzwerk habe nicht den Ruf, auf den Schutz der Privatsphäre ausgerichtete Dienste zu entwickeln.

Die Ankündigung von Mittwoch bedeutet tatsächlich ein kategorisches Umdenken im Vergleich zu Zuckerbergs Einstellung in den frühen Jahren von Facebook. Damals hatte er noch erklärt, der Trend gehe dazu, dass Menschen immer mehr über sich öffentlich machen. Facebook war wiederholt in Konflikte mit Datenschützern und Aufsichtsbehörden geraten, als der Konzern die Grenzen bei der Öffnung der Privatsphäre austestete.

Jetzt kündigte Zuckerberg an, mehr Angebote des Konzerns würden eine Komplett-Verschlüsselung nach dem Vorbild des Chatdienstes WhatsApp bekommen. Bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung können die Inhalte einer Unterhaltung nur von Absender und Empfänger eingesehen werden.

Sie verhindere, dass andere – „uns inklusive – sehen, was Menschen in unseren Diensten teilen“, schrieb auch Zuckerberg. Weitere Dienste wie Videochats, E-Commerce-Angebote, Bezahl-Services würden auf dieser abgesicherten Basis aufbauen. Er rechne damit, dass in wenigen Jahren WhatsApp und der zweite Chatdienst des Konzerns, der Facebook Messenger, zum zentralen Weg werden, über den Menschen auf der Plattform kommunizieren, prognostizierte Zuckerberg.

Facebook setzt bereits seit Jahren auf privates Messaging: 2014 bezahlte das Online-Netzwerk 19 Milliarden US-Dollar (etwa 14 Milliarden Euro) für WhatsApp mit derzeit etwa 1,5 Milliarden monatlichen Nutzern. Der Facebook Messenger hat etwa 1,3 Milliarden monatliche Nutzer.

Unklar blieb, was der neue Kurs für das Geschäftsmodell von Facebook bedeuten wird. Das Online-Netzwerk ist aktuell darauf angewiesen, möglichst viel über die Interessen, Ansichten, Pläne und Lebensumstände seiner Nutzer zu wissen – um zielgerichtete Werbung vermitteln zu können. Bei einer konsequenten Umsetzung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hätte auch Facebook aber keinen Zugang zu den Inhalten der Nutzer.

In seinem Facebook-Eintrag ging Zuckerberg nicht darauf ein, in einem Interview der „New York Times“ signalisierte er, dass Facebook neue Ideen zum Geldverdienen finden könnte. „Es gibt jede Menge Geschäftsmöglichkeiten, insbesondere in Entwicklungsländern. Es können mehr private Werkzeuge rund um den Aufenthaltsort der Leute entwickelt werden“, sagte er.

Ein breiterer Einsatz von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf der Facebook-Plattform könnte auch das Problem der Verbreitung von Falschinformationen und illegaler Inhalte verschärfen. Denn auch Facebooks Teams, die Beiträge prüfen und löschen, hätten keinen Zugriff darauf.

Unter anderem in Indien und Myanmar wurden private WhatsApp-Gruppen bereits für Hetzkampagnen benutzt. Zuckerberg schrieb, Facebook arbeite daran, Accounts mit bösen Absichten auch ohne Zugang zu den Inhalten zum Beispiel an Verhaltensmustern zu erkennen.

Zuckerberg betonte auch, dass Facebook die Entscheidung getroffen habe, keine Rechenzentren in Ländern zu bauen, die Menschenrechte verletzten oder die Meinungsfreiheit einschränkten. Mit dieser Feststellung dürfte unter anderem ein Markteintritt in China, über den in den vergangenen Jahren immer wieder spekuliert wurde, vom Tisch sein.

Ein weiterer Aspekt des Plans ist, dass Nutzer-Daten bei Facebook sich nach einer bestimmten Zeit automatisch löschen könnten. „Das würde das Risiko verringern, dass Nachrichten später wieder auftauchen und einem peinlich sind“, schrieb Zuckerberg. Das automatische Löschen könnte auch abgeschaltet – oder für einige Inhalte auch auf wenige Minuten eingestellt werden

Im Fall Cambridge Analytica, der Facebook massiv unter Druck brachte, waren Daten von Facebook-Nutzern vom Entwickler einer Umfrage-App vor über fünf Jahren widerrechtlich an eine Datenanalysefirma weitergegeben worden. Facebook wusste seit Ende 2016 davon, begnügte sich aber mit der Zusicherung, dass die Daten vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht.

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2 Kommentare zu "Soziales Netzwerk: Facebook-Chef Zuckerberg will Privatsphäre der Nutzer stärken"

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  • Beides ist nicht falsch - und doch zu kurz gesprungen: Sicher ist eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an sich begrüßenswert, denn der Schutz von Daten ist ein hohes Gut. Genauso bedenkenswert ist aber der Hinweis, dass die Verschlüsselung von Inhalten mögliche regulierende Interventionen erschwert - gerade, wenn es um Hetze oder Fake-News geht. Bereits heute können 45 Prozent der Europäer nicht mehr zwischen Fakt und Fake unterscheiden. Studienergebnisse des weltweit forschenden Data Literacy Projects beweisen das. Das ist nicht banal, prägen Daten doch die Lebenswirklichkeit inzwischen auf Schritt und Tritt. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist daher ein wichtiger Baustein für Datenschutz, ersetzt aber nicht echte Datenkompetenz. Der souveräne, kritische und vor allem verantwortliche Umgang mit Daten ist nicht allein Sache bestimmter digitaler Dienste oder Verschlüsselungstechnologien. Das ist eine Sache der Bildung und des Bewusstseins. Hier trägt jeder Einzelne Verantwortung - für das eigene digitale Leben, aber auch für das anderer.

  • Beides ist nicht falsch - und doch zu kurz gesprungen: Sicher ist eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an sich begrüßenswert, denn der Schutz von Daten ist ein hohes Gut. Genauso bedenkenswert ist aber der Hinweis, dass die Verschlüsselung von Inhalten mögliche regulierende Interventionen erschwert - gerade, wenn es um Hetze oder Fake-News geht. Bereits heute können 45 Prozent der Europäer nicht mehr zwischen Fakt und Fake unterscheiden. Studienergebnisse des weltweit forschenden Data Literacy Projects beweisen das. Das ist nicht banal, prägen Daten doch die Lebenswirklichkeit inzwischen auf Schritt und Tritt. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist daher ein wichtiger Baustein für Datenschutz, ersetzt aber nicht echte Datenkompetenz. Der souveräne, kritische und vor allem verantwortliche Umgang mit Daten ist nicht allein Sache bestimmter digitaler Dienste oder Verschlüsselungstechnologien. Das ist eine Sache der Bildung und des Bewusstseins. Hier trägt jeder Einzelne Verantwortung - für das eigene digitale Leben, aber auch für das anderer.