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Generation Mobildaten

Hohe Erwartungen an 5G, aber wenig Bereitschaft, dafür mehr zu bezahlen.

(Foto: Getty Images)

Telekombranche 5G wird für die Mobilfunker zu einem teuren Problem

Telekom, Vodafone und Telefónica wollen viel Geld in den neuen Mobilfunkstandard stecken. Doch die Kunden sind wohl nicht bereit, deutlich mehr Geld dafür zu zahlen.
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DüsseldorfDie Mobilfunkbetreiber in Deutschland wollen in den nächsten Jahren massiv in den Ausbau des neuen Standards 5G investieren. Um die Kosten wieder einzuspielen, müssen sie aber noch viel Überzeugungsarbeit leisten: Die Zahlungsbereitschaft unter Smartphone-Nutzern in Deutschland ist bislang gering, wie eine Studie des Technologieverbands Bitkom zeigt.

Demnach wären 39 Prozent der Befragten nicht bereit, für einen 5G-Vertrag mehr zu bezahlen. 25 Prozent würden bis zu zehn Euro drauflegen, weitere 31 Prozent zehn bis 20 Euro. Die durchschnittliche Zahlungsbereitschaft liegt bei fünf Euro zusätzlich. Das zeigt eine Umfrage unter 800 Smartphone-Nutzern anlässlich der Mobilfunkmesse Mobile World Congress (MWC), die am Montag beginnt.

Die Mobilfunk-Kunden in Deutschland wollen zwar mehr Leistung, doch sie sind kaum bereit für Mehrzahlungen. „Der Trend zu einer größeren Datennachfrage ist ungebrochen“, sagte Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas am Mittwoch bei der Vorstellung der Bilanz des Mobilfunkbetreibers.

Demnach sei im vierten Quartal 2018 der durchschnittliche Datenkonsum je O2-Kunde im 4G-Netz auf 4,1 Gigabyte pro Monat gestiegen. Im Vorjahreszeitraum lag der Wert noch bei 2,8 Gigabyte.

Für die Netzbetreiber spielen die Verträge mit Mobilfunknutzern eine wichtige Rolle, sie tragen in der Regel deutlich mehr als die Hälfte zum Umsatz bei. Allerdings ist der neue Standard noch nicht verfügbar, der Nutzen bislang nur abstrakt. In Deutschland wird die Bundesnetzagentur ab Mitte März die nötigen Frequenzen versteigern, wenn Eilanträge von Vodafone und Telefónica das Verfahren nicht noch verzögern.

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Um die Zahlungsbereitschaft zu erhöhen, seien konkrete neue Dienste nötig, sagte Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Deutschland und Mitglied des Bitkom-Präsidiums, am Mittwoch. Als Beispiel nannte er den Einsatz von Virtual Reality im Unterricht – Schüler sollen mit einer Datenbrille beispielsweise die Pyramiden in Ägypten von innen sehen können. 5G ermögliche solche Anwendungen ohne Kabel.

Zahlungsbereitschaft im Massenmarkt begrenzt

Er sei zuversichtlich, dass neue Dienste entstehen und die Netze gebraucht werden – etwa in der vernetzten Industrie oder im Smarthome. Es gebe eine Entwicklung von Produkten zu Dienstleistungen: Statt ein Auto zu kaufen, könne man einen Mobilitätsservice nutzen. „Wir leiden nicht darunter, dass die Nachfrage nicht da wäre – bei den Daten gibt es ein exponentielles Wachstum“, betonte der Manager.

Im Massenmarkt mit schnellen Internetzugängen sei die Zahlungsbereitschaft begrenzt, bestätigt Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Ein Aufschlag von fünf Euro pro Monat sei angesichts eines durchschnittlichen Umsatzes von rund 15 Euro sogar schon viel.

„Der 5G-Markt wird sich erst mal im Geschäftssegment entwickeln, dort müssen die Mobilfunkbetreiber mit den Kunden zusammenkommen“, sagt der Experte. Dazu zählt er zum Beispiel die Industrie 4.0, neue Anwendungen im Gesundheitswesen oder die vernetzte Mobilität.

Die fünfte Mobilfunkgeneration ermöglicht deutlich höhere Datenraten, ein Kinofilm lässt sich damit – im Idealfall – innerhalb einer Sekunde laden. Die Technologie reagiert extrem schnell, was beispielsweise bei der Steuerung von Industrieanlagen wichtig ist. Zudem ist sie vergleichsweise energieeffizient.

Die Mobilfunkunternehmen stehen jedoch noch vor weiteren Herausforderungen. Noch ist unklar, ob die Versteigerung der Frequenzen für 5G in Deutschland überhaupt wie geplant in der zweiten Märzhälfte stattfinden kann. Telefónica hatte mit einem Eilantrag gegen die Auktion geklagt. Nun muss zunächst das Verwaltungsgericht in Köln entscheiden.

Telefónica unter Druck

Markus Haas verteidigte den Schritt. „Die bestehende Rechtsunsicherheit ist Gift für die notwendigen massiven Investitionen in den künftigen Netzausbau“, sagte der Telefónica-Chef. „Milliardeninvestitionen können nicht auf Basis unklarer Regeln getätigt werden.“

Haas steht unter Druck. Die um Regulierungseffekte bereinigten Umsatzerlöse von Telefónica stagnierten im vergangenen Jahr bei 7,3 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Hohe Abschreibungskosten belasten das Unternehmen. Der Umsatz im Festnetzgeschäft ging zurück. Unter dem Strich stand für das Jahr 2018 ein Verlust von 230 Millionen Euro.

Der Netzausbau stellt nicht nur Telefónica, sondern auch die anderen Betreiber vor große Herausforderungen. Deutschland hängt im Ausbau des schnellen Internets per Glasfaser zurück. Glasfaser ist für den 5G-Ausbau wichtig, da Antennenstandorte nur für den Echtzeitmobilfunk aufgerüstet werden können, wenn sie per Glas mit schnellen Datenverbindungen versorgt werden.

Gleichzeitig ist es das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2025 jedem Bürger einen rechtlich abgesicherten Anspruch auf schnelles Internet zu sichern. Dazu soll etwa der Ausbau von Glasfaser bis ans Haus gefördert werden. Doch schon heute werden Subventionen für den Glasfaserausbau nicht immer abgerufen.

Um das künftig zu ändern, spricht sich der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) dafür aus, Gebäudeeigentümer mit Gutscheinen zu versorgen, die Firmen in Fördermittel umwandeln können. Laut einer vom Breko in Auftrag gegebenen Studie, die dem Handelsblatt vorab vorliegt, würden die Gutscheine dazu führen, dass Subventionen effizienter verteilt werden können.

Mehr: Die Schweiz macht vor, wie der 5G-Ausbau richtig geht. Nach der erfolgreichen Auktion sollen bis Jahresende die ersten Städte erschlossen werden.

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