Telekommunikationsunternehmen Großbaustelle T-Systems – auf die Telekom kommt ein heißer Herbst zu

Die Deutsche Telekom hebt ihre Prognose an. Doch die harte Phase des Umbaus bei T-Systems steht noch bevor. Eine neue Strategie soll helfen.
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T-Systems ist zurzeit das Problemkind der Deutschen Telekom. Doch sie kann es sich leisten. Quelle: picture alliance
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T-Systems ist zurzeit das Problemkind der Deutschen Telekom. Doch sie kann es sich leisten.

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DüsseldorfFür die Deutsche Telekom gibt es zwei Welten. Auf der einen Seite steht das sichere Kerngeschäft mit Mobilfunk, Festnetz und TV, das sich in Deutschland und Europa solide entwickelt. Die Tochter T-Mobile US hat sich zudem vom Problemkind zum Wachstumsgaranten gemausert.

Auf der anderen Seite steht T-Systems als Großbaustelle des Magenta-Konzerns. „T-Systems ist das letzte Segment, das noch nicht wächst“, sagte Telekom-Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt am Donnerstag bei der Vorstellung der Quartalszahlen. Mit massiven Kosteneinsparungen und einem Fokus auf neue Geschäftsfelder soll der Bereich profitabel gemacht werden.

Zumindest konnte Dannenfeldt gute Nachrichten bekanntgeben: „Sehr positiv hat sich – wie schon in den ersten drei Monaten – der Auftragseingang entwickelt.“ Mit 1,8 Milliarden Euro lag T-Systems hier im zweiten Quartal mehr als 40 Prozent höher als im Vorjahr. Grund ist vor allem ein Großauftrag der Sparda Gruppe. Die Telekom-Tochter übernimmt für die Bankengruppe die IT-Infrastruktur und den IT-Betrieb.

Doch dem neuen Großauftrag stehen auch etliche auslaufende Verträge gegenüber. „Da gibt es ganz viele“, räumte Dannenfeldt ein. Es gehört zur Strategie des neuen T-Systems-Chefs Adel Al-Saleh, sich ganz bewusst aus bestimmten Bereichen herauszuziehen. Dazu gehört etwa die Wartung von PC-Arbeitsplätzen. Bei Innogy, der Tochter des Energieversorgers RWE, verzichtet T-Systems darauf, sich auf eine Neuausschreibung zu bewerben.

„Der Auftrag, den Innogy jetzt neu ausgeschrieben hat, läuft regulär zum Jahresende aus. Wir haben ihn 2013 von RWE bekommen. Es ging um 40.000 PC-Arbeitsplätze“, sagte ein T-Systems-Sprecher. Zum Jahreswechsel hatte bereits der Industriekonzern Thyssen-Krupp einen Sieben-Jahres-Vertrag mit T-Systems storniert.

Zum Plan von Al-Saleh gehört nicht nur der Abschied von renditeschwachen Geschäftsfeldern. Er will auch massiv Personal einsparen. In Deutschland sollen 6.000 Stellen abgebaut werden, davon 2.000 noch in diesem Jahr. Von den derzeit 230 Niederlassungen in der Bundesrepublik sollen wahrscheinlich nur noch 20 erhalten bleiben.

Die Arbeitgeber hätten eine „klare Ansage“ gemacht, um T-Systems auf einen positiven Weg zu bringen, sagte Dannenfeldt. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern liefen. Zu den Details wollte er sich jedoch nicht äußern.

Al-Saleh steht seine Bewährungsprobe bevor

Die Gewerkschaften bringen sich bereits in Stellung. „Nach der Sommerpause werden wir den Druck erhöhen“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied und Telekom-Aufsichtsratsvize Lothar Schröder dem Handelsblatt. Mit ersten Protesten habe Verdi bereits das Streikpotenzial ausgelotet. „Ich war überrascht zu sehen, wie groß die Bereitschaft unter den Beschäftigten ist, die Arbeit niederzulegen“, sagte Schröder.

Eine Auseinandersetzung im Herbst dürfte die entscheidende Bewährungsprobe für Al-Sahles Umbaupläne werden. Bis 2021 will er 600 Millionen Euro einsparen. Das schwierige IT-Geschäft will er mit Cloud-Angeboten und Sicherheitslösungen sowie der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland profitabel machen.

Doch das wird dauern. Für das zweite Quartal musste T-Systems erneut einen Umsatzrückgang bekanntgeben – um 0,8 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis (Ebitda) ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um elf Prozent auf 121 Millionen Euro zurück.

Allerdings kann sich die Deutsche Telekom derzeit ein Problemkind wie T-Systems leisten. Trotz des im Verhältnis zum US-Dollar starken Euros, der einen negativen Wechselkurseffekt von etwa zehn Prozent zur Folge hatte, hob der Konzern seine Gewinnerwartung ans Gesamtjahr um 100 Millionen Euro auf 23,4 Milliarden Euro an.

Das Ebitda blieb mit 5,9 Milliarden Euro weitgehend stabil und lag damit über den Analystenerwartungen. Der Umsatz ging wegen des starken Euros um 2,8 Prozent auf 18,4 Milliarden Euro zurück. Werden die Wechselkurseffekte herausgerechnet, kann die Telekom ein Umsatzplus von 1,3 Prozent und einen Anstieg des bereinigten Ergebnisses von 3,9 Prozent verbuchen.

Die Daten stimmten zuversichtlich, kommentierten Dhananjay Mirchandani und Alexander Irving vom US-Analysehaus Bernstein. „Deutschland war solide wie immer“, schrieben die Analysten unter Verweis auf deutlich gestiegene Kundenzahlen bei Breitbandzugängen und Mobilfunk. Das sichere Geschäft soll die Basis für den T-Systems-Umbau bilden.

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