Telekommunikation Deutsche Telekom will beim 5G-Netzausbau mit der Konkurrenz zusammenarbeiten

Die Kosten für den Aufbau eines flächendeckenden 5G-Netzes sind immens. Die Telekom will sie auf mehreren Schultern verteilen – und setzt auf Kooperation statt Konfrontation.
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„Wir werden jedes Jahr 5,5 Milliarden Euro nur in Deutschland investieren“

BerlinDie Deutsche Telekom will beim Ausbau der Infrastruktur für den neuen Mobilfunkstandard 5G mit der Konkurrenz zusammenarbeiten. Der Konzern kündigte am Donnerstag an, alle Mobilfunkmasten „im ländlichen Bereich und entlang der Verkehrswege“ für andere Anbieter zu öffnen.

„Dies beschleunigt den Netzausbau und macht insbesondere den Ausbau im ländlichen Bereich einfacher und wirtschaftlicher“, erklärte der Anbieter auf seinem Netzetag in Berlin, auf dem er Pläne zum Ausbau seiner Infrastruktur in den nächsten Jahren erläuterte. Details zu den Mietbedingungen machte er zunächst nicht öffentlich. Diese dürften allerdings von Standort zu Standort unterschiedlich sein.

Bereits am Montag hatten Telekom und Telefónica eine umfangreiche Kooperation beim Netzausbau angekündigt: Die deutsche Tochtergesellschaft des spanischen Konzerns lässt mindestens 5000 Mobilfunkstandorte an das Glasfasernetz des deutschen Marktführers anschließen. Weitere Deals sind abzusehen: Telefónica-Chef Markus Haas hatte kürzlich angekündigt, mit allen Akteuren kooperieren zu wollen.

Dass Konkurrenten, die sich gelegentlich öffentlich streiten, nun beim Netzausbau zusammenarbeiten, liegt an den hohen Kosten für den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G. Die Anbieter müssen ihr Netz an Sendestationen ausbauen, die bestehenden Anlagen aufrüsten und schnelle Leitungen für den Weitertransport der Daten legen.

Gerade Letzteres ist wichtig: 5G verspricht den Transport großer Datenmengen mit kurzen Übertragungszeiten und geringen Verzögerungen – und damit neue Anwendungen, etwa im Verkehr oder der Telemedizin. Theoretisch sind Geschwindigkeiten von bis zu 10.000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich. Zum Vergleich: Heute haben nur wenige Haushalte mehr als 100 Mbit/s.

Die Deutsche Telekom legte erstmals konkrete Pläne für den 5G-Ausbau offen: Sie will bis 2025 99 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent der Fläche in Deutschland mit dem neuen Standard versorgen und damit auch große Teile der Wälder und Äcker abdecken. Auch Trecker, so Telekom-Chef Timotheus Höttges, seien heute vernetzt –ein Verweis auf die vernetzte Landwirtschaft.

Der Konzern will in den nächsten Jahren jeweils 2000 neue Sendestationen aufstellen, vor allem um Funklöcher zu schließen. „Es ist schnell gesagt: Das Netz ist schlecht“, sagte Höttges. Er selbst ärgere sich über jeden abgebrochenen Anruf. Die Regulierung erschwere allerdings den Ausbau, etwa durch hohe Kosten für die Frequenzversteigerung – ein Argument, das der Manager und die Kollegen von Vodafone und Telefónica in diesem Zusammenhang immer wieder anführen.

Höttges kündigte zudem an, beim Netzausbau stärker mit der Industrie zusammenarbeiten zu wollen: „5G wird Bestandteil der Wertschöpfung“ – etwa in vernetzten Autos oder der Industrie 4.0. Bislang kenne sein Unternehmen die Anforderungen der Kunden jedoch nicht genau genug. Bei einer Anwenderkonferenz sollen Unternehmen sich am Aufbau einer standardisierten Plattform beteiligen können. „Wir wollen gemeinsam mit der Industrie diese Hochleistungs-Infrastruktur bauen“, so die Losung.

Der Konzern reagiert damit auf Überlegungen etlicher Firmen, selbst regionale 5G-Netze aufzubauen, darunter Dax-Konzerne wie Daimler, Volkswagen, Siemens und BASF. Sie befürchten, dass die großen Anbieter ihren Bedarf nicht ausreichend abdecken. Nun soll die Industrie ihre Qualitätsanforderungen, etwa in Sachen Bandbreite und Latenz, bei der Telekom anmelden dürfen.

  • chk
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