Tomorrow Focus Teurer Konzernumbau verschreckt Anleger

Die Burda-Tochter Tomorrow Focus baut um. Nachdem das Unternehmen sein Mediengeschäft an den Mutterkonzern abgab, folgt die Trennung von weiteren Nebengeschäften. Das kostet Geld – und das Vertrauen der Anleger.
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Der Tomorrow-Focus-Mutterkonzern Burda vereint neben zahlreichen Zeitschriften auch diverse Online-Portale unter sich. Quelle: dpa
Burda-Konzern

Der Tomorrow-Focus-Mutterkonzern Burda vereint neben zahlreichen Zeitschriften auch diverse Online-Portale unter sich.

(Foto: dpa)

MünchenDer Online-Konzern Tomorrow Focus opfert für seinen Umbau zum reinen Reiseanbieter einen Großteil seines Jahresgewinns. Weil der Abschied von den zum Randgeschäft erklärten Aktivitäten und der scharfe Wettbewerb um Urlauber viel Geld verschlingen, kassierte das Unternehmen am Donnerstag sein Ziel, den Betriebsgewinn (Ebitda) im Gesamtjahr um mindestens zehn Prozent zu steigern. Stattdessen erwartet Finanzvorstand Dirk Schmelzer kaum mehr als ein ausgeglichenes Ergebnis im fortgeführten Geschäft, zu dessen Kern das Portal Holidaycheck zählt.

Die Aktien brachen daraufhin um 15 Prozent ein. Das ist einer der größten Kursstürze der Unternehmensgeschichte. Bis zum Nachmittag wechselten bereits fast doppelt so viele Tomorrow-Focus-Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag.

Tomorrow Focus hatte sein Mediengeschäft („Focus Online“, „Huffington Post“) an den Mutterkonzern Burda abgegeben und auch die Singlebörse ElitePartner veräußert. Nun stellt das Unternehmen das Arztbewertungsportal Jameda zum Verkauf. Schmelzer sagte zu Reuters, es gebe etwa 50 Interessenten für das Tochterunternehmen, das im laufenden Jahr 5,7 Millionen Euro Umsatz und rund zwei Millionen Euro Gewinn (Ebitda) erwirtschaften solle. Auch das wesentlich kleinere Dokumentenspeicherportal organize.me soll abgestoßen werden.

Das sind die Giganten der Medienwelt
Gute Unterhaltung aus den USA?
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Fernsehsender, Zeitungen, Kinostudios – und zunehmend Online-Dienste: Medien sind ein Milliardengeschäft – im Foto eine Szene aus „The Late Show“ mit David Letterman (rechts) und US-Präsident Barack Obama (links) zu Gast. Auf Basis der Erlöse des Jahres 2014 hat das Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik unter Leitung des Medienwissenschaftlers Lutz Hachmeister ein Ranking der 100 größten Medienunternehmen der Welt erstellt. Wir zeigen die Top 10.

Platz 10: Apple
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Erstmals ist Apple in den Top Ten der weltgrößten Medienunternehmen. Möglich macht das eine Änderung der Systematik der Rangliste: Grundlage für die Einordnung in das Ranking waren ausschließlich die Erlöse der Abteilung iTunes, Software & Services, die bei 13,6 Milliarden Euro lagen. Bisher wurde Apple in der Liste nicht berücksichtigt.

Platz 9: Bertelsmann
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Einziges europäisches Medienunterhemen in den Top Ten ist Bertelsmann mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro. Wichtigste Erlösquelle ist die TV-Holding RTL Group. Aber den Konzern zieht es zunehmend in medienfremde Gefilde. So soll das Geschäft mit der Bildung zu einer neuen Unternehmenssäule ausgebaut werden.

Platz 8: Sony
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Mit einem Medienumsatz von 17,8 Milliarden Euro ist Sony abermals das größte nichtamerikanische Medienunternehmen der Welt. Im Gesamtkonzern des japanischen Unterhaltungselektronikriesen, zu dem das Hollywood-Studio Sony Pictures Entertainment, der Musik-Major Sony Music Entertainment sowie eine erfolgreiche Games-Sparte gehört, gewinnen Medienerlöse zunehmend an Gewicht.

Platz 7: Time Warner
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Time Warner, das einst größte Medienunternehmen der Welt, ist das Resultat mehrerer Fusionen. Zu ihm gehören das Hollywoodstudio Warner Bros. (Tom Hardy in Mad Max: Fury Road), das Verlagshaus Time Inc., die Filmproduktion New Line Cinema, der Pay-FV-Sender HBO und die TV-Holding Turner Broadcasting Systems. Das Medienhaus erlöste zuletzt 20,6 Milliarden Euro.

Platz 6: Viacom
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Viacom CBS, das auf einen Umsatz von 20,8 Milliarden Euro kommt, besteht aus zwei börsennotierten Gesellschaften, die beide von der Holding National Amusements Inc. des Firmenpatriarchen Sumner Redstone kontrolliert werden. Zu Viacom gehören die TV-Sender MTV und Nickelodeon sowie das Hollywoodstudio Paramount, zu CBS das Free-TV-Geschäft um das gleichnamige landesweite TV-Network, die TV-Produktion sowie Verlage und Außenwerbung.

Platz 5: DirecTV
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Mit einem Umsatz von 24,3 Milliarden Euro ist DirectTV der führende amerikanische Anbieter für Satelliten-Pay-TV. Das Telekommunikationsunternehmen AT&T will DirectTV für 48 Milliarden Dollar übernehmen. Dem Deal, gegen den die Video-Onlineplattform Netflix klagt, muss noch die amerikanische Kontrollbehörde FCC zustimmen.

Im umsatzstarken Geschäft mit Online-Reisebuchungen sind auch der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 (weg.de) und der Leipziger Online-Konzern Unister (ab-in-den-urlaub.de) aktiv. "Im Reisemarkt kommt ein richtig harter Wettbewerb auf", sagte Schmelzer. Deswegen wolle sich Tomorrow Focus ganz auf dieses Thema konzentrieren. Dies erforderte Marketingausgaben und Investitionen. Größere Zukäufe seien nicht geplant.

  • rtr
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