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SXSW 2019
Howard Schultz

Sein Erfolg mit der Kaffeehauskette Starbucks hat ihn zum Milliardär gemacht.

(Foto: WireImage/Getty Images)

SXSW 2019 „Ich bin der lebende Beweis für den amerikanischen Traum“

Ex-Starbucks-Chef Howard Schultz will US-Präsident werden – als unabhängiger Kandidat. Seine gemäßigte Position sei der Schlüssel zum Erfolg.
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Das Erstaunlichste an Howard Schultz’ Rede ist sein Abgang. Kaum steigt der ehemalige Starbucks-CEO von der Bühne, springen Menschen von den Stühlen, laufen zu ihm hin, umzingeln ihn und wollen ein Selfie mit dem Selfmade-Milliardär machen. Eine Stunde lang hat Schultz davor beim Tech- und Kreativitätsfestival SXSW in Austin erklärt, warum er ein guter Präsidentschaftskandidat für 2020 wäre. Einen großen Teil der Zuschauer in der großen Kongress-Haupthalle in Austin scheint Schultz überzeugt zu haben.

Es ist gerade mal fünf Wochen her, dass der Demokrat Schultz in der TV-Sendung „60 Minutes“ den Amerikanern eröffnete, er erwäge, als unabhängiger Kandidat ins Rennen um die Präsidentenwahl 2020 zu gehen. Kaum hatte sich Schultz geäußert, entfachte sich ein Fegefeuer der Kritik: Von Michael Bloomberg bis Warren Buffett wirft die etablierte Wirtschaftselite Schultz seither vor, mit dem Ansinnen lediglich die Demokraten zu beschädigen und Trump zur Wiederwahl zu verhelfen.

Starbucks-Kunden, die die Demokraten wählen, riefen auf Twitter sogar zum Boykott der Kaffeekette auf. Auch die üblichen Umfrageexperten sagen Schultz kaum Chancen voraus.

Der Saal sei ja dennoch gut gefüllt, erwähnt der Moderator auf der Messe in Austin. Für die Stars der Demokraten, Alexandria Ocasio-Cortez und Elizabeth Warren, die hier später noch auftreten, würden die Menschen aber bis auf die Straße anstehen. „Sie haben beide gute Absichten“, entgegnet Schultz. „Aber die Mehrheit der Amerikaner wird nicht zum Sozialismus überlaufen.“

Schultz hat aus Starbucks, einer Kaffeekette aus Seattle, einen globalen Konzern aufgebaut und eine der weltweit angesehensten Marken. Im Juni 2018 verabschiedete er sich von der Spitze, Starbucks steht heute gut da: Aktienkurs, Gewinne, Expansion – alles läuft rund. Die Anteilseigner werden sich bei der nächsten Aktionärsversammlung am 20. März fragen, was Schultz nun antreibt. Er ist bis heute der größte Starbucks-Einzelaktionär.

„Ein Tweet löst keine Probleme“

Schultz wuchs in armen Verhältnissen auf, seine Familie habe manchmal die Miete nicht bezahlen können, erzählt er. Es ist die typische Geschichte der Erfüllung des amerikanischen Traums. Und wie Schultz in Austin so erzählt, wird klar, dass hier einer versucht, diesen Traum für die extrem polarisierte US-Gesellschaft wieder mit einem gemäßigten Inhalt zu füllen.

„Ein Tweet löst keine Probleme“, sagt Schultz. Nach 20 Minuten springt er plötzlich aus seinem Sessel, läuft an den Bühnenrand und fragt ins Publikum, wie viele Unternehmer anwesend seien, denen man erzählt habe, sie würden es nie schaffen. Es gehen viele Hände hoch. „Die Leute nennen mich vielleicht einen Narren. Aber ich bin der lebende Beweis, dass es den amerikanischen Traum doch gibt.“

Er wolle nicht für die Demokraten antreten, weil das System kaputt sei, der Selbsterhaltungstrieb größer als der Wille, das Land wieder zu vereinigen. Schultz hat noch andere Städte in Texas besucht und mit Bürgern geredet. Seine Botschaft: Nur ein Gemäßigter wie er werde die USA aus Überschuldung, sozialer Spaltung und internationaler Isolation wieder hinauskatapultieren. Die Vorhaben der Demokraten wie freie Bildung für alle seien ja schön, aber nicht zu bezahlen. Er stehe für realistische, bezahlbare Ziele. Sein Problem: Im Moment ist es kaum vorstellbar, dass sich die Amerikaner für nüchterne Realpolitik wieder interessieren könnten.

Noch ohne Slogan

Wie so ein Rennen denn am Ende aussehen könne, will der Moderator noch von Schultz wissen. Es sei gut möglich, dass Trump, ein Demokrat wie Bernie Sanders aus dem linken Flügel und er ungefähr gleichauf lägen. Würden dann Umfragen zeigen, dass sein Verbleib im Rennen Trump zu einer Wiederwahl verhelfe, würde er wieder aussteigen. Nach Obamas „Yes, we can“ und Trumps „Make America great again“ fehle Schultz aber noch ein gutes Motto, scherzt der Moderator. „Glauben Sie mir, ich weiß, wie man eine Marke aufbaut“, entgegnet der.

Nach diesem Auftritt wird es immer schwerer zu glauben, dass Howard Schultz, der Starbucks-Mann, noch einen Rückzieher von seinen Präsidentschaftsambitionen machen könnte.

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