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Demonstration von katalanischen Separatisten im Februar 2019

Mitarbeiter von T-Systems sollen mit der katalanischen Regierung Pläne für eine IT-Infrastruktur in einem neuen katalanischen Staat entwickelt haben.

(Foto: AFP)

Telekom-Tochter „Der deutsche Gigant, der Spanien verraten hat“ – T-Systems gerät unter Druck

Laut Polizeiberichten haben offenbar Mitarbeiter des Konzerns an der IT-Infrastruktur für eine katalanische Republik gearbeitet. T-Systems widerspricht.
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Madrid, DüsseldorfDie Deutsche Telekom steht in Spanien unter Beschuss. Mehrere spanische Medien zitieren aus Unterlagen der spanischen Polizei Guardia Civil, wonach Mitarbeiter der Großkundentochter T-Systems in Katalonien an den Vorbereitungen für eine illegale, von Spanien unabhängige katalanische Republik beteiligt waren.

„Es gibt keinen Zweifel an der Absicht von T-Systems (TS), am Prozess teilzunehmen“, heißt es etwa in einem Bericht der Guardia Civil, aus dem die spanische Online-Zeitung „El Confidencial“ zitiert.

Gemeint ist der illegale katalanische Unabhängigkeitsprozess, der seinen Höhepunkt im Herbst 2017 mit einem verbotenen Referendum und der anschließenden Ausrufung der katalanischen Republik hatte. Das Unabhängigkeits-Referendum verstößt gegen die spanische Verfassung.

Mitarbeiter von T-Systems in Katalonien sollen trotzdem mit der Regionalregierung in Barcelona Pläne für eine IT-Infrastruktur in einem neuen katalanischen Staat entwickelt haben. Dazu gehörten etwa katalanische Personalausweise, ein katalanisches Finanzamt oder ein Wahlregister.

Die Information über die Telekom-Tochter hat die Guardia Civil den Berichten zufolge in Dokumenten gefunden, die sie bei der Durchsuchung von Büros bei T-Systems im September 2017 beschlagnahmt hatte. Wie das Handelsblatt berichtete, hat sie damals auch die spanische T-Systems-Managerin, Rosa María Rodríguez Curto, kurzzeitig festgenommen. Sie ist heute noch bei T-Systems.

Die Telekom-Tochter war den spanischen Ermittlern bereits zuvor aufgefallen: Als das Verfassungsgericht im Jahr 2014 eine geplante Volksbefragung zur Trennung von Spanien ebenfalls für unrechtmäßig erklärte, erkundigte sich T-Systems schriftlich bei der katalanischen Regierung, ob sie dennoch weiter mit den vereinbarten Arbeiten fortfahren solle. Diese antwortete zwei Tage vor der Befragung am 9. November 2014, die Arbeiten von T-Systems würden vom Urteil nicht berührt und sollten weiterlaufen.

Just dieser Schriftwechsel galt später im Prozess gegen die damalige Regierung in Barcelona als Beweis, dass sie Aufträge für die verbotene Befragung erteilt hatte. Der damalige Regierungssprecher Francesc Homs, der die Anfrage von T-Systems beantwortet hatte, wurde mit einem zweijährigen Berufsverbot sowie einer Geldstrafe belegt.

Enge Verbindung zwischen Barcelona und T-Systems

T-Systems wurde in dem Prozess vor dem Obersten Gericht in Katalonien nach eigenen Angaben freigesprochen. „Wir haben nur den Vertrag mit dem Kunden erfüllt“, erklärte ein Sprecher damals. Welche Arbeiten genau T-Systems bei der Volksbefragung durchgeführt habe, dürfe er nicht sagen, da der Inhalt von Verträgen mit Kunden vertraulich sei.

Die Verbindungen zwischen der Telekom-Tochter und der katalanischen Regierung sind seit jeher eng und gehen auf das Jahr 1998 zurück, als das IT-Zentrum der Regierung in Barcelona (Cigesa) privatisiert wurde. Käufer war die IT-Sparte von Daimler-Chrysler, Debis Systemhaus. An der übernahm die Telekom im Jahr 2000 die Mehrheit, ein Jahr später kaufte sie die restlichen Anteile.

Zu den aktuellen Vorwürfen erklärt T-Systems: „Die Verwaltung in Barcelona ist seit rund 20 Jahren Kunde von T-Systems Iberia.“ Das Unternehmen habe alle Aufträge bei öffentlichen Ausschreibungen gewonnen. „Es ist selbstverständlich, dass wir die vertraglich geschuldeten Leistungen aus diesen in Ausschreibungsverfahren gewonnenen Aufträgen erfüllen“, sagte ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt.

Der Sprecher bestätigte, dass es 2017 ein Treffen zwischen dem damaligen T-Systems-Chef Reinhard Clemens und dem damaligen Regierungschef Carles Puigdemont gab. „Das kurze Treffen mit Puigdemont fand im Rahmen eines regelmäßigen Besuchs von Reinhard Clemens bei unserer spanischen Niederlassung T-Systems Iberia statt“, sagte der Sprecher. „Reinhard Clemens hatte damals selbst auch auf seinem Twitter-Kanal darüber etwas veröffentlicht.“

T-Systems kooperiere mit den Beamten in Spanien, betonte der Firmensprecher: „T-Systems Iberia arbeitet mit den Untersuchungsbehörden zusammen, damit die zügige Lösung des Verfahrens die ordnungsgemäße Einhaltung der Verträge und Dienstleistungen für die Generalitat of Catalunya klärt.“ Die Guardia Civil wollte sich auf Anfrage nicht zum aktuellen Stand der Ermittlungen äußern.

2017 stand nach Angaben von „El Mundo“ die Erneuerung von Verträgen in Höhe von 427 Millionen Euro zwischen der katalanischen Regierung und T-Systems an. Clemens sei deshalb am 30. Juni nach Barcelona gereist und habe sich mit Puigdemont und dessen Vize Oriol Junqueras getroffen.

Bund ist größer Aktionär

Puigdemont ist kurz nach der Ausrufung der katalanischen Republik nach Belgien geflohen, Junqueras wird derzeit mit elf weiteren Separatisten in Madrid der Prozess gemacht. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft.

Zum Zeitpunkt von Clemens‘ Besuch war der Konflikt zwischen Barcelona und Madrid bereits eskaliert: Die separatistische katalanische Regierung hatte Anfang Juni zwei Gesetze verabschiedet, die die Grundlage für das damals von Rajoy strikt abgelehnte Referendum und die Gründung einer katalanischen Republik schufen. Laut „El Confidencial“ musste der Iberia-Chef von T-Systems, Osmar Polo, zudem just am Tag von Clemens‘ Besuch als Zeuge bei der Guardia Civil aussagen.

T-Systems schreibt seit Jahren Verluste. Ende 2017 musste Clemens gehen. Seitdem hat der US-Amerikaner Adel Al-Saleh die Führung der defizitären Großkundentochter der Telekom übernommen. In einem großen Sparprogramm sollen bis zu 10.000 Stellen gestrichen werden. Ab dem kommenden Jahr soll T-Systems dann wieder profitabel sein, kündigte Al-Saleh an.

Pikant ist der Vorfall in Spanien auch deshalb, weil der Bund immer noch größter Aktionär der Telekom ist. Die Bundesregierung hat Spanien – ebenso wie alle übrigen EU-Mitglieder – im Konflikt mit den katalanischen Separatisten stets unterstützt.

Die negative Presse dazu ist dem Konzern in Spanien sicher: „Der deutsche Gigant, der Spanien verraten hat: Der geheime Pakt zwischen T-Systems und Puigdemont“ titelte etwa „El Confidencial“ am Sonntag.

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