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Toshiba Gnadenfrist für den Traditionskonzern

Die Börse Tokio schickt Toshiba in die zweite Liga und droht Japans einstiger Ikone ein Delisting an. Doch das ist bei weitem nicht das akuteste Problem des krisengebeutelten Technikkonzerns.
23.06.2017 Update: 23.06.2017 - 15:59 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen schätzt sein negatives Eigenkapital – ein Zeichen für hohe Verschuldung – auf nunmehr umgerechnet rund 4,7 Milliarden Euro zum Ende des im März abgelaufenen Geschäftsjahres. Quelle: dpa
Toshiba

Das Unternehmen schätzt sein negatives Eigenkapital – ein Zeichen für hohe Verschuldung – auf nunmehr umgerechnet rund 4,7 Milliarden Euro zum Ende des im März abgelaufenen Geschäftsjahres.

(Foto: dpa)

Tokio Die Blamage für den krisengebeutelten japanischen Traditionskonzern Toshiba ist perfekt. Das Unternehmen wird am 1. August von der ersten in die zweite Sektion der Börse Tokio absteigen, teilte die Japanische Börsengruppe am Freitag mit. Zudem gab die Börse dem Unternehmen offiziell eine Gnadenfrist bis März 2018, um sich aus seiner Kapitalnot zu befreien und so ein endgültiges Delisting, also das vollständige Verschwinden vom Börsenparkett, zu verhindern.

Auslöser ist die tiefe Finanzkrise Toshibas, die durch die Pleite seiner amerikanischen Atomkraftwerkstochter Westinghouse vertieft wurde. Durch die notwendigen Abschreibungen sackte Toshibas Eigenkapital im Ende März abgelaufenen Bilanzjahr tief ins Minus.

In einer erneuten Bilanzrevision malte Toshiba nun ein noch düsteres Bild seiner Lage. Das negative Eigenkapital soll auf 4,7 Milliarden anschwellen, das Nettovermögen sogar um fast ein Fünftel auf 2,5 Milliarden Euro sinken. Unter dem Strich steht damit nun ein Reinverlust von acht Milliarden Euro zu Buche, ohne die in die Pleite geschickte amerikanische Atomsparte.

Kann Toshiba diese Kapitallücke in diesem Jahr nicht schließen, droht dem Konzern automatisch der Rauswurf an der Börse.. Das Problem: Die endgültige Größe der Lücke steht immer noch nicht fest, da das Ergebnis immer noch nicht endgültig ist. Denn Toshiba verschob mit Genehmigung der Finanzaufsicht die Vorlage der geprüften Jahresbilanz erneut – dieses Mal auf den 10. August. Stichtag ist für gewöhnlich der 30. Juni.

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    Ein Grund für die erneute Verschiebung ist laut Toshiba, dass die Buchprüfung für Westinghouse erst im Juli abgeschlossen sein wird. Zudem streitet sich Toshiba weiterhin mit seinem Buchprüfer Pricewaterhouse Coopers Aarata über die Frage, ob Toshiba die Verluste von Westinghouse rechtzeitig verbucht hat. Dies bedeutet, dass Toshibas Buchhalter die bisher veröffentlichten Zahlen möglicherweise noch einmal umschreiben müssen.

    Um sich aus der finanziellen Klemme zu befreien und Kapital für einen Neuanfang zu sammeln, will Toshiba nun seine lukrative Chipsparte für rund 17 Milliarden Euro versilbern. Toshiba ist nach Samsung der zweitgrößte Hersteller von Nand-Speicherchips für mobile Geräte, ein boomendes Segment der Chipindustrie. Unglücklicherweise ist noch nicht sicher, ob die Japaner ihr Halbleitergeschäft überhaupt an ihren bevorzugten Bieter verkaufen können.

    Toshiba hat sich zwar diese Woche für ein Konsortium um Japans halbstaatlichen Rettungsfonds Innovation Network Corp. of Japan (INCJ) und den Finanzinvestor Bain Capital als Käufer entschieden. Bis zur Aktionärsversammlung am 28. Juni soll der Deal festgezurrt werden. Aber der amerikanische Chiphersteller Western Digital, ein bisheriger Joint-Venture-Partner von Toshibas Chipsparte, geht juristisch dagegen vor.

    Die Amerikaner haben nicht nur ein Schiedsverfahren bei der internationalen Handelskammer eingeleitet. Sie haben bei einem kalifornischen Gericht auch eine einstweilige Verfügung gegen den Verkauf beantragt, weil Western Digital seine vertraglichen Rechte verletzt sieht und gerne selbst die Sparte übernehmen will. Die erste Anhörung ist für den 14. Juli in Kalifornien geplant. Ein klarer Heimvorteil für den Kläger.

    Toshiba Chef Satoshi Tsunakawa zeigte sich daher am Freitag auf einer Pressekonferenz offen für neue Gespräche mit seinem alten Partner. Die Amerikaner seien so gute Partner gewesen, er wolle die Gespräche fortführen, sagte Tsunakawa. Denn er erkennt einen gemeinsamen Feind. „Wir wünschen, dass Western Digital gemeinsam investiert, um gegen Samsung zu kämpfen“, appelliert Tsunakawa an ein vermeintlich gemeinsames Interesse. „Es wäre so enttäuschend, wenn wir dies wegen des Streits nicht schaffen.“

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