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Thomas Vollmoeller

Der Xing-Chef will das Karrierenetzwerk zur Marke für die neue Arbeitswelt machen.

(Foto: Xing)

Thomas Vollmoeller im Interview „Eine neue Generation verändert die gesamte Arbeitswelt“

Xing ist in den ersten neun Monaten erneut stark gewachsen. Im Interview erklärt Chef Thomas Vollmoeller den Wandel vom reinen Karrierenetzwerk hin zur Servicemarke.
1 Kommentar

HamburgMit aktuell über 15 Millionen Nutzern hat das Karrierenetzwerk Xing den Vorsprung gegenüber US-Konkurrent Linkedin erneut weiter ausgebaut, der zuletzt 12 Millionen Nutzer in Deutschland vermeldete. Beim Umsatz legte Xing in den ersten neun Monaten 2018 um 26 Prozent auf rund 170 Millionen Euro zu.

Xing-Chef Thomas Vollmoeller setzt seit Jahren besonders auf den Markt mit E-Recruiting, also das Geschäft mit der Vermittlung und Abwicklung von digitalen Jobangeboten. Vollmoeller sieht sein Unternehmen da deutlich in Führung: „Bei dem Personalgeschäft mit über 20.000 Kunden sind wir viel stärker als die Konkurrenz. Das liegt eben auch daran, dass wir so viele Mitarbeiter aus den mittleren Ebenen der Unternehmen auf der Plattform haben“, so der Xing-Chef im Handelsblatt-Interview.

Chefs seien auch eine interessante Zielgruppe, machten aber eben nicht die Masse aus. Dabei ist er auch davon überzeugt, dass anders als bei privaten Netzwerken, nicht das Gesetz des Stärkeren gilt: „Ich glaube, berufliche Plattformen können lange nebeneinander existieren“, so Vollmoeller.

Dennoch will Xing in Zukunft mehr sein als ein Netzwerk: „Letztlich werden wir Firmen kaufen oder Angebote entwickeln, die Mitarbeitern, Freelancern und Unternehmen helfen werden, in der Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich zu sein.“ Nicht alle davon müssten unter der Marke Xing firmieren, erklärt Vollmoeller: „Wir wollen in Zukunft der Servicedienstleister sein, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber neue Möglichkeiten in der sich rasant verändernden Arbeitswelt bietet.“

Lesen Sie hier das komplette Interview mit dem Xing-Chef

Herr Vollmoeller, als Xing vor 15 Jahren hier im Nachbarhaus gegründet wurde, war die Arbeitswelt eine andere. Über vier Millionen Menschen hatten keinen Job, die Zahl der Langzeitarbeitslosen war hoch, und Berufseinsteiger mussten bangen, überhaupt eine Stelle zu finden. Xing hat seitdem die Daten von Abermillionen Berufstätigen gesammelt. Wie haben die sich in den vergangenen Jahren verändert?
Arbeitnehmer leben heute in einer anderen Welt. In immer mehr Berufsfeldern gibt es mehr Jobs als Mitarbeiter. Die Folge ist, dass sich Unternehmen bei potenziellen Mitarbeitern regelrecht bewerben müssen. Nicht umgekehrt.

Welche Folgen hat das?
Das sehen wir vor allem bei den Jüngeren, sie steigern ihre Ansprüche. Vielen von ihnen reicht es nicht mehr, einfach einen Job zu machen. Sie suchen einen Arbeitsplatz, der mit ihren Zielen und vor allem Idealen in Einklang steht. Faktoren wie gutes Betriebsklima und faire Vorgesetzte sind für sie ohnehin selbstverständlich. Und einige legen schlicht Wert darauf, dass sie ihren Hund mit ins Büro bringen dürfen. Wir beobachten, dass hier eine neue Generation die gesamte Arbeitswelt verändert.

Xing sucht ebenfalls begehrte IT-Fachkräfte.
Und auch wir müssen uns strecken, um sie zu bekommen. Als ich 2012 zu Xing kam, hatten wir zum Beispiel nur fünf Freelancer, heute sind es knapp 150, weil viele von ihnen einfach keinen festen Job mehr wollen. Wir entwickeln für sie neue, flexiblere Arbeitsmodelle. Zum anderen eröffnen wir Entwicklerstandorte außerhalb Deutschlands. In Barcelona und Porto haben wir sie schon, im nächsten Jahr eröffnen wir einen weiteren in Valencia.

Muss es für Sie immer am Meer sein?
Natürlich nicht, aber das ist tatsächlich für viele Mitarbeiter ein Argument. Denn auch deutsche Kollegen sind dort gern mal für ein paar Monate. Die Option bieten wir Mitarbeitern an. Das Lebensgefühl ist in Spanien schließlich ein bisschen anders als in Deutschland.

Wie verändert sich die Plattform Xing in dieser Revolution am Arbeitsmarkt?
Wir sind immer weniger ein reines soziales Netzwerk und werden mehr zu einem Komplettanbieter für die neue Arbeitswelt.

Was bedeutet das?
Wir entwickeln neue Dienste, die sich an den oben beschriebenen Trends orientieren. Arbeitgeberbewertungen, Suchfunktionen, die nicht nur klassische Karriere-, sondern auch eine Vielzahl von Wohlfühlfaktoren abdecken. Und wir werden zum Beispiel in den nächsten Monaten unsere Plattform „Hallo Freelancer“ massiv ausbauen...

... eine Seite, die Auftraggeber und Freelancer zusammenbringt.
Der Markt ist gigantisch, praktisch jeder Freelancer in Deutschland hat ein Xing-Profil – von Webdesignern über Coaches bis hin zu Interimsmanagern. Derzeit haben wir über 400.000 Freelancer auf der Plattform , Tendenz steigend.

15 Millionen Menschen nutzen Xing in Deutschland, Linkedin dagegen zählt 12 Millionen Nutzer...
Richtig. Beide Plattformen wachsen in etwa gleich stark.

Machen Sie sich keine Sorgen, dass der US-Rivale Xing in Deutschland einholt?
Dafür sehe ich derzeit keine Anzeichen. Im Übrigen haben wir nicht nur einen Wettbewerber, sondern diverse. Bei den Arbeitgeberbewertungen konkurrieren wir mit Kununu gegen Glassdoor, bei den Events gegen Eventbrite, bei den Stellenanzeigen zum Beispiel mit Stepstone. Wir sind Konkurrenz gewohnt.

Aber ja, unser amerikanischer Wettbewerber macht durchaus Dinge richtig, fürchten müssen wir uns allerdings ganz und gar nicht. Wir sind Marktführer in Deutschland und halten den Abstand von knapp zwei Millionen seit mehreren Jahren. Wwir sind deshalb erfolgreich, weil wir uns auf unseren deutschsprachigen Kernmarkt fokussieren. Unsere Zielgruppe ist eben nicht nur die Chefetage mit internationalen Kontakten. Das haben wir nie aus den Augen verloren.

Aber haben nicht die bisherigen Erfahrungen gezeigt, dass am Ende immer nur ein soziales Netzwerk überlebt?
Das stimmte im Fall von privaten Netzwerken. Und es stimmt für Chat-Plattformen. Bei beruflichen Netzwerken ist das anders: Man veröffentlicht bei Xing mit wenig Aufwand ein Profil – und hat allein dadurch schon recht großen Nutzen, weil man von potenziellen neuen Arbeitgebern gefunden wird. Es ist kein Problem, ein weiteres Profil bei einer anderen beruflichen Plattform zu veröffentlichen. Hier gibt es kein Entweder-Oder.

Mit einem Umsatz von 77,9 Millionen Euro ist das Geschäft mit dem E-Recruiting wieder der größte Treiber in den aktuellen Quartalszahlen. Besteht denn nicht immer die Gefahr, dass sich Linkedin das Geschäft mit der Vermittlung von Arbeitsplätzen schnappt?
Da sehen wir keine Gefahr. Bei dem Personalgeschäft mit über 20.000 Kunden sind wir viel stärker als die Konkurrenz. Das liegt eben auch daran, dass wir so viele Mitarbeiter aus den mittleren Ebenen der Unternehmen auf der Plattform haben. Die Chefs sind natürlich auch eine interessante Zielgruppe, die aber machen eben nicht die Masse aus. Ich glaube, berufliche Plattformen können lange nebeneinander existieren.

Xing wächst auch außerhalb der digitalen Sphären stark – beispielsweise mit Veranstaltungen. Warum muss Xing als digitales Unternehmen auch analog präsent sein?
Als Lars Hinrichs Xing 2003 gegründet hat, lag sein Fokus natürlich auf allem Digitalen. Dann entstanden aber relativ schnell erste Gruppen in München, die sich offline vernetzt haben – ohne sein Zutun. Mittlerweile haben wir 90.000 davon und 130.000 über unsere Plattform ausgerichtete Veranstaltungen.

Ich glaube, dass diese Veranstaltungen der Klebstoff sind, der der die Menschen an uns bindet. Digitales Vernetzen ist gut, aber der echte Austausch hat eine ganz andere Qualität. Hier sehe ich in den nächsten Jahren enormes Wachstumspotenzial. Zugegeben: Für das Thema musste ich in einem klassischen Digitalunternehmen wie Xing erst einmal Überzeugungsarbeit leisten.

Mittlerweile veranstaltet Xing überall in Deutschland Konferenzen rund um das Thema neue Arbeitswelt – was steckt dahinter?
Wir haben mit dem Arbeitgeber-Bewertungsportal Kununu, dem Netzwerk für Expats Internations und eben Xing ein breites Spektrum an Hilfen für den Arbeitsalltag. Was alle miteinander verbindet, ist die Frage, wie die Zukunft der Arbeitswelt aussieht. Mit unserer Konferenz „New Work Experience“ haben wir die wohl größte Veranstaltung zu dem Thema in Deutschland geschaffen. Schon im ersten Jahr kamen knapp 1000 Menschen nach Berlin. Nach dem Umzug in die Hamburger Elbphilharmonie rechnen wir mit rund 1800 Gästen.

Aber ein Geschäftsmodell hat das Event nicht.
Geld verdienen wir damit nicht, aber wir wollen uns deutlich mit diesem Thema positionieren. Und letztlich stehen wir damit noch ganz am Anfang. Derzeit sprechen wir überall in Deutschland mit Verbänden und IHKs, um mit ihnen zusätzlich regionale Veranstaltungen zum Thema „New Work“ zu machen.

Xing präsentiert sich seit kurzem auch als Plattform für Werbung: Mit Arist von Harpe haben sie einen erfahrenen Marketingmann als Geschäftsführer an Bord geholt. Wie soll Xing im Wettstreit von Google und Facebook um die Marketingbudgets langfristig bestehen?
Früher war Werbung bei uns mal so etwas wie der Klingelbeutel, der am Ende des Jahres herumgereicht wurde, wenn noch ein bisschen Geld reinkommen sollte. Heute gehen wir das Thema viel strategischer an. Deshalb sehe ich hier ein signifikantes Wachstumspotenzial. Wichtig ist aber auch: Werbung war nie das Kerngeschäft von Xing. Das ist ein Riesenvorteil gegenüber Anbietern wie Facebook, deren Geschäft ja fast ausschließlich auf der Analyse von Nutzerdaten und Werbung basiert.

Wie hat Xing den Facebook-Datenskandal rund um Cambridge Analytica erlebt?
Grundsätzlich hilft es uns nie, wenn unsere Branche in Schwierigkeiten ist. Da ist man dann schnell in Sippenhaft. Ich wäre insofern froh, wenn das Bild der Branche positiver wäre. Aber richtig ist: Datenschutz ist für uns ein wichtiges Thema.

Das sagt sich so leicht. Was tun Sie konkret, um die Daten zu schützen?
Wir haben ein eigenes, hochprofessionelles Sicherheitsteam, nutzen ausgeklügelte technische Werkzeuge, klären unsere Nutzer regelmäßig auf. Wir überprüfen auch regelmäßig unsere Dienstleister und tauschen sie gegebenenfalls aus, wenn wir hier Risiken sehen. Als deutsches Unternehmen ist das Thema Datensicherheit gleichsam Teil unserer DNA. Ganz generell kann man mit dem Thema aber nur verlieren, aber wenig gewinnen.

Wie bitte?
Es haben doch viele versucht zum Beispiel mit E-Mails Made in Germany zu punkten. Das klingt immer gut, aber am Ende ist es dem Kunden dann doch nicht so wichtig. Jeder sagt, dass ihm Datenschutz wichtig ist – kaufentscheidend ist es meist aber dann doch nicht.

In die Zukunft geschaut: Wie wird sich die Strategie von Xing in den nächsten Jahren verändern?
Neben der immer wichtigeren Gruppe der Freelancer schauen wir uns gerade unter anderem den Markt für IT-Fachkräften an. Wir wollen auch hier wieder helfen, Unternehmen und Fachkräfte besser zusammenzubringen. Da sehe ich ein großes Potenzial. Und es gibt noch viele weitere Ideen. Das heißt, Neben der Plattform Xing wird es in Zukunft noch mehr Angebote geben, als das heute schon der Fall ist.

Sie wollen kein Netzwerk mehr sein?
Doch, das Netzwerk wird immer ein wichtiger Teil bleiben. Aber letztlich werden wir Firmen kaufen oder Angebote entwickeln, die Mitarbeitern, Freelancern und Unternehmen helfen werden, in der Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich zu sein. Die werden sicher nicht alle unter der Marke Xing firmieren, wie das heute schon nicht der Fall ist. Wir wollen in Zukunft der Servicedienstleister sein, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber neue Möglichkeiten in der sich rasant verändernden Arbeitswelt bietet.

Wie sieht es denn mit Ihrer persönlichen Zukunft aus? Laut Geschäftsbericht läuft Ihr Vertrag Ende 2020 aus.
Ich werde meinen Posten dann abgeben und bin eingeladen, nach einer sogenannten Abkühlungszeit in den Aufsichtsrat wechseln – die Nachfolgersuche läuft demnächst an. Ich finde, dass es nach achteinhalb Jahren Zeit für einen Wechsel an der Spitze ist. Es ist gut, wenn jemand Neues kommt, mit eigenen Vorstellungen und neuen Ideen. Wenn ich 60 Jahre alt bin, muss ich kein Unternehmen mehr führen, in dem die Mitarbeiter im Schnitt 32 Jahre alt sind ist.

Herr Vollmoeller, vielen Dank für das Interview.

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1 Kommentar zu "Thomas Vollmoeller im Interview: „Eine neue Generation verändert die gesamte Arbeitswelt“"

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  • Das timmt ja nicht wirklich..leider ein Fall von " nicht verstanden haben was in sein Firmen passiert".
    Xing istt Window dressing und Kontakten mit leere Details bringt keine etwas. Dazu reagiert kaum noch eine Person auf Xing und hat jede sein Interesse an Linkedin schon längst bestätigt