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TV-Kritik Günther Jauch „Drohnen haben keine Leckerli“

Internethandel ist gleich Amazon. Und Amazon ist böse. So einfach war die Rechnung in der Talkshow von Günther Jauch. Die Gäste sprachen schlimme Probleme an – aber vergaßen viele Aspekte des Online-Handels.
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Kann die Amazon-Drohne den Handel verändern? Bei Günther Jauch war man sich einig: Zukunftsmusik, Quatsch, ein Werbegag. Quelle: Reuters

Kann die Amazon-Drohne den Handel verändern? Bei Günther Jauch war man sich einig: Zukunftsmusik, Quatsch, ein Werbegag.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfEins wollte Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar am Ende der Diskussion dann doch klarstellen: Nicht alles sei schlecht, im Internet. Man könne tolle Sachen damit bewirken, zum Beispiel Gegenstände miteinander teilen, die man selten benutzt. Kein unwichtiger Einwurf. Denn die Runde bei Günther Jauch erweckte zwischenzeitlich den Eindruck, der Internethandel könnte den Untergang des Abendlandes einläuten.

Argumente für diese Position gibt es ja auch genug: Leiharbeiter bei Amazon, Paketboten werden oft ausgebeutet, exzessives Hin- und Herschicken belastet die Umwelt und der menschliche Kontakt bleibt auch noch auf der Strecke. Es ist löblich von Günther Jauch, das zur besten Sendezeit kurz vor Weihnachten herauszuarbeiten. Was dabei aber vergessen wurde: Nicht das Bestellen an sich ist das Problem – sondern die Bedingungen, zu denen es geschieht.

„Wer leidet unter unserem Bestell-Wahn?“, fragte Günther Jauch am Sonntag in seiner Sendung. Immer mehr Deutsche bestellen Bücher, Klamotten und Elektronik im Internet. Die Runde sollte diskutieren, ob das so weiter gehen kann. Zu Beginn schwirrte tatsächlich eine kleine Drohne durchs Studio und legte ein Mini-Paket vor den Füßen des Moderators ab – eine Anspielung auf Amazons Ankündigung, bald mithilfe von Flugrobotern auszuliefern.

Als klarer Gegner des Onlinehandels saß Enthüllungsjournalist Günter Wallraff im Studio, der einst undercover die schlechten Arbeitsbedingungen von Paketboten aufgedeckt hatte. Ihm zur Seite stand Ranga Yogeshwar. Als überzeugte Online-Shopperin wurde die Rechtsanwältin und Schriftstellerin Laura Karasek angekündigt, mit ihr auf der Pro-Seite war Patrick Palombo, Berater in der E-Commerce-Branche. Für die betriebswirtschaftliche Expertise kam BWL-Professor Gerrit Heinemann hinzu.

Wallraff stellte, mit Verve und einigem Pathos, drastisch die Ausbeutung in der Branche dar. Yogeshwar argumentierte zwar unaufgeregter, betonte aber immer wieder, dass bei Online-Bestellungen die Menschlichkeit abhanden komme.

Die anderen Gäste hatten dem nicht allzu viel entgegenzusetzen. Laura Karasek schien ausschließlich im Studio zu sein, damit Günther Jauch eine Frau fragen konnte, wie viel sie online bestellt (Antwort: viel), wie viel sie davon wieder zurückschickt (wenig) und ob eigentlich die Bluse, die sie heute trägt aus dem Internet kommt (ja). Karasek sprach also fast nur über sich selbst. Patrick Palombo war der einzige, der die Online-Liefer-Branche verteidigte. Aber er sprach so viel von Preisdruck und Effizienz, dass er neben Wallraff nur als herzloser Kapitalist dastehen konnte.

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17 Kommentare zu "TV-Kritik Günther Jauch: „Drohnen haben keine Leckerli“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Falsch! Bei dem Einzelhändler um die Ecke würde der Staat noch kräftiger zulangen. Denn dieser zahlt eben noch Gewerbesteuer. Was Amazon anscheinend nicht machen soll. Und die Mehrwertsteuer zahlen die Kunden. Ebenso zahlen die Einkommenssteuer die Mitarbeiter und nicht Amazon. Amazon zahlt außer Lohnnebenkosten überhaupt nichts. Und das ist ein Wettbewerbsvorteil gegenüber jeder Konkurrenz die diese Steuertricks nicht machen (können).

  • Der wichtigste Punkt wurde in dem Artikel und der Diskussion übersehen.
    Wenn das "Staatsfernsehen" - man möge den Begriff verzeihen - solche Koryphäen wie Wallraff und Yogeshwar einlädt dann ist doch das Ergebnis der Diskussion vorauszusehen.

    Man diskutiert in Deutschland allen Ernstes im Jahre 2013 darüber, ob man im Internet kaufen solle oder boykotieren soll?

    Ich habe in unseren vermieteten Flächen Trends die ich sehe und da schneidet des sich nicht umstellende Einelhandel ganz ganz schlecht ab, die Geschäfte die aus unseren Flächen online arbeiten - da sieht es ganz anders aus.

    Wenn ich mal ansehe, wie ich die diesjährigen Weihnachtsgeschenke eingekauft habe, dann sind inzwischen 90% online ausgegeben, dieses Jahr das erste Mal davon mehr als 50% im Ausland.

    Diese Verschiebung ist Historie und wird nie wieder rückgängig zu machen sein.
    Die in dem Punkt auf uns zukommende Welle ist doch gar nicht mehr Amazon.
    Wer das noch denkt, ist noch im Mittelalter.

    Schon mal das Preisgefälle gegenüber Alibaba, der grössten internationalen Handelsplattform angesehen?
    Inzwischen sind die Waren typischerweise in 1-2 Wochen hier und die Versandkosten sind nicht viel höher als aus Belgien, Holland o.ä.
    Die Warenpreise, selbst unter Berücksichtigung von Zoll und UST sind bei 10-15% der hier in Europa verlangten Preise und di Abwicklung dank Paypal problemlos.

    Die Chinesen gründen inzwischen über Hongkong eine Grosslager/Warenhäuser in europäischen Staaten mit niedriger UST/Steuer und senden auch von dort direkt.
    Ein grosses Beispiel ist HobbyKing.
    Diese Welle ist erst am anlaufen.

    Zu den Drohnen muss man sagen, dass das Thema schneller kommen wird, als wir Alle uns das vorstellen.
    Überlegen Sie mal, wieviele Arbeitsplätze in der Distribuition dadurch ersetbar werden. Wieso geht jeder davon aus, dass die Drohne "irgendwohin" abwerfen oder "irgendwo" lang fliegen. Zunächst wird es Amazon Ports geben, wie jetzt Packstationen.
    Das Internet hat auch keier Ernst genommen....

  • Sorry, ich muss mich da wohl outen. Ich habe einen Kindle. Ich bin zwar Druckbuchfan (fanatischer), aber manchmal geht's ohne EBook nicht mehr. Kindle paperwhite hatte für mich die beste technologische Lösung. Ich gestehe reumütig, dass mich das bestimmt hat, den Kindle zu nehmen. Ich gebe aber auch zu, dass die Abhängigkeit von amazon.de mich als Gutmenschen natürlich angemessen um den Schlaf bringt. Ich werde mir also eine free share software beschaffen, mit der Kindle reader auch andere EBookformate lesen können. Ich werde mir diese software aus dem Internet herunterladen (müssen). Muss ich jetzt sterben?

  • Wie muss ich mir das denn vorstellen? So eine Drohne kurvt bei mir vor der Haustüre rum und wenn ich mich gestört fühle, darf ich das Ding mit der Fliegenklatsche erledigen?
    Uwe Kern

  • Ich finde das schlimme ist tatsächlich die Gefahr der monopolisierung. In keinem anderen Land (bis auf die USA) sind die Menschen so offen wie in Deutschland was den Inet bereich betrifft. Frankreich und Italien hängen lichtjahre hintendrann und dann wird noch versucht den Deutschen Markt vollkommen zu manipulieren. Buchpreise oder EBookpreise werden diktiert, statt zu kaufen mietet man die Bücher. Beim verkauf von Amazon artikeln wird auch getrichst.

  • selbstverständlich regelt ein Jauch das nicht, und auch ein Reporter wird Mißstände nicht selbst verändern. Und der Kunde, der bezahlt das was er bezahlen muss. Aber, man muss sowas publik machen, nur gemeinsam geht da was. Wenn der Staat Amazon sagt versteuere deine MwSt und Gewinne hier dann zahlt das der Kunde halt. Es kann nicht angehen dass ein Amazon bei 16Mrd Umsatz den Buchpreis oder den Ebook Markt (hatten die ja tatsächlich getan) manipuliert. Jeder der einen Kindle reader kauft ist derart kurzsichtig dass es mir die Sprache verschlägt. Aber solange verdummung kostenlos zu bekommen ist wird sich da nicht viel ändern.

  • HANDELSBLATT: "Erst Amazon, jetzt auch die Deutsche Post: Der Logistikkonzern testet die Zustellung per Drohne. Fünf Tage lang liefern „DHL-Paketkopter“ ab Montag Medikamente aus – zunächst aber nur an Post-Mitarbeiter."
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/nach-amazons-vorstoss-post-schickt-paketkopter-drohne-in-den-testlauf/9176602.html

  • Es war offensichtlich, dass Wallraff Amazon mit ein paar fadenscheinigen "Opfern" schlechtredet, um sein neues Buch an den mitleidigen Leser zu verkaufen.

  • Nur ein paar Hinweise: Die Mehrwertsteuer ist bei Amazon mehr oder weniger ein Durchlaufposten - schließlich bekommt er vom Staat die von ihm gezahlte Mehrwertsteuer (Vorsteuer) zurück.
    Und die Einkommenssteuer hängt stark vom Einkommen der Beschäftigten ab - ich schätze mal, das ist in den Versandzentren nicht übermäßig hoch. Dort wirken dann die niedrigsten Steuersätze.

    In der Diskussion geht es um die Gewinnsteuern. Diese werden durch einfache Verrechnungen von den Unternehmen so optimiert, dass fast keine Gewinnsteuern so anfallen. Beispiel: So könnte Amazon Deutschland für die Nutzungsrechte der Marke Amazon eine hohe Lizenzgebühr an eine andere Amazon-Tochter bezahlen, die auf den Cayman Islands sitzt (fiktives Beispiel!).
    Aber dass die globalen Unternehmen ihre Steuern reduzieren ist anhand der offiziellen Steuern aus den Geschäftsberichten nachlesbar - unsere Politiker machen sich aber mitschuldig, da sie dem keinen Riegel vorschieben (wollen?).

  • @Woderland: durchdenken Sie Ihr eigenes Agument nochmal genau:Die Nachsteuerrendite ist entscheidend. Da geht der Gewinn vor Steuern UND die Steuerlast ein (vereifachend mal als mathematisches Produkt). Den Gewinn haben Sie beleuchtet - wenn das Geld hier in D verdient wird, sollte es möglichst auch hier versteuert werden, da die Deutsche Infrastruktur genutzt wird. Zudem: Der Einzelhändler (und alle anderen) in D lebt vom Nettoeinkommen. Wenn daher Amazon mit einer niedrigeren Bruttomarge (wenig Gewinn) eine höhere Nettomarge (aufgrund niedrigerer Steuern) als der Händler vor Ort erreicht, na dann raten Sie mal...
    Eine Steuer haben Sie zudem übersehen: die Umsatzsteuer. Diese wird von Amazon in Lux (zu Recht) auf einige Lieferungen nicht erhoben (schauen Sie mal auf die Rechnungen) und das ist ein Standortvorteil in Lux. Das ist teilweise auch verständlich, denn wenn der deutsche Finanzminister und vor allem die SPD immer noch glaubt, Steuern in Deutschland isoliert von der restlichen Welt erhöhen zu können - nun, es gibt hochbezahlte Anwälte, die das optimieren. Nur schadet es der Wirtschaft vor Ort. Wären daher die Steuern in D auf einem sinnvollem Niveau (D.h. niedriger), dann wäre Amazon nicht in der Lage (und auch gar nicht bestrebt) soviel Steueroptimierung zu betreiben (denn auch das kostet). Und der Einzelhändler hätte mehr in der Tasche.
    Und ja, die Bedingungen für die Mitarbeiter sollten, sofern der Bericht korrekt ist, selbstvertändlich verbessert werden. Das sollte in D bei der Stärke der Gewerkschaften kein Problem sein.


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