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Telekommunikation Neue beste Freunde – Telekom und Telefónica kooperieren beim Netzausbau

Auf dem Mobilfunkmarkt in Deutschland zeichnet sich ein Wandel ab. Statt beim Breitbandausbau eigene Wege zu gehen, verbünden sich die Anbieter.
08.10.2018 - 17:30 Uhr Kommentieren
Die Glasfasertechnologie ist das Rückgrat für den neuen Mobilfunkstandard. Quelle: dpa
Glasfaserverlegung

Die Glasfasertechnologie ist das Rückgrat für den neuen Mobilfunkstandard.

(Foto: dpa)

Die Zeiten, in denen die drei Mobilfunkanbieter in Deutschland vor allem durch öffentliche Schlagabtausche aufgefallen sind, scheinen fürs Erste vorbei: Am Montag verkündete Telefónica, mindestens 5.000 Mobilfunkstandorte, also Antennen und Masten, von der Deutschen Telekom an deren Glasfasernetz anschließen zu lassen. Auch der Ausbau eines Pilotprojekts mit Vodafone wird diskutiert.

Die neuen Freundschaften kommen nicht von ungefähr: Der Breitbandausbau in Deutschland ging lange nur schleppend voran – auch weil die Unternehmen versuchten, ihren eigenen Weg zu gehen, statt einen gemeinsamen Weg zu finden. Das soll beim Ausbau des nächsten Mobilfunkstandards 5G nicht wieder passieren. Das neue Netz verspricht neue Geschäftsmodelle, besonders in der Industrie, und wird deswegen vonseiten der Politik mit Nachdruck gefordert.

Also wollen die Unternehmen nun doch stärker kooperieren. Die Telekom hat sich etwa mit dem norddeutschen Anbieter EWE auf einen gemeinsamen Glasfaserausbau verständigt. Mobilfunkanbieter Telefónica geht einen anderen Weg: Er nutzt andere Anbieter verstärkt als Dienstleister und lässt von anderen Unternehmen die eigenen Masten an die Glasfaser anschließen. Weil Telefónica kaum über ein eigenes Festnetz verfügt, ist das für das Unternehmen der gangbarste Weg. Und den muss es beschreiten: Bei 5G ist es wichtig, dass die Daten vom Mast über Glasfaserkabel weitergeleitet werden, da sonst die versprochenen hohen Bandbreiten und kurzen Übertragungszeiten kaum eingehalten werden können.

Finanzielle Details zur Kooperation geben die Unternehmen nicht bekannt. Nach Einschätzung von Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, handelt es sich aber mindestens um einen zweistelligen jährlichen Millionenbetrag, den Telefónica künftig an die Telekom überweist. Für die beiden Unternehmen sei es eine „Win-win-Situation“, sagte er dem Handelsblatt. „Die Telekom lastet ihre Infrastruktur besser aus, während Telefónica Qualitätslücken im eigenen Netz reduzieren kann, ohne langfristige Investitionen tätigen zu müssen.“

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Standort erkennen

    Seit der im Oktober 2014 abgeschlossenen Übernahme von E-Plus ist Telefónica Deutschland mit mehr als 45 Millionen Kunden zwar der größte Mobilfunkanbieter, hinkt aber bei der Netzqualität deutlich den Konkurrenten Deutsche Telekom und Vodafone hinterher. Beim Test des anerkannten Fachmagazins „Connect“ bekommt der Anbieter regelmäßig schlechte Noten, sowohl für Sprachverbindungen als auch für die Datenübertragung, zuletzt im November 2017.

    Grafik

    „Der spanische Mutterkonzern hält das Investitionsbudget knapp“, meint Gerpott. Die deutsche Landesgesellschaft müsse daher den Netzausbau mit beschränkten Mitteln vorantreiben. „Eine Möglichkeit besteht darin, Glasfaserleitungen anzumieten.“ An die Stelle hoher langfristiger Investitionsausgaben treten regelmäßige niedrige Betriebskosten. „Damit ist der Ausbau besser skalierbar“, sagt Gerpott. Sprich: Er geht schneller.

    Noch ein weiter Weg

    Allerdings: Bis Telefónica alle Mobilfunkstandorte an das Glasfasernetz angeschlossen hat, wird es noch dauern. Am Jahresende, wenn das Unternehmen die Integration der Netze von E-Plus und O2 abgeschlossen hat, hat es 26.000 Standorte in Deutschland. Das relativiert die 5.000 aus dem Deal mit der Telekom. Aber die Bonner sind nicht die Einzigen, mit denen Telefónica kooperiert. Schon im April verkündeten die Münchener, der Glasfaserbetreiber NGN Fiber Networks werde 1.500 Mobilfunkstationen für sie an das schnelle Netz anschließen.

    Weil auch das noch lange nicht reicht, sei das Unternehmen bereits in Gesprächen mit weiteren Kooperationspartnern, sagte ein Telefónica-Sprecher dem Handelsblatt. CEO Markus Haas hatte im August erklärt, es gehe darum, mit allen Akteuren im Markt Kooperationen einzugehen. Bis Ende 2022 sollen bis zu 70 Prozent der Standorte am Glasfasernetz hängen.

    Nach Angaben der Deutschen Telekom läuft die Vereinbarung bis in die „frühen 2030er-Jahre“, also mindestens zwölf Jahre. Die Kooperation hilft auch der Telekom: Sie hat in den vergangenen Jahren massiv in den Ausbau von Glasfaserleitungen investiert. Diese erreichen zwar noch nicht viele Haushalte – hier bevorzugt der Staatskonzern das Vectoring-Verfahren, bei dem er alte Kupferkabel aufrüstet. Im Kernbereich des Netzes, dem sogenannten Backbone, ist der Ausbau jedoch weit vorangeschritten.

    Diese Infrastruktur lastet der Telekommunikationsriese nun besser aus. „Die Ressourcen, die wir dadurch einsparen, werden wir konsequent in den weiteren Netzausbau und die Entwicklung von 5G investieren“, sagte Dirk Wössner, der das Deutschlandgeschäft der Telekom verantwortet

    Für die beiden Unternehmen ist es nicht die erste Kooperation. Bereits 2011 vereinbarten sie, dass die Telekom Basisstationen von Telefónica an ihr Netz anbindet – damals ging es um knapp 2 000 Anlagen. Zudem übernahm der deutsche Konzern 2015 rund 7.700 Sendestationen des spanischen Konkurrenten, als der nach der Übernahme von E-Plus überflüssige Kapazitäten loswerden musste. An der Konkurrenz um Kunden ändert die Kooperation bei der Technik allerdings nichts.

    Auch mit Vodafone hat Telefónica ein gemeinsames Projekt – allerdings hat das Unternehmen dabei einen deutlich aktiveren Part: Die beiden bauen gemeinsam Mobilfunkstationen aus. Die ersten zwei sind bereits fertiggestellt. Bis nächsten Sommer sollen es 100 sein, die sie gemeinsam nutzen. Derzeit sei die konkrete Erweiterung des Projekts auf 2.000 oder mehr gemeinsam angebundene Stationen im Gespräch, erklärte Vodafone dem Handelsblatt.

    Die Zeit drängt

    Die Zeit drängt: Schon 2020 soll es erste kommerzielle Anwendungen mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G geben – und noch sind die dafür notwendigen Frequenzen nicht mal vergeben. Bis zum Ende der Woche können Unternehmen Stellungnahmen zu einem Vorschlag der Bundesnetzagentur abgeben, wie die Verteilung aussehen soll. Die drei großen Anbieter sind unzufrieden, weil regionale Unternehmen und Anbieter einen Teil der Frequenzen zugeteilt bekommen sollen. Das empfinden sie als ungerecht. Erst Ende November wird die Entscheidung gefällt.

    Die Glasfasertechnologie ist das Rückgrat für den neuen Mobilfunkstandard. Quelle: dpa
    Glasfaserverlegung

    Die Glasfasertechnologie ist das Rückgrat für den neuen Mobilfunkstandard.

    (Foto: dpa)

    Es ist allerdings seit Langem klar, dass für 5G die Mobilfunkmasten an Glasfasernetze angeschlossen sein müssen. Derzeit funken noch viele Masten über Richtfunk die Daten weiter, das reicht für den neuen Standard nicht.

    Ob nun die neue Kooperationsfreude angesichts der langen Ausbauzeiten nicht doch zu spät kommt, wird sich zeigen müssen.

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