Toshibas Kraftwerke Atomkraft, nein danke!

Der Toshiba-Konzern stürzt noch tiefer in die Krise: Offenbar prüft der Technologiegigant aus Japan, seine US-Atomkraftwerkssparte Westinghouse in die Insolvenz zu schicken. Befreiungsschlag oder Verzweiflungstat?
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Der Toshiba-Konzern soll prüfen, Gläubigerschutz für den amerikanischen Atomkraftwerksbauer Westinghouse nach Chapter 11 zu beantragen. Quelle: Getty Images
Atomkraftwerk

Der Toshiba-Konzern soll prüfen, Gläubigerschutz für den amerikanischen Atomkraftwerksbauer Westinghouse nach Chapter 11 zu beantragen.

(Foto: Getty Images)

TokioDie Krise des japanischen Technologiekonzerns Toshiba spitzt sich zu: Unter Berufung auf eine Quelle im Unternehmen berichtete die Wirtschaftszeitung „Nikkei“, dass das Unternehmen prüfe, Gläubigerschutz für den amerikanischen Atomkraftwerksbauer Westinghouse nach Chapter 11 zu beantragen.

Ein Sprecher des Toshiba-Konzerns erklärte, dass ihm solche Pläne nicht bekannt seien. Doch auch ohne Bestätigung schoss Toshibas Aktie nach der ersten Meldung um mehr als zehn Prozent in die Höhe und ging mit einem Plus von 4,8 Prozent in die Mittagspause. Denn selbst eine solch radikale Maßnahme klingt derzeit glaubwürdig. Schließlich drängen Abschreibungen von fast sechs Milliarden Euro für Westinghouse den Traditionskonzern an den Rand des Abgrunds.

Der bereits klamme Konzern erwartet deswegen im März endenden Bilanzjahr 2016 nicht nur einen weiteren Milliardenverlust. Das Minus der Atomkraftwerkssparte zehrt das Eigenkapital Toshibas komplett auf. Ende 2016 wuchs die Überschuldung des Konzerns auf 1,6 Milliarden Euro.

Toshibas Führung versucht daher mit radikalen Maßnahmen, die Lücke zu stopfen und den Konzern neu auszurichten. In einem ersten Schritt will der Konzern die Mehrheit an seiner lukrativen Chipsparte verkaufen. Damit würde das Unternehmen zwar seinen wichtigsten Gewinnmotor verlieren, aber laut Medienberichten mindestens acht Milliarden Euro einnehmen.

Wie der Toshiba-Konzern mitgeteilt hat, soll die Chipsparte am 1. April eigenständig werden. Am Freitag wurden die notwendigen Papiere unterschrieben. Nun müssen am 30. März noch die Anleger auf einer außerordentlichen Aktionärsversammlung zustimmen.

Die Käufer stehen Schlange. Medienberichten zufolge hat der Apple-Zulieferer Foxconn aus Taiwan, der schon den japanischen Elektronikhersteller Sharp übernommen hat, Interesse angemeldet. Auch der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix gilt als Mitbieter.

Das größte Problem bleibt damit allerdings die Sanierung der Atomsparte. Der Toshiba-Konzern hat zwar schon angekündigt, künftig keine Atomkraftwerke mehr bauen zu wollen, sondern sich auf das Kraftwerksdesign, die Wartung und das Brennstoffgeschäft zu konzentrieren. Aber die Probleme wären damit nicht gelöst, weil der Konzern immer noch auf den Kosten für die laufenden Projekte sitzenbleiben würde, die den riesigen Verlust ausgelöst haben.

Westinghouse baut derzeit in den USA zwei Atomkraftwerke. Doch die Projekte liegen nicht nur deutlich hinter dem Zeitplan, sondern auch über den veranschlagten Kosten. In einer ersten Notmaßnahme übernahm Westinghouse 2015 einen Projektpartner. Doch im Dezember gestand Toshiba überraschend ein, dass der Wert des Zukaufs zu hoch geschätzt worden war. Wertberichtigungen sind die Folge.

Ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 würde es dem Toshiba-Konzern erlauben, Westinghouse zu reorganisieren und finanzielle Verbindlichkeiten und Verträge zu restrukturieren. Gläubiger können während dieser Zeit ihre Forderungen nur durch das Insolvenzgericht geltend machen, das den Rettungsversuch des Unternehmens überwacht.

Die Aktionäre müssen weiter zittern
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