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SXSW 2019

Testflug zur ISS Space X – der irre Traum des Elon Musk wird Realität

Der Flug zur Raumstation ISS ist für Elon Musk nur das Vorspiel für die Eroberung des Weltraums. Wenn er sich jetzt nicht selbst aus dem Rennen wirft.
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Space X – der irre Traum des Elon Musk wird Realität Quelle: AP
SpaceX

Das Crew-Dragon-Raumfahrzeug und die Falcon-9-Rakete.

(Foto: AP)

San FranciscoDie Luken sind geschlossen, die Mannschaft der Raumstation ISS hat Donnerstagnacht Abschied genommen von Ripley, der Dummy-Puppe, die in der Raumkapsel von Elon Musks Weltraumfirma Space X auf dem Rückweg zur Erde ist.

Dort soll sie an diesem Freitag unbeschadet gegen 14.45 Uhr New Yorker Zeit (20.45 Uhr MESZ) vor Florida ins Meer eintauchen und einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte von Space X setzen.

Nasa-Wissenschaftler werden mit Argusaugen alle Sensoren überprüfen, betrachten, wie sich die Landeschirme öffnen und ob Ripleys Sensoren ein frühzeitiges Ableben durch zu harte Landung oder zu hohe Temperaturen signalisieren.

Nach dem Start hatte Musk betont, dass er den Wiedereintritt in die Atmosphäre als eines der kritischsten Manöver betrachtet. Die Kapsel könnte verbrennen und in Rauch aufgehen. Doch das ist nicht das einzige Problem, das Musk gerade hat. Auch wegen einer anderen Angelegenheit könnten seine kühnen Pläne als Lieferant für die Nasa und das US-Verteidigungsministerium bald in Rauch aufgehen.

Wie Fox News berichtet, hat das Verteidigungsministerium eine Untersuchung eingeleitet, weil Musk öffentlich in einem Interview einen Joint geraucht habe. Für Pentagon-Zulieferer wäre Drogenmissbrauch, so wie etwa auch Alkoholsucht, ein Grund, die höchste Sicherheitsstufe zu verlieren.

Das könnte schon in den nächsten Wochen passieren und die Nasa-Träume von Elon Musk wären massiv gefährdet. Space X setzt für die Nasa auch amerikanische Spionagesatelliten im All aus. Boeing steht mit eigener Technik im Hintergrund bereit, um Space X abzulösen.

Das Unternehmen sieht nach eigenen Angaben keine Gefahr für die Aufträge der Nasa. Das Tagesgeschäft werde nicht von Musk geführt, sagte ein SpaceX-Vertreter gegenüber Bloomberg.

Ziel: die Kolonialisierung des Mars

Dabei hatte für den Tesla-Chef alles so gut angefangen. Elon Musk gründete Space X im Jahr 2002 mit dem Ziel, die Kolonialisierung des Mars voranzutreiben. Zuvor hatte der Weltraum-Enthusiast nur versucht, die Öffentlichkeit auf die Finanzierungsprobleme der Nasa aufmerksam zu machen und ein eigenes Mars-Projekt vorgeschlagen. Er wollte ein experimentelles Gewächshaus auf den roten Planteten schießen.

Doch weit kam er nicht. Ein Versuch, russische Raketentriebwerke zu kaufen, damals praktisch ohne Alternative, blieb erfolglos. Da beschloss Musk, selbst Triebwerke und letztlich ganze Raketen zu bauen. Seine Idee: Raketen müssen wiederverwertbar wie Flugzeuge werden. Dann werden die Missionen auch bezahlbar.

Würde heute jeder Jumbo 747 nach seiner Ankunft in New York komplett verschrottet und für den Rückflug nach Europa eine neue Maschine gebraucht werden, würde ein Transatlantikticket eine halbe Million Dollar kosten. So aber sind es vielleicht 1000 Dollar. Musks erstes Ziel: die Kosten für einen Raketenstart um den Faktor zehn zu verringern.

Nach der Abfuhr in Russland legte Musk einfach los und stellte Mitarbeiter ein. Space X entwickelte eine kleine Rakete. Doch es kam, wie es kommen musste, berichtete der Silicon-Valley-Investor Steve Jurvetson bei einem Gespräch im Churchill Club 2008 in San Francisco: Musk hatte all sein beträchtliches Vermögen zwischen Tesla und Space X aufgeteilt und zerrieben. Er sei da „praktisch pleite“ gewesen. Aber Musk sei „vollkommen immun gegenüber Risiko“, erinnert sich Jurvetson. So etwas habe er noch nie erlebt.

Musk habe ihn in einer dieser dunkelsten Stunden angerufen und Jurvetson, der Musk bewundert, überredete die Partner in seiner Risikokapitalgesellschaft, in Space X zu investieren. Der Raketenbauer konnte weitermachen, erholte sich.

Heute wird der Wert des Weltraumunternehmens auf gut 30 Milliarden Dollar geschätzt, berichtet das Wall Street Journal. So hoch sei die Bewertung bei der bislang jüngsten 500-Millionen-Dollar-Kapitalrunde Ende 2018 gewesen. Space X kommentiert diese Zahlen nicht.

Das Faszination der Falcon Heavy

Der Durchbruch kam mit der Falcon 9 genannten Trägerrakete, auf der die Dragon-Kapsel für Nutzlast und jetzt auch die Dragon-Crew-Kapsel für den Personentransport sitzt. Die Crew-Kapsel, seit zehn Jahren in der Entwicklung, muss erheblich mehr Sicherheitsauflagen als die Lastkapsel erfüllen und ein hochkomplexes Rettungssystem besitzen. Es soll die Passagiere im Falle eines katastrophalen Raketenversagens aus der Gefahrenzone katapultieren und sanft landen. Mitte des Jahres könnte der erste Mensch in einer Dragon-Kapsel zur ISS starten.

Die Endstufe der Falcon 9, benannt nach ihren neun Triebwerken, ist in der Lage, sicher wieder auf der Erde zu landen und kann dann nach einer Generalinspektion wieder ins All geschossen werden. Hierauf beruht bereits ein Großteil der erreichten Kostenersparnis.

Dazu kommt nun die Falcon Heavy, die derzeit größte verfügbare Rakete für den Transport von Nutzlast. Sie besteht aus drei aneinandergedockten Falcon-9-Endstufen und einem Nutzlastteil, der bei seinem Jungfernflug im April 2018 medienwirksam einen Tesla Roadster mit Fahrerpuppe hinter dem Steuer in die Weiten des Alls davongetragen hat.

Im Kontrollzentrum riss es eine große, blonde Frau jubelnd aus ihrem Stuhl, die Hände in den Himmel gestreckt, umringt von ihrem jubelnden Team. Gwynne Shotwell, einst als Mitarbeiterin Nummer sieben eingestellt, ist heute, 16 Jahre später, Präsident und COO von Space X und damit für das Tagesgeschäft zuständig.

„Es war nicht der Tesla im All“, räumt sie im Ted x-Talk schmunzelnd ein, der sie zu den Begeisterungsstürmen hingerissen habe. Es waren die beiden Seitenbooster der Falcon Heavy, die wie in einem Ballett aus Feuer und Stahl parallel und majestätisch wieder auf der Plattform gelandet waren, von der sie kurz zuvor als Teil der Rakete aufgestiegen waren.

Während die Medien auf allen Schirmen den roten Weltraum-Tesla zeigten, konnten sich die Techniker nicht an den Boostern sattsehen. Was vor kurzem noch Utopie und dann eine seltene Ausnahme war, wird langsam Realität: die wiederverwendbare Rakete.

Sie könnte auch kosteneffizient das vielleicht ambitionierteste Projekt verwirklichen: eine Armada von Satelliten im niedrigen Erdorbit, die flächendeckend Breitband-Internet rund um den Globus ermöglichen. Das, so Shotwell, würde „zweifellos die Welt verändern“. Aber noch fehle das Geschäftsmodell. Die Technik immerhin nicht mehr.

Diese neue Generation von Raketen, da macht die Managerin keinen Hehl draus, ist der nächste notwendige Schritt in der Vision ihres Chefs, Elon Musk. Dann wird es die „BFR“ sein, die Geschichte schreiben soll.

Die „Big Falcon Rocket“ wird eine komplette Neuentwicklung, deutlich größer und mächtiger als die Falcon Heavy. Bis zu 100 Passagiere werde die BFR in 30 Minuten Flugzeit um den halben Globus tragen und sicher auf einem Landeplatz auf See, fünf bis zehn Kilometer vor der Zielstadt, landen.

Wie man 16 Jahre mit Elon Musk zusammenarbeitet

„Die meiste Zeit bei dem Trip“, scherzt sie im Interview, „wird der Schiffstransfer von und zur BFR brauchen“. Die Tickets werden erschwinglich sein, prophezeit sie. Während ein normaler Jet zwanzig Stunden brauche, um die Strecke hin und zurück zu fliegen, könne die BFR in der Zeit den Trip vielleicht zehnmal machen und so konkurrenzfähig werden.

Utopie in einer ferner Zukunft? „In einem Jahrzehnt sind wir da“, ist sie felsenfest überzeugt. Genauso wie der Marsflug: Eine BFR wird 100 Passagiere in den Erdorbit bringen. Die erste Stufe kehrt zurück, lädt einen riesigen Treibstofftank nach, dockt den an das wartende Raumschiff an, das seine Reise zum roten Planeten beginnt.

Dann verrät sie dem skeptischen Publikum noch das Geheimnis, wie man es schafft, 16 Jahre mit einem herausfordernden Visionär und Menschen wie Elon Musk zusammenzuarbeiten. Wann immer er eine seiner Visionen von sich gibt, gelte es unbedingt dem ersten, verständlichen Impuls zu wiederstehen und nicht „Völlig unmöglich“, „Geht niemals“ oder „Unsinn“ zu rufen. Mund halten, nachdenken und dann mal einen Vorschlag machen, wie man einen Teilaspekt vielleicht angehen könne.

Alles andere findet keine Gnade im Universum des Elon Musk, das allerdings bald wieder auf den Luftraum über Silicon Valley beschränkt sein könnte. Musk soll bereits, so Fox Business, seine Unterlagen für die Sicherheitsprüfung berichtigt und korrigiert haben. Jetzt liegt es an einer sauberen Landung und dem Pentagon.

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