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Tech-Konzern IBM-Chefin Rometty setzt jetzt alles auf die Cloud

2019 wird für IBM zum Schicksalsjahr. Der IT-Konzern greift die Cloud-Industrie mit drastischen Mitteln an. Aber vor allem Google schlägt schon zurück.
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Ginni Rometty will IBM mithilfe der Softwarefirma Red Hat zum Champion von Hybrid-Clouds machen. Quelle: Reuters
IBM-Chefin Ginni Rometty

Ginni Rometty will IBM mithilfe der Softwarefirma Red Hat zum Champion von Hybrid-Clouds machen.

(Foto: Reuters)

San Francisco Diese Vorlage musste IBM-Chefin Ginni Rometty einfach nutzen. Jim Whitehurst, CEO des Softwareherstellers Red Hat, war gerade von Rometty angekündigt worden und hatte auf dem weißen Ledersessel auf der Bühne des Moscone Centers Platz genommen: „Ich bin froh hier zu sein“, sagte er fröhlich, und Rometty antwortete trocken: „Solltest Du auch, wenn wir euch gerade für 33 Milliarden Dollar gekauft haben.“

Die Zuhörer im bis zum letzten Platz gefüllten Saal prustete los, manche klatschten sich vor Lachen auf die Schenkel. Der Bann war gebrochen.

IBM hatte zur „Think 2019“ nach San Francisco geladen, und Zehntausende sind gekommen. Die Situation bei IBM ist allen Kunden und Partnern wohl bekannt: Jahre der Umsatzverluste, Reorganisationen, Aufbruch in neue Welten, vor allem die Cloud. Und die Softwarefirma Red Hat soll ein wichtiger Teil des Neustarts sein, IBM zum Champion der Anbieter für Hybrid-Clouds machen. Ein „Billionengeschäft“, wie Rometty sagt.

Hybrid-Clouds sind IT-Infrastrukturen, die teilweise von Anbietern wie IBM im Internet bereitgestellt und teilweise beim Unternehmen im Rechenzentrum betrieben werden. Rometty schätzt, dass in Zukunft die Aufteilung 60:40 sein wird. 60 Prozent der Clouds werden öffentlich sein, 40 Prozent privat, also im eigenen Rechenzentrum.

Und Rometty meint es ernst, nicht nur wegen der umstrittenen Milliarden-Akquisition. Seit Jahren bietet IBM seine künstliche Intelligenz namens „Watson“ Kunden aus Industrie, Forschung und Verwaltung an, um das Beste aus ihren Datenbergen herauszufiltern und Ergebnisse und Geschäftsmodelle zu optimieren. Allerdings mit gemischtem Erfolg.

Watson selbst kämpft mit Kinderkrankheiten, was aber zu verschmerzen gewesen wäre – die Konkurrenz ist auch nicht fehlerfrei. Doch höchst problematisch war die zwangsweise Verbindung von Watson mit der IBM-eigenen Cloud. Nur im Verbund ließ sich die Technologie nutzen. Kunden mit Daten bei Amazon oder Microsoft gingen leer aus.

Das war aus zwei Gründen fatal: Zum einen stand die Cloud von IBM nie hoch in der Kundengunst. Amazons AWS mit einem Anteil von rund 32 Prozent und Microsofts Azure mit 14 Prozent sind die unbestrittenen Marktführer. IBM balgt sich mit Google um einen undankbaren dritten Platz, mit einstelligem Marktanteil.

Zum anderen schreckten potenzielle Kunden davor zurück, ihre bei anderen Cloud-Anbietern gespeicherten Daten in den IBM-Service zu übertragen. Denn solche Datenexporte lässt sich die Konkurrenz Bit für Bit teuer bezahlen.

Aber das ist jetzt vorbei. IBM löst Watson von der eigenen Cloud, Watson soll überall sein. Kommen die Daten nicht zu Watson, kommt Watson eben zu den Daten. Eine neues Angebot namens „ICP for Data“ (IBM Cloud Private for Data) macht die reibungslose Verbindung der fremden Welten möglich.

„ICP for Data“ basiert auf „Kubernetes“ – das sind abgekapselte, vollwertige Softwarepakete, einer Open-Source-Technologie von Google. Sie erobert seit zwei Jahren die Cloud-Industrie. Nicht nur in fremden Clouds wird Watson dank ICP nutzbar werden, sondern auch in Rechenzentren, die den Kunden gehören, also den „Hybrid-Clouds“.

Mit der Öffnung seines KI-Top-Produkts für fremde Plattformen kopiert IBM-Chefin Rometty ganze Kapitel aus dem Drehbuch von Microsoft-Chef Satya Nadella. Der hat den 1975 gegründeten Software-Opa von einem Windows-first-Unternehmen zu einem Cloud-first-Mobile-first-Anbieter gewandelt.

Erfolgsprodukte wie Microsoft Office oder Dynamics laufen heute auf allen relevanten Plattformen. Microsoft programmiert Apps für Apples iOS-Betriebssystem. Der Lohn der Offenheit: Microsoft kämpft heute mit einer Börsenbewertung von 820 Milliarden Dollar mit Amazon um den Titel des wertvollsten Börsenunternehmens der Welt.

IBMs Börsenwert sank nach Verkündung der Red-Hat-Übernahme und lag kurzfristig nur noch knapp über 100 Milliarden Dollar. Nur zur Erinnerung: IBM hatte damals den unbekannten Kids von Microsoft ihren ersten Auftrag gegeben, ein „DOS“ zu IBMs PCs zu programmieren. Der Rest ist Geschichte.

Wo Microsoft jetzt ist, will Rometty auch hin. Red Hat als Open-Source-Powerhouse und die Öffnung der künstlichen Intelligenz für Konkurrenzplattformen sind Belege dafür, dass Rometty Google endgültig hinter sich zurücklassen und zum Führungs-Duo aufschließen will. Koste es, was es wolle.

Doch die Zeit wird knapp. Google hat 2018 ebenfalls eine Multi-Cloud-Strategie verkündet und investiert massiv in neue Datencenter. Deshalb soll Watson jetzt der Standard für künstliche Intelligenz werden.

IBM will zudem das Unternehmen der Wahl für das Management von „Multi-Clouds“ werden. Was das ist? Ein Kunde hat zum Beispiel Apps bei Microsoft, bei Amazon, bei Google und IBM, und IBM überwacht und steuert sie alle. Am Ende, so die Hoffnung, kommt dann doch der ein oder andere auf den Trichter, dass man es auch direkt alles mit IBM machen könnte. Harter Gegner ist hier VMWare, der Pionier des virtuellen Computings.

Derweil ist Google nicht untätig. Nur einen Steinwurf entfernt im Palace Hotel in San Francisco hielt der neue Cloud-Chef von Google, der frühere Oracle-Manager Thomas Kurian, auf der Goldman Sachs Investor Conference Hof. Er werde neue Vertriebsleute einstellen, berichtet Bloomberg vor der Konferenz, sie auf spezielle Branchen ausbilden und aggressiver traditionelle Unternehmen akquirieren.

Google hatte sich lange auf Start-ups und Jungunternehmen fokussiert. Jetzt stehen für Kurian Einzelhandel, traditionsreiche Banken, langweilige Versicherungen und Gesundheitsindustrie im Fokus. Eine klarere Kampfansage an IBM kann es nicht geben.

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