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Apple

Menschen stehen vor einem Apple-Store Schlange.

(Foto: Reuters)

Tech-Unternehmen Beeindruckende Quartalszahlen von Apple erfreuen Wall Street

Der nächste Milliardengewinn beim Tech-Riesen: Apple verdient mehr mit Smartphones und Dienstleistungen – und bringt seinen Bezahldienst bald nach Deutschland.
Update: 01.08.2018 - 07:12 Uhr Kommentieren

„Apple übertrifft alle Erwartungen“

Es waren Zahlen, wie sie sich die Wall Street gewünscht hat: mehr Umsatz, mehr Gewinn, das Kerngeschäft brummt – und Wachstum kommt aus einer Zukunftssparte. Apple ist das letzte der sogenannten „FAANG“-Unternehmen, das seine Quartalsergebnisse vorgelegt hat.

Nach schweren Einbrüchen bei Facebook und Netflix und gut aufgenommenen Zahlen von Amazon und Google (Alphabet) setzte Apple einen fulminanten Schlusspunkt. Die Aktie zog nachbörslich um fast vier Prozent auf bis zu 198 Dollar an und könnte die aktuelle Nervosität der Anleger an den Aktienmärkten beruhigen.

Die Kalifornier stehen damit bei einem Börsenwert von 950 Milliarden Dollar und könnten bereits am Mittwoch das erste Unternehmen der Aktiengeschichte sein, was die Marke von einer Billion Dollar knackt.

Auslöser für die Verzückung an den Börsen: Apple hat Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2018 vorgelegt. Die Zahlen sind imposant, der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 17 Prozent auf 53,3 Milliarden Dollar und der Nettogewinn erreichte 11,5 Milliarden Dollar.

Die Verkaufszahlen für das Flaggschiffprodukt iPhone lagen praktisch unverändert zum Vorjahr bei 41,3 Millionen Stück. Doch der Durchschnittspreis für ein Smartphone stieg von 693 auf 724 Dollar. Dadurch stieg der Umsatz in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 29 Milliarden Dollar. Der Preisanstieg impliziert zugleich, dass die Nachfrage nach dem teuersten Modell, dem iPhone X, weiter hoch ist. Details gibt Apple dazu nicht bekannt.

Das stärkste Wachstum zeigte der Bereich „Services“, der um 31 Prozent zulegte. Dort sind zum Beispiel der App Store, die iCloud-Speicherdienste, die Geräteversicherung Apple Care, die Musik- und Videodienste und das digitale Bezahlsystem Apple Pay enthalten.

Apple Pay kommt Ende des Jahres nach Deutschland

Letzteres wird Ende des Jahres in Deutschland eingeführt, verriet Vorstandschef Tim Cook im Gespräch mit Analysten. Namen der beteiligten Banken und Preise gab es noch nicht.

Bei Apple Music wird ein Umsatzanstieg von 50 Prozent gemeldet. Der gesamte Service-Bereich kommt auf einen Umsatz von 9,6 Milliarden Dollar im Quartal, wobei ein Einmal-Ertrag von 236 Millionen aus einem gewonnenen Rechtsstreit enthalten ist. Cook will die Sparte bis 2020 auf 14 Milliarden Dollar pro Quartal treiben.

Schon jetzt ist sie die zweitgrößte hinter dem iPhone. iPad und Mac-Computer sind mit einem Umsatzverlust von je fünf Prozent im Quartal längst weit zurückgeblieben. Die Computer verbuchten sogar einen Rückgang um 13 Prozent bei den verkauften Einheiten.

„Wir freuen uns, das beste Juni-Quartal von Apple und das vierte in Folge mit einem zweistelligen Umsatzwachstum melden zu können“, sagte Apple-Chef Tim Cook. Diskussionen über seine Fähigkeiten, Steve Jobs beerben zu können, sind längst verstummt.

Cook hat geliefert und baut den Konzern von einem Hardware-fokussierten Unternehmen zu einer Hardwarefirma mit starkem Medien- und Dienstleistungsgeschäft um. Die Anzahl der zahlenden Abonnenten von Apple oder einem Drittanbieter liegt mittlerweile bei 300 Millionen.

Die Service-Sparte setzt im Quartal 2,5-mal so viel um wie Netflix. Cook zeigte sich im Analystengespräch vom TV-Geschäft sehr angetan, wollte aber keine Details verraten. Er hat im vergangenen Jahr zwei erfahrene Größen der Hollywood-Welt engagiert, die an einem ehrgeizigen Projekt arbeiteten.

Analyst: Die Bewertung von Apple muss überdacht werden

Für Analyst Gene Munster ist es an der Zeit, generell die Bewertung von Apple zu überdenken. Seit acht Quartalen, analysiert er, bewegen sich die iPhone-Verkäufe im Jahresvergleich in einer engen Spanne von null bis fünf Prozent Wachstum. Das iPhone-Geschäft sei vom Wachstumstreiber zur stabilen Basis geworden.

Das Wachstum komme jetzt aus anderen Bereichen wie Services oder Apple Watch, digitale Lautsprecher, Kopfhörer und anderes. Börsenguru Jim Cramer von „Mad Money“ sieht Aktienkurse von 200 oder 300 Dollar auf lange Sicht. Die Bewertung von Apple bewege sich immer noch auf einem niedrigen Niveau wie bei Gebrauchsgüterherstellern wie Procter & Gamble mit Wachstumsraten um ein Prozent, nicht aber da, wo andere Techwerte wie Amazon oder Netflix angesiedelt sind.

Im abgelaufenen Quartal hat Apple nach Angaben von Finanzvorstand Luca Maestri rund 25 Milliarden Dollar an die Aktionäre zurückgezahlt, davon rund 20 Milliarden Dollar in Aktienrückkäufen. Die genaue Zahl wird in Berichten an die Börsenaufsicht SEC am Mittwoch bekannt gegeben.

Dann kann kann auch genauer bestimmt werden, wann Apple die Billionen-Dollar-Marke in der Börsenbewertung überschreiten wird. Der letzte Stand war knapp über 950 Milliarden Dollar Gesamtbewertung. Klettert die Aktie im Handel auf 203,45 Dollar pro Stück, wäre der Konzern aus Cupertino das erste Börsenunternehmen, was diesen Wert erreicht. Nachbörslich notierte das Papier bei rund 197 Dollar.

Für das laufende Quartal geht Apple nach eigenen Angaben von einem Umsatz von 60 bis 62 Milliarden Dollar aus, das wäre, wenn die Mitte getroffen wird, ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem gleichen Quartal im Vorjahr. Analysten sehen das als Hinweis darauf, dass neue iPhones noch im September in den Handel kommen dürften.

Das spräche wiederum auch für ein starkes Weihnachtsquartal, sollte Apple nicht wieder Produktionsprobleme wie beim iPhone X haben. Die Modelle kamen verspätet und waren lange Zeit nur in geringen Stückzahlen erhältlich.

Aber wie sich am Dienstag gezeigt hat, ist selbst das für die loyale Kunden- und Fanbasis kein Problem und sorgte höchstens für eine Delle in der Aktienkursentwicklung des Königs der Tech-Welt. Der gegenwärtige Handelsstreit zwischen den USA und China belaste das Unternehmen derzeit nicht, bekräftigt Apple. China ist Produktionsland, aber auch mit 9,5 Milliarden Dollar im Quartal, ein Plus von 19 Prozent, zweitgrößter Absatzmarkt nach den USA.

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