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TV-Sender Pro Sieben Sat. 1 kämpft weiter mit schwachem TV-Werbegeschäft

Der TV-Riese hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Das Werbegeschäft schwächelt spürbar. Ein neues Videoportal soll nun Hoffnung bringen.
Update: 07.03.2019 - 12:54 Uhr Kommentieren
Mit dem Jahr 2018 ist der Konzern unzufrieden. Quelle: dpa
ProSiebenSat.1 Media SE

Mit dem Jahr 2018 ist der Konzern unzufrieden.

(Foto: dpa)

MünchenSchwacher Start von Max Conze an der Spitze von Pro Sieben Sat 1. Der Umsatz der größten privaten Sendergruppe des Landes ist vergangenes Jahr um zwei Prozent auf vier Milliarden Euro geschrumpft. „2018 war kein Jahr, mit dem wir zufrieden sein können“, sagte der Manager, der den im MDax notierten Medienkonzern seit vergangenem Juni führt.

„Wir konnten die Schwäche im TV-Werbegeschäft noch nicht ausreichend mit dem Wachstum im Digital- und Commerce-Bereich ausgleichen“, so Conze. Der Gewinn ist um fast die Hälfte auf 248 Millionen Euro eingebrochen.

Die Aktionäre müssen tapfer sein, denn es wird auch in den nächsten Monaten nur langsam aufwärts gehen. Der Umsatz werde dieses Jahr lediglich um rund fünf Prozent klettern, teilte der Konzern an diesem Donnerstag mit. Dies allerdings auch nur dann, wenn es mit der TV-Reklame nicht unerwartet stark abwärts gehe. Derzeit rechnet Conze mit einem Minus von maximal zwei Prozent. Fernsehwerbung ist die wichtigste Einnahmequelle des Konzerns.

Conze kündigte an, kräftig zu investieren, damit das Unternehmen in Zukunft wieder größere Sprünge machen könne. So nimmt der 49-Jährige im laufenden Jahr zusätzlich 120 Millionen Euro für lokale TV-Produktionen in die Hand. Bis zu 50 Millionen Euro will Conze für eine neue Online-Videothek ausgeben. Sie soll im Sommer gemeinsam mit Partner Discovery starten.

Die sogenannte adjusted Ebitda-Marge soll damit 2019 zwischen 20 und 25 Prozent erreichen. Dieser Wert bezieht sich auf das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr lag diese Kennziffer bei gut 25 Prozent.

Der ehemalige Chef des Staubsaugerherstellers Dyson baut den Konzern seit seinem Amtsantritt im vergangenen Frühjahr kräftig um, vor allem beim Spitzenpersonal ist er alles andere als zimperlich. Die jüngsten Abgänge: Finanzvorstand Jan Kemper, 38, hat an diesem Donnerstag zum letzten Mal die Bilanz präsentiert. Der Manager verlässt den Konzern Ende des Monats. „Das ist im besten Interesse des Unternehmens“, sagte Kemper am Donnerstag.  Vertriebschefin Sabine Eckhardt, 46, räumt ihren Schreibtisch vier Wochen später. Sie war 15 Jahre im Konzern.

Erst im Oktober warf der amerikanische Produktionsvorstand Jan Frouman hin. Schon Ende Juli gab der fürs operative Geschäft zuständige Christof Wahl auf. Auch Rüdiger Böss, jahrelang Chefeinkäufer bei den Studios in Hollywood, musste Ende 2018 gehen. Vom Vorstand, wie ihn Conze zum Amtsantritt vorgefunden hat, ist bald nur noch einer übrig: sein Stellvertreter Conrad Albert, 51. „Das ist ein ganz normaler Vorgang“, kommentierte Vorstandschef Conze den Wechsel im Top-Management.

Künftig wird der Vorstand nur noch drei Köpfe umfassen Die Position von Eckhardt wird nicht wieder besetzt. Hinzustoßen wird im Frühsommer hingegen als neuer Finanzchef Rainer Beaujean, derzeit für die Kasse der Gerresheimer AG zuständig und einst Chef von T-Online.

Conzes großes Ziel: Er will den Umsatz in den nächsten fünf Jahren auf sechs Milliarden Euro steigern und den bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um die Hälfte auf 1,5 Milliarden. „Das ist anspruchsvoll, aber erreichbar“, unterstrich der Konzernherr am Donnerstag am Firmensitz in Unterföhring.

Um das zu erreichen, will Conze vermehrt Eigenproduktionen in Auftrag geben. So versucht er, mehr Zuschauer nicht nur im TV, sondern auch auf Smartphones oder Computern anzulocken und die Werbeeinnahmen über alle Verbreitungswege steigern. Gleichzeitig will er die Reklame zielgerichteter ausstrahlen.

Um all das zu finanzieren, kürzte Conze die Ausschüttungsquote von bisher 80 bis 90 Prozent des sogenannten adjusted Net Income auf 50 Prozent. Für 2019 erhalten die Anteilseigner damit 1,19 Euro, gut ein Drittel weniger als im Vorjahr. 

Wenig Dynamik, viele Probleme

Vergangenes Jahr ist der Umsatz des mit Abstand größte Bereichs, der TV-Sparte, um drei Prozent auf 2,7 Milliarden Euro geschrumpft. Der angepasste operative Gewinn, das adjusted Ebitda, ging um zwei Prozent auf 881 Millionen zurück. Diese Division steht für etwa 80 Prozent des Betriebsgewinns.

Die zwei anderen Sparten, die vermeintlichen Wachstumsbringer, entwickelten sich wenig dynamisch. Die Erlöse der Filmproduktion wuchsen lediglich um zwei Prozent auf 608 Millionen Euro. Der operative Gewinn hat sich zwar mit 31 Millionen Euro mehr als verdoppelt, fällt aber trotzdem noch vergleichsweise gering aus.

In seiner sogenannten Commerce-Sparte hat Conze verschiedene Internetfirmen gebündelt. Der Umsatz stieg um ein Prozent auf 831 Millionen Euro, der Gewinn hingegen sank um fast ein Viertel auf 103 Millionen Euro.

Die Börse nahm Ergebnisse und Prognose von Pro Sieben Sat 1 zunächst positiv auf. Am Morgen kletterte der Aktienkurs um drei Prozent, zeitweise waren die Papiere der größte Gewinner im MDax. Um die Mittagszeit allerdings lagen die Papiere gut ein Prozent im Minus gegenüber dem Vortag bei knapp 16 Euro. Binnen Jahresfrist haben die Papiere mehr als 40 Prozent an Wert verloren.

Der Jahresauftakt sei gemischt verlaufen, teilte der Konzern mit. Die Commerce-Sparte sowie die Produktions-Division würden im ersten Quartal zweistellig wachsen. Das Geschäft mit der TV-Werbung im Januar und Februar sei „ordentlich“ gewesen, der März hingegen unter Vorjahr. Wie es nun weiter geht? Das ist offen: „Die Visibilität bleibt insbesondere für das klassische TV-Werbegeschäft sehr eingeschränkt.“

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