Telekom-Tochter 5.600 Stellen in Deutschland werden gestrichen – T-Systems-Chef setzt sich durch

Dem Sanierer Adel Al-Saleh gelingt ein Etappensieg. Der Betriebsrat genehmigt sein hartes Sparprogramm. Doch die schwierigste Aufgabe liegt noch vor ihm.
Update: 09.09.2018 - 18:34 Uhr 1 Kommentar
Die Telekom-Tochter steht vor einem drastischen Sanierungskurs. Quelle: picture alliance / ZB
Schutzhelme von T-Systems

Die Telekom-Tochter steht vor einem drastischen Sanierungskurs.

(Foto: picture alliance / ZB)

BonnBei der Mitarbeiterversammlung in der Bonner Zentrale der Deutschen Telekom brachte der neue Chef von T-Systems keine guten Nachrichten mit. Adel Al-Saleh war als knallharter Sanierer für die Telekom-Tochter in den Konzern geholt worden.

Nun gab er einen Vorgeschmack darauf, was das heißt. Al-Saleh kündigte im Juni den Abbau von 10.000 der insgesamt 37.000 Stellen an – davon rund 6.000 in Deutschland. Doch die Stimmung kippte damals nicht. Im Gegenteil, wenig später lachten die Mitarbeiter sogar über Al-Salehs Witze. Am Ende gab es Applaus. Allen war klar, dass sich etwas ändern muss. T-Systems steht seit Jahren unter Druck. Neues Wachstum muss generiert werden, und Kosten müssen gesenkt werden.

Nun wird klar, was Al-Salehs Ankündigungen bedeuten. Ein Kompromiss zwischen Arbeitgebern und Betriebsrat steht – zumindest für den Stellenabbau in Deutschland. Die Einigung sieht einen Abbau von etwa 5.600 Arbeitsplätzen vor.

Thomas Schneegans, Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied der T-Systems International GmbH, erläutert gegenüber dem Handelsblatt die Details: „Wir haben uns geeinigt, dass bis Ende 2020 insgesamt 3.765 Stellen abgebaut werden. Geht es T-Systems bis dahin nicht wirtschaftlich besser, könnten im Jahr 2021 weitere 1.200 Stellen gestrichen werden.“ Zudem hätten bereits einige Hundert Mitarbeiter das Unternehmen freiwillig in diesem Jahr verlassen.

Mit Macht und großem Tempo hat Al-Saleh den Umbau vorangetrieben. Der Amerikaner hat zum Teil das erreicht, was er sich selbst als Ziel gesetzt hatte. Statt der ursprünglich angepeilten 6.000 zu streichenden Stellen stehen noch 5.600.

Dafür machte Al-Saleh größere Zugeständnisse, den Abbau finanziell so stark wie möglich abzufedern. Und er schwächte die ursprünglich angepeilte Reduktion der Städte mit Standorten von mehr als 100 auf weniger als acht nun auf 25 Städte ab. Querschnittsfunktionen werden in Hamburg, Berlin, Bonn, Darmstadt, Frankfurt am Main, Leinfelden und München gebündelt.

Damit ist ihm ein wichtiger Durchbruch gelungen. „Die Einigung ist mehr als die halbe Miete“, urteilt Analyst Dhananjay Mirchandani vom US-Analysehaus Bernstein. Schließlich helfe sie Al-Saleh, die Kosten zu reduzieren und damit auch bei künftigen Ausschreibungen Produkte zu wettbewerbsfähigeren Preisen anzubieten. Damit steht der T-Systems-Chef jedoch vor der größten Herausforderung: neues Wachstum zu generieren.

Nur der erste Aufschlag

Der Weg dahin war relativ schnell, aber nicht einfach. In den Sommerferien tagten die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Dauereinsatz. „Wir haben drei Wochen lang ununterbrochen mit den Arbeitgebern in einem Hotel verhandelt – teilweise in sieben Teams parallel. Jetzt steht ein Kompromiss, der für beide Seiten nicht einfach war“, sagt Schneegans.

Ende August wurde der „Interessenausgleich und Sozialplan“ unterschrieben. In den nächsten Wochen werden sich die Mitarbeiter, zunächst vorwiegend aus der Verwaltung, im Rahmen eines Anbietungsverfahrens auf die neuen Stellen bewerben. „Es wird keinen Abschiebebahnhof geben. Mitarbeiter, die keinen Job mehr haben, bekommen Fortbildungen und ihr Gehalt weiter, bis sie eine neue Stelle gefunden haben“, sagt Schneegans.

Für Lothar Schröder, Aufsichtsrat der Telekom und Mitglied des Bundesvorstands von Verdi, ist der Konflikt mit dem Kompromiss aber noch nicht abschließend beendet: „Das Wesen der deutschen Mitbestimmung zielt darauf, Interesse zu befrieden. Das konnte mit Interessenausgleich nicht gelingen.“

Personal-Geschäftsführer Georg Pepping schreibt im Firmenblog: „Die eingesparten Kosten sollen zur Hälfte Investitionen in neue Wachstumsbereiche wie Cloud, Internet der Dinge und Sicherheit finanzieren.“ Insgesamt erwartet die Geschäftsführung eine Einsparung von 600 Millionen Euro. Schon zwischen 2014 und 2015 waren bei T-Systems fast 5.000 Stellen abgebaut worden.

 Die Einigung mit dem Betriebsrat ist jedoch nur Al-Salehs erster Aufschlag für den Umbau. Vergangene Woche wurden die Führungsteams unterhalb der Geschäftsführung neu besetzt – mit einem Viertel weniger Stellen als bisher, wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfuhr.

Derzeit wird über die Kandidaten für die Geschäftsführung entschieden. Am Ende sollen zwischen 30 und 40 Prozent weniger Management-Positionen bestehen. Von acht Hierarchieebenen sollen noch drei bis fünf übrig bleiben. Von 1.500 Organisationseinheiten sollen lediglich 500 bestehen bleiben.

Steigender Auftragseingang

Mit Beginn des kommenden Jahres soll die neue Struktur starten. Al-Saleh gliedert das Geschäft in elf Bereiche. Neben klassischen IT-Diensten und den Kernbereichen Festnetz und Mobilfunk soll es acht Wachstumseinheiten geben. Dazu werden IT-Sicherheit, SAP-Dienste, das Cloudgeschäft, aber auch Gesundheitsdienste gehören.

Doch mit der Neuorganisation muss Al-Saleh erst den Beweis antreten, dass er damit auch Wachstum generieren kann. T-Systems hatte sich über Jahre auf die Übernahme ausgelagerter IT-Abteilungen von Großkonzernen konzentriert. Das Geschäft wirft aber kaum Gewinne ab.

Globale Konzerne bieten die Dienste oft zu geringeren Kosten an. Regionale Spezialfirmen können ihre Produkte noch genauer auf Kunden zuschneiden. Deshalb will sich Al-Saleh aus diesem Geschäft zurückziehen. Zum Jahresanfang hatte der Industriekonzern Thyssen-Krupp einen Sieben-Jahres-Vertrag mit T-Systems storniert. Bei Innogy, der Tochter des Energieversorgers RWE, verzichtet T-Systems darauf, sich auf eine Neuausschreibung zu bewerben.

Zuletzt konnte T-Systems wieder einen steigenden Auftragseingang bekanntgeben. Mit 1,8 Milliarden Euro lag T-Systems hier im zweiten Quartal mehr als 40 Prozent höher als im Vorjahr. Grund war vor allem ein Großauftrag der Sparda-Gruppe.

Im August konnte T-Systems mit der DZ Bank einen weiteren Großauftrag für IT-Sicherheit bekanntgeben. Zusammen mit der Fiducia & GAD IT AG wird der Cyber-Sicherheitsbereich der T-Systems rund um die Uhr eine IT-Sicherheitszentrale für die DZ Bank betreiben, mit dem Potenzial, das Geschäft auf sämtliche Volksbanken auszuweiten. „Im Sicherheitsbereich kann T-Systems punkten“, meint Bernstein-Analyst Mirchandani.

Doch nicht immer zieht das Argument „Cybersicherheit made in Germany“. Microsoft gab vergangene Woche bekannt, das Treuhändermodell der „Deutschen Cloud“ zusammen mit T-Systems einzustellen. Künftig sollen Dienste wie Office 365 wieder rein auf Servern von Microsoft lagern, ohne dass die T-Systems als Treuhänder fungiert. Die Nachfrage sei nicht groß genug gewesen, begründete Microsoft die Entscheidung.

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1 Kommentar zu "Telekom-Tochter: 5.600 Stellen in Deutschland werden gestrichen – T-Systems-Chef setzt sich durch"

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  • Na da räumt ja nun mal ein neuer Chef bei TSI kräftig auf! Da wird wohl nun wenig Platz für überbezahlte ex-Postdirektorinnen mit 24-30 Tagen im Jahr "krank feiern" & Pseudo-"Produktmanagerinnen" mit kaum Kenntnissen über die TSI-Produkte bleiben!??? TSI ist nun keine "Fluchtnische" für ausrangierte & leistungsschwache "Alt-Telekomerinnen" mehr....

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