Twitter-Skandal Tinder macht Schluss mit seinem Chef

Der wegen eines Sex-Skandals geschasste Tinder-Gründer Sean Rad kehrt als CEO an die Spitze zurück. Ob die Entscheidung angesichts der Debatte um Sexismus im Valley das richtige Signal ist, bleibt abzuwarten.
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Dating-Apps wie Tinder boomen. Quelle: Imago
Flirt per Smartphone

Dating-Apps wie Tinder boomen.

(Foto: Imago)

San FranciscoEs scheint, als hätte ausgerechnet jene Firma, die Menschen via App zusammenbringen will, beim eigenen Personal wenig Glück. Der ehemalige Ebay- und Microsoft-Manager Chris Payne war erst im März auf Sean Rad als Geschäftsführer bei Tinder gefolgt. Der ebenso legendäre wie umstrittene Mitgründer war damals auf Druck der Öffentlichkeit wegen eines Sex-Skandals zurückgetreten. Und nun kehrt Rad zurück.

Es sei schon nach wenigen Monaten klar gewesen, erklärte Tinder-Aufsichtsratsmitglied und Benchmark-Partner Matt Cohler, dass Payne nur eine vorrübergehende Lösung sei. „Wir haben uns dann dafür entschieden, die Sache lieber früher als später zu entscheiden.“

Der Rauswurf kommt nur einen Tag nach einer wüsten Beschimpfungstirade auf Twitter, in der die amerikanische Dating-App das Magazin Vanity Fair und die Journalistin Nancy Jo Sales wegen eines angeblich einseitigen Artikels scharf angreift. Zunächst verteidigte Tinder seine Wutausbrüche, später räumte der mittlerweile „damalige“ Vorstandschef ein, man habe „überreagiert“.

In ihrer aktuellen Ausgabe hatte das US-Magazin in einem langen Feature darüber berichtet, wie die App das Dating-Verhalten der jungen Generation verändere. Die App verunglimpfe die Dating-Kultur – ein Nutzer kann sich die Profile von hunderten Frauen oder Männern zeigen lassen und sich durch die Bilder klicken. Das, so der Vorwurf, führe zur Verflachung der Partnersuche. Viele Leute nutzten das Programm vor allem, um ihr Ego zu stärken, berichtete die Autorin.

Tinder reagierte auf den Artikel mit einer Twitter-Attacke. Doch dann beschuldigte das Fachmagazin Advertising Week das Start-up, es habe die ganze Show generalstabsmäßig von der PR-Agentur Rogers & Cowan planen und ausführen lassen. Die unsachgemäße Auseinandersetzung mit den Kritikern mag Zweifel an den Führungsqualitäten des Tinder-Chefs gefördert und letztlich zum Rauswurf geführt haben.

Tipps für die Beziehung am Arbeitsplatz
huGO-BildID: 34191411 Two children whisper during the memorial service for Nelson Mandela at the Bryanston Methodist Church in Bryanston suburb of Jo
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Auch wenn man sich mit einem anderen Kollegen gut versteht, sollte man ihm nicht jedes Beziehungsdetail zuflüstern. Die Gefahr ist groß, dass die vermeintlichen Geheimnisse die Runde im Büro machen. Vor allem wenn der Partner von dem Vertrauensbruch erfährt, könnte das zu Spannungen führen.

NSA
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Wer eine Beziehung am Arbeitsplatz führt, sollte das nicht geheim halten. Besser ist es, mit offenen Karten spielen und das Verhältnis mit dem Vorgesetzten zu besprechen. In vielen Fällen kann so Ärger und Gerede im Büro vermieden werden.

huGO-BildID: 3659527 Die Mittagspause im Freien geniessen am Donnerstag, 15. April 2004, einige Sonnenhungrige in einem Cafe auf dem Frankfurter Roem
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Wer die Mittagspause auch einmal mit anderen Kollegen verbringt, läuft weniger Gefahr, nur noch als „das Büro-Paar“ bezeichnet zu werden. Für Menschen mit einer Beziehung am Arbeitsplatz sollte es wichtig sein, weiterhin als unabhängige Person wahrgenommen zu werden.

"Bär" radelt durch die Aue
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Kosenamen wie „Bärchen“, Küssen und Händchenhalten sind zwischen Kopierer und Meetingraum nicht gern gesehen. Eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses wird es wohl nicht nach sich ziehen, aber man kann sich Zärtlichkeiten auch für den Feierabend aufheben.

Nacken, Nackenschmerzen
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Zu Spannungen führen kann eine Beziehung zum Chef: Wenn ein Partner eine höhere Führungsposition in der Firma innehat, sollte das der andere nicht ausnutzen und sich Vorteile im Beruf verschaffen. Bissige Kommentare wären in diesem Fall das geringste Übel, häufig kommt es dadurch auch zu Mobbing am Arbeitsplatz. Dann sollte man über einen Berufswechsel nachdenken.

Streit um Futter
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Streit im Büro ist Tabu. Kollegen und Vorgesetzte sollten nicht als Schlichter oder Befürworter genutzt werden, das schadet dem Arbeitsklima. Falls eine Auseinandersetzung sofort geklärt werden muss, sollte man das lieber vor den Türen des Büros tun. Und ansonsten: Die Diskussion auf nach die Arbeit verschieben.

Streitschlichtungszentrum geplant
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Falls die Beziehung scheitert, sollten die Ex-Partner sachlich darüber reden, wie es am Arbeitsplatz weitergeht. Die Atmosphäre im Betrieb sollte keinesfalls unter privaten Streitigkeiten leiden. Auch über einen Arbeitsplatzwechsel sollte nachgedacht werden.

Schließlich war der Tinder-Gründer, der bislang als Marketing-Chef und Präsident fungiert hatte, nicht ohne Grund in die zweite Reihe verschwunden. Sein Rücktritt folgte auf einen internen Sex-Skandal. 2014 hatte die Ex-Mitarbeiterin Whitney Wolfe ihrem Kollegen Justin Mateen sexuelle Belästigung und Beleidigung vorgeworfen. Mateen hatte sie per SMS als „Verliererin” und „Nutte” beschimpft, „die von einer Beziehung zur nächsten springe”, nachdem sie die Beziehung zu ihm beendet hatte. Rad habe bewusst weggesehen, ihre Hilferufe als „übertrieben” bezeichnet und ihr sogar gedroht, sie zu feuern, sollte sie es nicht schaffen, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Milliarden von „Swipes“ pro Tag
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