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Technologie-Messe CES Der Quantencomputer und die Wiedergeburt von IBM

IBM präsentiert auf der CES den ersten kommerziell nutzbaren Quantencomputer der Welt. Damit will der US-Konzern in der neuen, vollvernetzten Big-Data-Welt wieder an die Spitze gelangen.
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Mit dem „Q System One“ verlässt IBMs Quantencomputer erstmals das Labor

Las Vegas Supercomputer stoßen heutzutage noch an ihre Grenzen. Vieles, worauf Entscheidungen beruhen, sei immer noch „eine Schätzung“, sagte IBM-Chefin Virginia „Ginni“ Rometty auf der CES in Las Vegas. Die wahre Optimierung sei erst mit der nächsten Generation des Computings möglich, dem „Quantum-Computing“, wo die Digitalwelt auf die Welt der Quantenphysik stößt.

Auf der CES feierte am Dienstag nun der erste kommerzielle Quantencomputer seine Premiere, der „IBM Q System One“. Er arbeitet mit 20 Qbit. Qbit ist die kleinste Informationseinheit in einem Quantencomputer. Sie ermöglicht es – anders als die Bits in einem klassischen Computer – mehrere Millionen Berechnungen parallel auszuführen.

Doch 20 Qbits sind noch lange nicht in der Lage, die Leistungen heutiger Supercomputer zu erreichen. Aber Rometty machte klar, dass dies erst der Anfang ist. Jetzt wird es für Unternehmen und Organisation möglich werden, außerhalb von Laborumgebungen mit Quantencomputern zu experimentieren und eigene Anwendungen zu entwickeln.

Das Endergebnis ist schon jetzt imponierend. Ein elegantes, über zwei Meter hohes und breites, luftdicht abgeschlossenes Gehäuse, in dem wie schwerelos der Quantencomputer grazil von der Decke hängt. Ein Computer, der mehr einem Kunstwerk ähnelt und bei dem IBM nicht umsonst Anleihen an die Zeiten macht, als die berühmten „Cray“-Supercomputer begannen, die gesamte IT-Industrie zu revolutionieren.

Die Nachricht lautet: IBM ist wieder da. Eine Botschaft, die Rometty dringend vermitteln muss. Der Aktienkurs erreicht immer neue Tiefststände und das Umsatzwachstum will einfach nicht in Schwung kommen. Quantencomputing ist eine massive Wette auf die Zukunft. Aber genau das ist es, was IBM jetzt braucht, um seinen Platz in der Welt von Cloud-Computing, Amazon, Microsoft Azure oder Google Cloud wiederzufinden: Sein eigenes „next big thing“, vielleicht im Quantenuniversum.

Der US-Konzern präsentiert den Quantencomputer Q System One. Quelle: AFP
IBM

Der US-Konzern präsentiert den Quantencomputer Q System One.

(Foto: AFP)

Am Dienstag feierte auch ein weiteres IBM-Projekt seine Premiere. Der Technologie-Konzern forscht seit sechs Jahren an dem „Speech by Crowd“. Menschen können gemäß dem Regelwerk von Debatten ihren Standpunkt zu einem Thema in einem vierminütigen Eingangsstatement kundtun, danach antwortet die künstliche Intelligenz aus der Cloud und die Debatte nimmt ihren Lauf.

Zur Veranschaulichung der „Project Debater“ genannten Technologie startete die IBM-Chefin in der Spielkasinometropole ein brisantes Debatten-Thema: „Sollte Glücksspiel verboten werden?“ Rometty hatte den Ernst der Lage voll erfasst: „Wenn das wirklich passieren sollte, können wir uns hier nie mehr sehen lassen“, schmunzelt sie bei der Eröffnungsrede der CES.

Warum eröffnet ausgerechnet der Vorzeigekonzern der Unternehmens-IT eine Messe wie die CES, die ihre Wurzeln in der Konsumelektronik hat? Rometty war sich der Herausforderung bewusst und nahm die Zuhörer mit auf eine Reise in eine sich komplett verändernde Welt.

Die debattierende Künstliche Intelligenz in der Cloud ist kein Gag oder Selbstzweck. In einem Zeitalter, in dem Menschen, Kunden, Konsumenten immer öfter mit smarten Lautsprechern von Google, Amazon oder Apple reden, wird hier der praktische Nutzen schnell klar. Die Menschen wollen oder müssen mit diesen Maschinen in Zukunft ihre Probleme lösen.

Dafür müssen diese sie verstehen, die Probleme erkennen, analysieren und Lösungsansätze bieten und diese diskutieren. „Bringen sie heute mal einen der Lautsprecher nur dazu, vier Minuten zuzuhören“, scherzte Rometty und das Gelächter im Saal zeigte, dass die Zuhörer dem zustimmen. In vier Minuten muss ein Alexa-Speaker schon irgendwas verkauft haben.

In Zukunft wird ein Digitalassistent mit einer Künstlichen Intelligenz beim „Project Debater“ dem Kunden geduldig zuhören, Fragen stellen und aus den Vorlieben des Kunden dann herausfiltern, ob er wirklich ein iPhone will, oder vielleicht doch ein anderes Gerät.

Irgendwo ist immer Technologie im Hintergrund, das ist die Botschaft, die IBM vermitteln will und natürlich: IBM ist dabei. Das beginnt mit jedem Ticketkauf im Internet und geht bis zu Nahrungsmittelsicherheit im Supermarkt mit neuer Blockchain-Technologie, die Lieferketten nahtlos zurückverfolgt. So werden zum Beispiel Rückrufe in Zukunft anders ablaufen.

Heute noch muss ziemlich pauschal alles aus den Regalen geräumt werden, wenn ein Produkt kontaminiert ist. In Zukunft wird gezielt herausgesucht, so Charles Redfield von Walmart. Wenn IBM die brisanten Daten sozusagen als unabhängiger Dritter verwahrt, ist es kein Problem für die Branche, sie zu teilen. Die Konkurrenz erfährt nur das, was sie wissen muss, wenn es gilt zu handeln.

IBM will auch den Flugverkehr sicherer und bequemer machen. Das neue, GRAF genannte System (Global High-Resolution Atmospheric Forecasting System) werde den typischen Radius einer Wettervorhersage von heute 15 Kilometern auf drei Kilometer reduzieren, verspricht Rometty. Dazu verarbeiten Supercomputer auf IBM-Basis hunderttausende bisher unbeachtete Wetterdaten aus aller Welt und diversen Quellen und mit stündlichem Update.

Damit soll zum Beispiel deutlicher und schneller vorhersehbar sein, ob ein Flugzeug wegen Turbulenzen seine Route ändern muss. Hier zeigen sich erstmals deutlich die Möglichkeiten und Geschäftsmodelle, die sich aus der Akquisition des „Weather Channel“ erheben können. Wetter, so Rometty, ist einer der größten Einflussfaktoren auf Unternehmen und Geschäfte weltweit, nicht nur Landwirtschaft.

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